9. August 2017, 07:58
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Anleger sollten sich nicht in Sicherheit wiegen

Die politische Situation in Venezuela eskaliert. Das könnte für Unruhe an den Finanzmärkten sorgen. Anleger sollten trotz der aktuell geringen Volatilität achtsam bleiben. Gastbeitrag von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa bei Blackrock.

Multi-asset-lueck in Anleger sollten sich nicht in Sicherheit wiegen

Martin Lück: “Die Situation in Venezuela könnte zum Schreckgespenst für die Finanzmärkte werden.”

Der Zerfall des politischen Systems in Venezuela hat sich dramatisch beschleunigt. Mit der Einberufung der verfassungsgebenden Versammlung, die das erklärte Ziel hat, das von der Opposition dominierte Parlament zu entmachten, hat Präsident Nicolás Maduro einen unübersehbaren Schritt Richtung Diktatur vollzogen.

Konsequent ist, dass er in diesem Zuge die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega, die sich von einer Unterstützerin zur Verteidigerin der alten Verfassung und damit letzten ernstzunehmenden Gegnerin des Präsidenten entwickelt hatte, ebenfalls entmachtete.

Bevölkerung verlässt Venezuela

Nun bleibt abzuwarten, wie sich das Militär positioniert. Gelingt es Maduro, auch die Armee auf seiner Seite zu halten, dürfte das politische Schicksal des einstmals reichen südamerikanischen Landes besiegelt sein.

Venezuela verfügt über eine größtenteils junge, relativ gut ausgebildete Bevölkerung und eine Mittelschicht, die einiges zu verlieren hat. Schon als Reaktion auf die zunehmende Drangsalierung durch den lange regierenden Hugo Chavez hat geschätzt eine gute Million Venezolaner, die meisten davon Angehörige der Mittel- oder Oberschicht, das Land verlassen.

Bürgerkriegsähnliche Zustände

Und es ist unwahrscheinlich, dass Maduros noch extremerer Versuch, das Land in eine stalinistische Diktatur zu verwandeln, auf Sicht in weiten Bevölkerungskreisen auf Gegenliebe stoßen wird. Die Unruhen, bei denen schon mehr als 120 Menschen gestorben sind, dürften also weitergehen.

Die ökonomischen Konsequenzen sind offensichtlich. Die südamerikanische Freihandelsorganisation Mercosur hat Venezuela dauerhaft ausgeschlossen, die Schuldnerposition des Landes dürfte immer stärker in Frage gestellt werden.

Mit einem Rückgang des BIP um zehn Prozent und einer Inflation von über 700 Prozent befand sich die Wirtschaft schon 2016 im freien Fall, und in diesem Jahr hat sich die Lage verschlechtert.

Sollten die bürgerkriegsähnlichen Zustände eskalieren, ist zudem nicht auszuschließen, dass auch die Ölförderung –und damit die einzige größere Einnahmequelle des Landes– getroffen wird. Anleger, die venezolanische Assets in ihrem Portfolio haben, sollten gewarnt sein.

Auch vorübergehende Vola-Spitzen schaden

Auch alle anderen Anleger sollten sich von der zuletzt sehr niedrigen Volatilität an den Aktenmärkten nicht in Sicherheit wiegen lassen. Die Situation in Venezuela könnte zum Schreckgespenst für die Finanzmärkte werden.

Allerdings zeigen neue Analysen vom Blackrock Investment Institute (BII), dass politische Verwerfungen allein zwar für plötzliche Ausbrüche von Volatilität sorgen können, meist aber nicht dauerhaft das vorherrschende Volatilitätsregime beenden. Aber auch vorübergehende Vola-Spitzen schaden allen, die nicht entsprechend positioniert sind.

Dr. Martin Lück ist Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa bei Blackrock

Foto: Blackrock

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