Helikoptergeld rückt in Japan näher

Bei der japanischen Zentralbank mehren sich die Gründe für die Wiederaufnahme der Abenomics-Politik. Gastkommentar Ursina Kubli, Bank J. Safra Sarasin 

Ursina Kubli spekuliert über die künftige Geldpolitik der japanischen Zentralbank.
Ursina Kubli spekuliert über die künftige Geldpolitik der japanischen Zentralbank.

Trotz extrem lockerer Geldpolitik ist der japanische Yen in diesem Jahr markant angestiegen und hat rund 50 Prozent der durch Abenomics initiierten Währungsabwertung wieder wettgemacht. Diese Aufwertung wird der BoJ erschweren, ihr Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen. Die große Frage ist, welche Munition die Bank of Japan noch zur Verfügung hat, um die positive Dynamik nach Beginn von Abenomics wiederzubeleben.

Der Besuch des früheren Fed-Chefs Ben Bernanke führte zu Spekulationen über mögliches Helikoptergeld in Japan. BoJ-Chef Kuroda dämpfte diese Erwartungen wiederum am vergangenen Donnerstag mit den Worten: «Es gibt keine Notwendigkeit und keine Möglichkeit für Helikoptergeld». Allerdings behauptete Kuroda noch zwei Wochen vor Einführung der Negativzinsen, dass die Zinsen in Japan nicht in den negativen Bereich gesenkt werden.

Helikoptergeld schon fast fünf Jahrzehnte im Gespräch

Helikoptergeld ist ein altes Konzept, welches von dem berühmten Ökonomen Milton Friedman im 1969 entwickelt wurde. Er verwendete diese Metapher, um zu illustrieren, dass eine Zentralbank immer Inflation generieren kann, wenn sie will. Bernanke verwendete die Helikopter-Analogie ebenfalls in einer Rede im Jahr 2002. Bernanke betonte damals, dass Helikopter-Geld auch dann funktioniert, wenn die konventionelle Geldpolitik nicht mehr wirkt und die Staatsschulden hoch sind. Die Idee ist, dass eine Zentralbank den Konsumenten oder dem Staat Geld transferiert und dabei die Zentralbankbilanz verlängert.

Politiker haben Problematik unterschätzt

Da die BoJ im Rahmen des bisherigen Programms bereits ein hohes Volumen an japanischen Staatsanleihen aufgekauft hat ohne die Inflation dauerhaft zu heben, stellt sich die Frage, was bisher falsch gelaufen ist. Das Hauptproblem ist, dass die verantwortlichen japanischen Politiker die Problematik einer Bilanzrezession unterschätzt haben. Während die Geldpolitik zwar viel Liquidität geschaffen hat, haben sich die japanischen Behörden auf die Austerität konzentriert. Die Mehrwertsteuern wurden im April 2014 erhöht mit dem Glauben, dass die Wirtschaft diesem Schock standhalten kann. Doch Japan endete in einer Rezession. Bauen die Konsumenten und der Staat ihre Schulden ab, steigt die Nachfrage nach Krediten trotz günstiger Liquidität nicht genügend an. Dieses Phänomen wird in der ökonomischen Theorie «Liquiditätsfalle» genannt.

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Die japanischen Politiker scheinen sich dieser Problematik inzwischen bewusst geworden zu sein. Die im 2017 angesetzte Mehrwertsteuererhöhung wurde verschoben und weiterer Fiskalstimulus wurde in Aussicht gestellt. Früher war die Bestimmung des richtigen Mix von Fiskal- und Geldpolitik immer eine Entweder-oder-Frage. In Zukunft werden die Fiskal- und Geldpolitik hingegen besser aufeinander abgestimmt und kombiniert verwendet. Wir erwarten einen kräftigen Fiskalstimulus von mindestens 10 Billionen Yen, eine mögliche Aufstockung der Anleihenankäufe, kombiniert mit einer weiteren Zinssenkung von –10 Basispunkten. Ursina Kubli ist Ökonomin bei Bank J. Safra Sarasin, Schweiz

Foto: Bei der japanischen Zentralbank mehren sich die Gründe für die Wiederaufnahme der Abenomics-Politik.

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