9. Juni 2017, 09:51
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Brexit könnte unter den Tisch fallen”

Bei der vorgezogenen britischen Parlamentswahl hat die Konservative Partei mit der Premierministerin Theresa May die absolute Mehrheit im Unterhaus verloren. Die Finanzmärkte erwarten nun schwierige Zeiten für die UK-Wirtschaft. In Bezug auf den Brexit vertritt Dr. Sebastian Klein von der Castell’schen Bank eine ganz eigene Ansicht.

Dr -Klein-F Rstlich in Brexit könnte unter den Tisch fallen

Dr. Sebastian Klein, Fürstlich Castell’sche Bank, glaubt an einen weichen Brexit oder eine ganz andere Option.

“Politische Unsicherheiten sind für die Finanzmärkte kurzfristig Gift. In ersten Reaktionen verliert das britische Pfund gegenüber dem Euro und dem Dollar an Wert. Großbritannien hat ein hohes Außenhandelsdefizit und ist damit von einem stabilen Pfund abhängig, um die britische Konjunktur zu stützen. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die Märkte längerfristig mit Unruhe auf die Wahl reagieren”, so Dr. Sebastian Klein, Vorsitzender des Vorstandes der Fürstlich Castell´schen Bank.

Weicher Brexit oder gar kein Brexit?

Im Gegensatz zum Brexit-Votum scheinen bei der Parlamentswahl die jungen Wähler vom Herausforderer Jeremy Corbyn (Labour) mobilisiert worden zu sein. Auch das Erstarken der Liberal Democrats, die sich klar gegen einen Brexit positioniert haben, zeigt dies. Dr. Sebastian Klein: “Wir sehen uns durch diese Wahl in unserer Annahme bestärkt, dass es voraussichtlich zu keinem harten Brexit kommen wird. Entweder wird es zu einem sogenannten weichen Brexit kommen oder es erscheint auch noch möglich, dass das Thema Brexit unter den Tisch fällt. Ein solcher Exit vom Brexit ist mit Blick auf die Beteiligung der jungen Wähler und die Zugewinne der Liberal Democrats in der Parlamentswahl wahrscheinlicher geworden. Re-Europäisierung statt Re-Nationalisierung könnte die wirtschaftliche Erholung in Europa weiter beflügeln.”

Andere Finanzmarktakteure sehen in jedem Fall schwierige Brexit-Verhandlungen angesichts eines derzeit wenig handlungsfähigen britischen Parlaments.

Paul Hatfield, Global Chief Investment Officer bei Alcentra: Der Umstand, dass es im Parlament nun keine klaren Mehrheitsverhältnisse mehr gibt, dürfte die sowieso bereits schwierigen Brexit-Verhandlungen noch zusätzlich erschweren, und die daraus resultierende Unsicherheit ist für die Märkte nicht gerade förderlich. Angesichts des unklaren politischen Umfelds, in dem konkrete Veränderungen nur schwer umzusetzen sein werden, gehe ich davon aus, dass die Märkte langsam abwärts tendieren werden. Derweil dürfte das Pfund Sterling von der gerade aktuellen Nachrichtenlage bestimmt werden – je nachdem, mit welchem Ausgang man bei den Verhandlungen über die zukünftigen Handelsbeziehungen rechnet.

 Paul Brain, Leiter Anleihen bei Newton Investment Management: Ein Parlament ohne klare Mehrheitsverhältnisse könnten die Märkte wegen der damit verbundenen Unsicherheit zwar zum Schwanken bringen, doch auch eine solche Entwicklung dürfte lediglich vorübergehender Natur sein. Wir können ein Ringen um die politische Führung und auch eine weitere Wahl nicht ausschließen. Dies verlängert die Unsicherheit. Weitere Sparmaßnahmen sind wahrscheinlich, da die Konservativen nicht in der Lage sein werden weitere Einsparungen durchzusetzen. Das wird sich negativ auf den Markt für britische Staatsanleihen (Gilts) auswirken und die Renditen könnten steigen. Darüber hinaus wird es vermutlich zu einer Abwertung des Pfund Sterling kommen. Diesem Trend widerspricht allerdings die Tatsache, dass das britische Pfund relativ günstig ist. Zudem könnte sich der Glaube, dass die Regierung einen sanfteren Ansatz bei den Brexit-Verhandlungen wählt, als Irrtum erweisen.

Seite zwei: Noch weniger Zeit für Brexit-Verhandlungen 

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Universa baut Fondspalette aus und bringt neue Kfz-Versicherung

Die Universa Versicherungen, Nürnberg, stockt die Fondspalette auf und bietet jetzt fünf iShare-ETFs von Blackrock Asset Management an. Neben einem weltweiten und deutschen Aktienindex werden somit nun auch ETFs angeboten, die einen Aktienindex in Europa und in Schwellenländern sowie einen Index aus Unternehmensanleihen in der Eurozone nachbilden.

mehr ...

Immobilien

Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt seit einigen Jahren als der Standard von morgen. Eine Deloitte-Studie zeigt: Das Interesse an diesen Anwendungen ist groß, der Datenschutz bleibt jedoch ein wichtiges Thema. Immerhin 13 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen intelligenten Lautsprecher. Bei der Art der bevorzugten Smart-Home-Lösungen gibt es zudem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

mehr ...

Investmentfonds

BaFin präzisiert Vorschriften der MiFID II

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Neufassung ihres Rundschreibens “MaComp” veröffentlicht und präzisiert darin unter anderem die Grundsätze zur “Zielmarktbestimmung” und diverse weitere neue Vorschriften. Zwei Punkte allerdings fehlen noch.

mehr ...

Berater

Neue Kooperationspartner der BCA AG

Der Oberurseler Maklerpool BCA präsentiert mit der xbAV Beratungssoftware GmbH sowie Honorar Konzept GmbH zwei Unternehmen, die ihre Services den BCA-Partnern zur Verfügung stellen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...