2. November 2016, 08:31
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US-Wahlkampf: Healthcare-Investments bleiben in jedem Fall attraktiv

Kaum ein anderes Ereignis bewegt derzeit die Märkte stärker als die Frage nach dem Ausgang der US-Wahlen am 8. November. Gastkommentar Vasilios Tsimiklis, Sectoral Asset Management

Vasilios-Tsimiklis-Kopie in US-Wahlkampf: Healthcare-Investments bleiben in jedem Fall attraktiv

Vasilios Tsimiklis, CFA, Volkswirt bei Sectoral Asset Management sieht viele Chancen für Biotech-Aktien

Die Pläne beider Kandidaten in Sachen Gesundheitspolitik haben den Healthcare-Markt in den letzten Monaten fortwährend verunsichert und entsprechend unter Druck gesetzt. Doch wer auch immer am Ende das Rennen gewinnt –  an der US-Gesundheitspolitik dürfte sich auch nach den Wahlen kaum etwas ändern. Healthcare-Investoren sollten das aktuell attraktive Kursniveau daher als Einstiegschance betrachten.

Kanada als Vorbild

Geht es nach Clinton, sind Regulierungen zur Kontrolle der Medikamentenpreise geplant. Zudem soll die staatliche Krankenversicherung Medicare in Zukunft direkt mit Pharmaunternehmen verhandeln dürfen. All ihre Pläne zielen darauf ab, den seinerzeit unter Obama als „Obamacare“ eingeführte Affordable Care Act (ACA)  zu stärken und einen weiteren Anstieg der Gesundheitskosten, die Patienten bislang aus der eigenen Tasche zahlen müssen, zu drosseln.  Trump hingegen hat in puncto Gesundheitspolitik der republikanischen Doktrin weitgehend Treue geschworen. Wird er Präsident, will er nicht nur den ACA widerrufen und durch etwas „sehr viel Besseres“ ersetzen. Zukünftig soll die Regierung außerdem über Medikamentenpreise und Arzneimittelimporte aus Ländern wie Kanada verhandeln dürfen – was traditionelle republikanische Überzeugungen jedoch eher konterkariert.

Einschneidende gesundheitspolitische Reformen sind unwahrscheinlich

Doch trotz dieser mehr oder minder konkreten Aussagen dürfte sich in Sachen Gesundheitspolitik de facto kaum etwas bewegen. Denn zum einen waren die Diskussionen um den ACA und die Medikamentenpreise im Zuge des Wahlkampfs emotional hochgradig aufgeladen und vor allem ein Instrument, um auf Wählerstimmenfang zu gehen. Was jedoch entscheidender ist: Die gesundheitspolitischen Folgen hängen vor allem vom Handeln des Kongresses ab und weniger von der Frage, wer ins Weiße Haus einzieht. Doch der Kongress ist seit 2011 nicht nur gespalten.

Seit 2015 dominieren die Republikaner das Repräsentantenhaus und damit eine der beiden Kammern des amerikanischen Kongresses. Dass sich die Machtverhältnisse im Kapitol durch die Wahlen ändern werden, ist kaum zu erwarten und macht einschneidende gesundheitspolitische Reformen eher unwahrscheinlich. Denn diese müssten beide Kammern unterstützen. Und auch den Einflussmöglichkeiten des amerikanischen Präsidenten auf den Gesetzgebungsprozess setzt die Verfassung Grenzen. Erinnern wir uns an 2009: Obwohl die Demokraten damals beide Kammern dominierten, scheiterte Obama im Zuge der ACA-Gesetzgebung an Gesetzesänderungen zur Regulierung der  Medikamentenpreise.

Erst nach der Wahl wird sich die Nervosität an den Märkten legen

Ob mit Blick auf den Healthcare-Sektor oder die Aktienmärkte im Allgemeinen – ein Sieg von Hillary Clinton sowie ein weiterhin gespaltener Kongress oder ein solcher in republikanischer Hand gelten derzeit als der marktfreundlichste Wahlausgang. Zu groß ist die Unsicherheit, die eine Regierung unter Trump mit sich bringen würde. Es überrascht allerdings nicht, dass die Märkte – und dies gilt auch für den Healthcare-Sektor – mit Heranrücken des Wahltags immer nervöser reagieren. Denn dass die Demokraten sowohl das Weiße Haus als auch die Mehrheit im Kongress gewinnen könnten, ist aktuell zwar sehr unwahrscheinlich, aber theoretisch noch möglich. Erst das tatsächliche Wahlergebnis wird die Marktteilnehmer endgültig überzeugen. Healthcare-Investoren sollten daher das politische Säbelrasseln und die dadurch bedingte Volatilität der Kurse als Einstiegschance betrachten, um mittel- bis langfristige Positionen in ihren Portfolios aufzubauen. Vasilios Tsimiklis ist CFA und Volkswirt bei Sectoral Asset Management

Foto: Sectoral Asset Management

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