Finanzvermögen privater Haushalte in Europa steigt

Die Vermögenswerte deutscher und österreichischer Privathaushalte sind relativ niedrig

Trotz der Steigerung in den letzten Jahren sind aufgrund des geringen Prozentsatzes von Wohneigentum die Gesamtvermögenswerte deutscher und österreichischer Privathaushalte im europäischen Vergleich relativ niedrig. In Bezug auf das Einkommen belaufen sich die Vermögenswerte (Immobilien und Finanzvermögen) von Privathaushalten in Deutschland durchschnittlich auf das vierfache ihres Einkommens, während dies in der Eurozone durchschnittlich etwa das fünfeinhalbfache ist. Österreich rangiert knapp unter Deutschland, die Vermögenswerte belaufen sich hier auf das vierfache des Einkommens.

Niederländische, spanische und belgische Haushalte können dagegen Vermögenswerte in Höhe des achtfache ihres Einkommens vorweisen.

Die Begrenzung des Risikos von finanziellen Rückschlägen ist auch mit einer Verringerung des Kreditengagements verbunden, denn wie lange die aktuelle Situation historisch niedriger Zinssätze noch andauern wird, ist unsicher. Innerhalb der Eurozone haben niederländische Haushalte die höchsten Schulden und zwar in Höhe vom 1,8-Fachen des Jahreseinkommens. Deutsche Haushalte haben – genau wie ihre Pendants in Österreich – mit einem Schulden-Einkommensquotienten von 0,7 die niedrigste Schuldenlast aller Kernländer in der Eurozone.

Außerdem fallen die deutschen Haushalte in die Gruppe der Länder, welche die jeweilige Verschuldung am stärksten abbauen. Ausschlaggebend für die Reihenfolge der Länder ist, wie stark sie ihr Verhältnis von Kredithöhe zu Einkommen gesenkt haben. Deutschland steht an dritter Stelle hinter Irland und Spanien. Österreichische Haushalte konnten ihre Verschuldung dagegen nicht so stark abbauen und rangieren nur kurz vor Griechenland und Italien.

Vermögenspreise verstärken Ungleichheit

Der Aufschwung des Reinvermögens war nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Haushalten ungleich verteilt. Nach der allmählichen weltweiten Erholung der Wirtschaft von der Finanzkrise im Jahr 2009 haben die Entwicklungen der Vermögenspreise die Vermögensungleichheit im Großen und Ganzen verstärkt.

Die ING-Studie zeigt, dass in der Eurozone die unterste Einkommensklasse nur einen Anstieg von acht Prozent ihres Vermögens sah, während die obersten fünf Prozent einen Vermögenszuwachs von fast 50 Prozent genießen konnten. Hier macht sich der ungleich verteilte Besitz von Finanztiteln und Immobilien bemerkbar. In Deutschland war der Trend noch stärker als in der Eurozone. Hier waren die privaten Haushalte in der Lage, einen Vermögenszuwachs zu erzielen, der für die untersten 20 Prozent der Einkommen bei 37 Prozent lag und für die obersten fünf Prozent bei 71 Prozent. Für Österreich sehen die Zahlen ähnlich aus: Hier haben die unteren 20 Prozent mit einem Vermögenszuwachs von 44 Prozent sogar noch stärker profitiert, die obersten fünf Prozent mit einem Zuwachs von 62 Prozent geringfügig weniger als deutsche Haushalte.

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Doch natürlich profitierten Haushalte, die keinerlei Vermögenswerte besitzen, davon überhaupt nicht. Dies gilt insbesondere für Haushalte mit niedrigerem Einkommen, denn im Allgemeinen nimmt die Beteiligung an Aktien und Publikumsfondsanteilen mit dem Einkommen zu.

Quelle: ING/tr

Foto: Shutterstock

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