„Der Aufwärtstrend an den Börsen ist intakt“

Nach dem Brexit-Votum standen die Finanzmärkte kurzzeitig unter Druck. Allerdings geht die Welt von diesem Ereignis nicht unter. Der Kapitalmarkt wird die Situation verkraften, sagt Prof. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt beim Versicherungskonzern Allianz.

Michael Heise Allianz

Cash.: Wie schätzen Sie mittelfristig die Höhe des Wirtschaftswachstums im Vereinigten Königreich ein und welchen quantifizierbaren Effekt hat hierbei das Brexit-Referendum auf die Konjunktur?

Heise: Das Austritts-Votum der Briten bringt hohe Unsicherheit in die Erwartungen der Unternehmen und Konsumenten und es wird Investitions- und Konsumzurückhaltung zur Folge haben. Wie stark diese Verunsicherung wirkt, ist schwer zu quantifizieren. Wir haben unsere Wachstumsprognose für Großbritannien für 2016 von 1,9 Prozent auf 1,0 Prozent und für 2017 von 2,1 Prozent auf 1,0 Prozent gesenkt.

Der Wachstumsverlust kann aber auch größer werden und in eine Rezession führen, wenn die Austrittsverhandlungen zögerlich und konfliktreich verlaufen. Langfristig wird sich das Wirtschaftswachstum in Großbritannien allerdings wieder erholen.

Wir rechnen jedenfalls damit, dass Großbritannien und die EU ein Freihandelsabkommen ohne größere Belastungen für die Handelsbeziehungen vereinbaren. Großbritannien dürfte auch einen weitgehenden Zugang zum Binnenmarkt behalten, da es bereit sein dürfte, die Regeln der EU in wichtigen Bereichen weiterhin anzuwenden.

Wie groß ist der ökonomische Dämpfer für Deutschland und den Rest der EU-27-Staaten?

Der Dämpfer wird für Deutschland und die EU-27 geringer sein als für Großbritannien selbst. Aber auch bei uns werden sich die wirtschaftlichen Erwartungen zunächst eintrüben. Belastungen kommen vom Export nach Großbritannien, der unter der zu erwartenden wirtschaftlichen Schwäche der britischen Wirtschaft und der Aufwertung des Euro gegenüber dem Pfund leiden wird.

Wir rechnen im dritten und vierten Quartal dieses Jahres mit einer leichten Abschwächung des Wachstums im Euroraum, die aber im Verlauf von 2017 auch vor dem Hintergrund eines relativ stabilen Arbeitsmarktes wieder überwunden wird.

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Im Jahresdurchschnitt dürfte die deutsche Wirtschaft 2016 immer noch um 1,8 Prozent (bisher 2,2 Prozent) und die Wirtschaft im Euroraum um 1,5 Prozent (bisher 1,7 Prozent) wachsen. Im Jahr 2017 rechnen wir nun mit jeweils 1,6 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (bisher 1,9 und 1,8 Prozent).

 

Seite zwei: Die EZB wird eine ruhige Hand bewahren

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