Anzeige
28. März 2017, 08:01
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Deutsches Aktieninstitut mit eindeutigen Forderungen an die Politik

Viele Berliner Bundespolitiker stehen der Anlage in Aktien weiterhin extrem kritisch gegenüber. Dies könnte allerdings ein Fehler sein, da dieses Instrument ein wichtiges Mittel für die Altersvorsorge ist. Dies trifft insbesondere in dem aktuellen Niedrigzinsumfeld zu.

Geld-Boerse-750 in Deutsches Aktieninstitut mit eindeutigen Forderungen an die Politik

Die Aktienanlage wird in Deutschland von der Politik derzeit kaum gefördert.

Steuerliche Verbesserungen für die Aktie, ein Förderkonzept für diese Anlageklasse in der Altersvorsorge, bei Arbeitnehmern und für Stiftungen, Anschub für Börsengänge, weniger Bürokratie in der Anlageberatung und die Minimierung der Brexit-Risiken – mit diesen Forderungen wendet sich das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor der Bundestagswahl an die Parteien. Darüber steht das Bestreben der Organisation “ein klares Zeichen für die Aktie zu setzen”.

In dem neun Punkte umfassenden Positionspapier werde verdeutlicht, so Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des DAI, dass Aktien “in vielen drängenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen der Schlüssel zur Lösung sein können” und deshalb als Finanzierungs- und Anlageinstrument stärker gefördert werden müssen. Sie seien “das Mittel der Wahl, mit Kapitalerhöhungen die Digitalisierung deutscher Unternehmen zu finanzieren, durch Börsengänge Kapital für Fintechs und Startups einzuwerben oder die Altersvorsorge zukunftsfähig zu machen”.

Nachholbedarf bei Altersvorsorge und Kritik an Riester-Vorgaben

Besonders in der Altersvorsorge sieht das DAI Nachholbedarf. Helfen könnten eine Mindestaktienquote, staatliche Zulagen für Aktienanlagen und Freistellung von der Abgeltungssteuer nach 20 Jahren Anlagedauer, um Anreize für den langfristigen Vermögensaufbau zu geben.
Kritik übt das Institut an den Beitragsgarantien und Mindestverzinsungen bei Riester-Verträgen. Das führe zur Bevorzugung von festverzinslichen Wertpapieren, was zu Lasten der Rendite gehen.

Auch die Abgeltungssteuer drücke die Erträge, die dadurch auf Unternehmens- wie Anlegerebene besteuert werde. Diese Doppelung belaste Aktienerträge mit fast 50 Prozent, bei Festverzinslichen seien es nur rund 28 Prozent. Hier sei eine teilweise Freistellung der Aktienerträge für eine Gleichbehandlung notwendig.

Keine Nachteile für Aktien gegenüber Anleihen

Sollte künftig die Abgeltungssteuer entfallen und Erträge wieder nach dem persönlichen Steuersatz besteuert werden, müsse zumindest das Halbeinkünfteverfahren für Dividenden und – nach angemessener Haltefrist – die Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne wieder eingeführt werden. Eine Finanztransaktionssteuer, wie von Finanzminister Wolfgang Schäuble gewünscht, lehnt das Aktieninstitut strikt ab.
Börsengänge sieht das DAI als Element für neue Arbeitsplätze und um Wachstum und Innovation zu stärken. Einen Schub könnte hier weniger Regulierung bringen, aber auch die Bereitschaft privater wie institutioneller Anleger für Risikokapital erhöhen.
Mit attraktiveren Bedingungen bei Steuern und Sozialversicherung könnte bei Beschäftigten wie Unternehmen die Mitarbeiteraktie mehr Bedeutung erlangen, so die These der Aktienbefürworter. Deutschland hinke hier international hinterher. Eine in etwa Verdreifachung des Freibetrags auf 1.000 Euro pro Jahr könnte helfen.

Bei den über 21.000 Stiftungen in Deutschland, die ein Vermögen über insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro verwalten, könnten höhere Selbstbeschränkungen bei der Aktienanlage selbst in einer Niedrigzinsphase für bessere Erträge sorgen, argumentiert das Institut. Hierzu müsse aber der Grundsatz des Vermögenserhalts präziser und letztlich offener gefasst werden. Auch müsse bundeseinheitlich klar sein, dass realisierte Aktienkursgewinne für den Stiftungszweck eingesetzt werden können.

Weniger Bürokratie bei Anlageberatung und Option auf Verzicht

In der Anlageberatung hat das DAI einen weiteren regulatorischen Hemmschuh ausgemacht. Hier müsse eine bessere Balance zwischen Kundennutzen und einem vertretbaren Aufwand für die Kreditinstitute gefunden werden. Außerdem sollen Anleger die Option für eine “schlanke” Beratung, sprich einen Verzicht auf zu umfangreiche Dokumentationspflichten wählen können.

Neben einer besseren ökonomischen Bildung, die auch grundlegende Kenntnisse der Geldanlage umfassen sollte, setzt sich das DAI auch dafür ein, die Nachteile durch den anstehenden Brexit zu mildern. Dazu bedürfe es klarer Übergangsregeln bis zum tatsächlichen EU-Austritt der Briten. Anschließend müsse es auf breiter Basis Drittstaatenregelungen geben. Sie sehen die Gleichbehandlung von Dritt- und EU-Staaten vor, wenn rechtliche Vorgaben und Aufsicht als äquivalent angesehen werden. Für Großbritannien komme dies aber nur in Frage, wenn dies auch umgekehrt der Fall sei. (dpa-AFX/tr)

Foto: Shutterstock

 

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Jeden vierten Tag ein neues Fintech

Die Fintech-Szene in Deutschland wächst weiter – und sammelt so viel Risikokapital ein wie noch nie. 793 Startups aus dem Finanzbereich gibt es aktuell. Mit 778 Millionen Euro haben sie in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 bereits mehr Venture Capital eingesammelt als im gesamten Jahr 2017 mit 713 Millionen Euro. Und das Tempo der Neugründungen hält weiter an, bestätigt eine Fintech-Studie von Comdirect.

mehr ...

Immobilien

Trendwende oder nur ein Ausreißer? Darlehenshöhe wieder rückläufig

Die Nachfrage nach Baufinanzierungen ist anhaltend hoch. Nach den Ergebnissen des Dr. Klein Trendindikators ist die durchschnittliche Kredithöhe im Monat September leicht gesunken. Die Standardrate für ein Darlehen erreichte den niedrigsten Wert seit März 2017. Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, kommentiert die Ergebnisse.

mehr ...

Investmentfonds

Zweijährige US-Staatsanleihen erreichen Zehnjahres-Hoch

US-Anleihen haben diese Woche ein neues Rendite-Hoch erreicht. Das hat mindestens zwei Ursachen. Damit gibt es für US-Anleger wieder eine sichere Alternative zu den Aktienmärkten, die kein Verzicht auf Renditen bedeutet. Für deutsche Anleger sind US-Anleihen aber keine lohnende Anlage.

mehr ...
18.10.2018

Aufstieg der ETFs

Berater

JDC bietet Webinare zur neuen DIN-Norm in der Finanzberatung

Die neue DIN 77230 “Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte” ersetzt die bisherige DIN SPEC 77222. Die neue Norm nimmt sich, wie ihr SPEC-Vorläufer, die Basisanalyse der Finanzen von Privathaushalten vor. Jung, DMS & Cie. bietet deshalb Webinare für Vertriebspartner an, um auf die neue DIN-Norm zu schulen. 

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R–Insolvenz: Über 4.500 Gläubiger in Münchner Olympiahalle

Für die ersten Gläubigerversammlungen der insolventen deutschen P&R-Gesellschaften fanden sich in dieser Woche 4.500 Gläubiger in der Münchner Olympiahalle ein. Was geschah dort?

mehr ...

Recht

Falling down: Wer haftet bei rutschigen Bürgersteigen?

Der Herbst und das liebe Laub. Was im Sonnenschein auf den Bäumen noch schön aussieht, kann am Boden schnell zur Gefahr werden. Wird Laub nicht beseitigt und führt zu Unfälle, kann’s teuer werden. Mal ganz abgesehen von dem drohenden Ärger mit der Justiz. Worauf Mieter und Hausbesitzer jetzt achten sollten.

 

mehr ...