9. Mai 2016, 09:03
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US-Dollar: Crash voraus

Obwohl die EZB mittlerweile eine expansivere Geldpolitik betreibt als die FED, hat sich der Euro seit Mitte Dezember erholt. Ist das für die Dollar-Bullen schon ein Warnsignal? Es gibt einige Argumente für eine schwächere US-Währung.

Gastkommentar von Rolf Ehlhardt I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH

Euro-dollar in US-Dollar: Crash voraus

Am Devisenmarkt dürfte es auch künftig weiter turbulent zugehen.

Nachdem sich die US-Wirtschaftszahlen 2016 verschlechtert haben, zweifeln immer mehr Marktteilnehmer an weiteren Zinssteigerungen durch die FED. Es mehren sich sogar die Stimmen, die im Laufe des Jahres von einem QE4 ausgehen. Zumal Ende des Jahres gewählt wird und sich die regierende Partei keine schwächelnde Wirtschaft leisten kann.

Ein weiterer Hinweis auf rückläufiges Wachstum ist, dass 2015 das Programm für Lebensmittelhilfe (SNAP) die Rekordsumme von 74 Milliarden US-Dollar verschlungen hat. Auch rückläufige Unternehmensgewinne und die daraus resultierenden Investitionskürzungen sowie ein Schuldenstand bei den Unternehmen von 45 Prozent der Einnahmen zeigen in eine eindeutige Richtung.

Vereinigte Staaten leiden unter Schuldenlast

Das Hauptproblem der USA sind die Schulden. Neben der schon chronischen Überschuldung der amerikanischen Konsumenten erreichen jetzt auch die Studentenkredite mit 1,4 Billionen US-Dollar ein neues Hoch. Die heutigen Studenten müssen also zu Beginn des Arbeitslebens ihre Kredite zulasten des Konsums tilgen.

Ebenfalls neue Hochs erreichten die Autokredite. Der Staat selbst hat sich die Erholung der Wirtschaft seit 2007 mit etwa 10 Billionen US-Dollar neuer Schulden erkauft und seine Schulden in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Rechnerisch kommen von 100 Dollar Neuschulden nur 30 Dollar in der Wirtschaft an.

Ein Erfolgsrezept rechnet sich anders. Mit derzeit über 19 Billionen Dollar Staatsschulden haben sich die Verbindlichkeiten der USA seit 1971 (Bretton Woods) jährlich um circa neun Prozent erhöht und sich statistisch alle acht Jahre verdoppelt. Wollte man die Schulden mit Gold decken, müssten die USA etwa 15 Milliarden Unzen Gold kaufen. Da sich momentan keine Kehrtwende in der Schuldenpolitik abzeichnet, hätte der amerikanische Staat auf 2032 hochgerechnet Schulden in Höhe von 80 Billionen Dollar.

Vor diesem Hintergrund bröckelt die Stellung des Dollars als Weltreservewährung. Ein weiterer Vertrauensverlust und die damit verbundene Reduzierung der Dollarbestände bei den Währungsreserven könnten die Finanzierung der Staatsdefizite gefährden. Etwa 40 Prozent aller Anleihen am Rentenmarkt (rund 35 Billionen Dollar) sind bis 2020 fällig und müssen refinanziert werden. Der US-Dollar muss also unbedingt stabil bleiben, damit Investoren in der amerikanischen Währung bleiben oder diese aufstocken. Überhänge müsste sonst die FED kaufen. Sie ist aber schon jetzt der größte Gläubiger des Staates! Die Regierung und die FED werden alles in Bewegung setzen, um die Staatsfinanzierung sicherzustellen. Sie kommentieren die Wirtschaftsdaten daher immer solider als die veröffentlichten Zahlen es erahnen lassen.

Die FED muss der Spagat zwischen Glaubwürdigkeit, stabiler Währung und wirtschaftlichem Schaden gelingen. Die wirtschaftliche Entwicklung deutet auf fallende Zinsen hin. Ein rückläufiger Zinsspread zum Euro dürfte diesen weiter ansteigen lassen. Wenn Ängste bzgl. des Auseinanderbrechens des Euro verblassen und gleichzeitig das Vertrauen in die amerikanische Währung nachlässt, muss sogar ein Crash des US-Dollars befürchtet werden.

Rolf Ehlhardt ist Vermögensverwalter bei der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH in Mannheim.

Foto: Shutterstock

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