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25. April 2016, 09:02
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Langfristige Betrachtung der Emerging Markets

Einige Faktoren wie der Rückgang der Rohstoffpreise, die hohe Fremdwährungsverschuldung der Unternehmen, der US-Dollar-Anstieg und die Erwartung eines Zinsanstiegs in den USA belasten die wirtschaftlichen und finanziellen Perspektiven in den Emerging Markets (EM). Gastkommentar von Markus Jaeger, Deutsche Bank.

Russland-Moskau-750 in Langfristige Betrachtung der Emerging Markets

Markus Jaeger untersucht die aktuelle Situation an den Emerging Markets.

Der relative Mangel an Reformen sowie die Abschwächung einiger struktureller wachstumsfördernder Faktoren haben Bedenken bezüglich der mittelfristigen Aussichten in vielen, aber nicht allen Schwellenländern ausgelöst.

Nach Einschätzung des IWF wird die Wachstumslücke zwischen den großen asiatischen Emerging Markets und den übrigen Schwellenländern signifikant bleiben. Diese Kluft hat immer bestanden, scheint sich jedoch – mit Ausnahme von China – auszuweiten. Dies ist zum Teil auf den Konjunktureinbruch in Brasilien und Russland zurückzuführen, die besonders stark vom Rückgang der Rohstoffpreise betroffen sind. Umfassende strukturelle Tendenzen zeigen jedoch ebenfalls Wirkung. Das Pro-Kopf-Einkommen und die demografischen Tendenzen begünstigen Indien und Indonesien im Vergleich zu allen anderen großen aufstrebenden Ländern. Dies ist auf folgende Faktoren zurückzuführen:

Indien und Indonesien werden weiter arm bleiben

Erstens bleibt das das Pro-Kopf-Einkommen in Indien und Indonesien im Vergleich zu den anderen großen Emerging Markets gering. Nach der bedingten Einkommenskonvergenzhypothese haben ärmere Länder ein höheres Wachstumspotenzial als reichere Länder, da sie die Fähigkeit haben, leichter Produktivitätszuwächse zu generieren, was sich auf eine höhere Grenzproduktivitat von Kapital und einen starkeren potenziellen Anstiegs der totalen Faktorproduktivität zurückführen lässt. Ob Konvergenz stattfindet, hängt natürlich davon ab, ob die Länder eine vernünftige Wirtschaftspolitik verfolgen. Die Korrelation zwischen Pro-Kopf-Einkommen und Wirtschaftswachstum (sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft) ist im Falle der größeren Emerging Markets relativ hoch.

Zweitens haben alle größeren Emerging Markets – mit Ausnahme von Indien und Indonesien – Pro Kopf-Einkommen erreicht, die mit der „mittleren Einkommensfalle“ in Verbindung gebracht werden. Nach der These von Eichengreen et al (2013) gibt es zwei Einkommenniveaus, bei denen tendenziell signifikante Wachstumsabschwächungen auftreten (Grafik, kritische Niveaus angepasst). Aus dieser Sicht könnte China in der Tat auf einige schwierige Jahre zusteuern. Auch in Brasilien, Mexiko und der Türkei könnte sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen, da sie sich nunmehr der zweiten, höheren Einkommensschwelle nähern. Sollten die Daten zutreffen, könnte Russland interessanterweise bereits die kritischen Schwellenwerte überschritten haben. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Rohstoffboom bis vor kurzem dazu beitrug zu kaschieren, dass sich Russlands zugrundeliegendes Wachstumspotenzial aufgrund der „mittleren Einkommensfalle“ abgeschwächt hat.

Drittens weist der demografische Ausblick der EM-Länder ebenfalls große Unterschiede auf, wobei die demografischen Perspektiven in Indien, Indonesien und Mexiko am günstigsten sind. In diesen Ländern gehen die Abhängigkeitsquotienten zurück, während die Anzahl der Erwerbstätigen in absoluten Zahlen rasch zunimmt. Dies kontrastiert stark mit der Konstellation in China und Russland. Nicht nur haben die Abhängigkeitsquotienten dort ihren Tiefpunkt erreicht; gleichzeitig geht die Anzahl der Erwerbsfähigen in diesen Ländern absolut gesehen zurück. In Brasilien und der Türkei ist die demografische Entwicklung etwas positiver, aber selbst in diesen Ländern wird sich das demografische Fenster ungefähr innerhalb der nächsten zehn Jahre schließen.

Seite drei: Demografische Tendenzen haben wenig mit Wachstum zu tun

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