15. März 2017, 07:01
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Holland-Wahl: Ein Non-Event für europäische Börsen?

Mit der Parlamentswahl in den Niederlanden findet heute das erste europäische politische Großereignis in diesem Jahr statt. Allerdings dürfte das Ergebnis die Börsen nicht wie befürchtet beeinflussen. Der Rademacher-Kommentar

 in Holland-Wahl: Ein Non-Event für europäische Börsen?

Tim Rademacher sieht geringe Risiken für die Börsen durch die Wahl in den Niederlanden.

Am vergangenen Wochenende war die Aufregung in unserem westlichen Nachbarland extrem groß. Während der heißen Phase des Wahlkampfs meldete sich unerwünschter Besuch von der türkischen Regierung an. Dieser wollte selbst für das Referendum von Erdogan im April werben. Da weder die niederländische noch die türkische Regierung nachgeben wollten, eskalierte der Konflikt in den vergangenen Tagen.

Wilders erhält nochmals Auftrieb

Die Ereignisse rund um die geplatzten Türkei-Auftritte in Rotterdam haben in dem Küstenstaat große Wellen geschlagen. Sondersendungen hielten die Einwohner sogar mitten in der Nacht auf dem Laufenden. Von dieser Auseinandersetzung und den Beleidigungen Erdogans dürfte vor allem der Populist Geert Wilders profitieren, der aktuell gegen Mark Rutte um einen Spitzenplatz bei der Wahl kämpft. Insgesamt trauen ihm Experten mittlerweile knapp 20 Prozent zu.

Allerdings wird es für den umstrittenen Kandidaten aus Venlo in keinem Fall für eine Regierungsbildung reichen. Alle anderen bedeutenden Parteien haben inzwischen eine Koalition mit ihm ausgeschlossen. Von der Niederlande-Wahl sollte daher ein äußerst minimaler Einfluss auf die Kapitalmärkte ausgehen. Insgesamt ist die konjunkturelle Verfassung des Kontinents so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr, weshalb auch das Klima an den Kapitalmärkten äußerst positiv ist. Selbst ein Achtungserfolg von Wilders wird dieses Szenario kaum stören.

Börsenkurse dennoch unberechenbar

Von der Frankreich-Wahl und der Bundestagswahl gehen erheblich höhere Risiken für die Aktienanleger aus. Bei einem Sieg der französischen Rechten, trauen Marktbeobachter dem Dax ein Minus von über fünf Prozent zu. Allerdings sollten die vielen Börsenkommentare immer mit Vorsicht betrachtet werden. So waren die Fachleute für den Fall eines Brexits und eines Trump-Sieges ebenfalls extrem pessimistisch gestimmt. Die relativ unerwartet eingetretenen Ereignisse bremsten den Höhenflug an den weltweiten Börsen indes nicht.

Mittlerweile sind europäische Aktien im Vergleich zu anderen führenden interkontinentalen Märkten extrem günstig. Dieser Abschlag existiert, da Anleger die politischen Unsicherheiten in den vergangenen Monaten bereits bei ihrem Investitionsverhalten berücksichtigt haben. Sollten hingegen keine negativen Ergebnisse bei der französischen Wahl erzielt, werden, könnten die Anleger mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar mit starken Kursgewinnen reagieren. In diesem Szenario bestehen gute Chancen einer Erleichterungsrallye in Europa. Ähnliches gilt für eine Niederlage von Martin Schulz, der von nicht wenigen Marktkennern als schlechtere Alternative gegenüber Angela Merkel eingestuft wird. Dies liegt daran, dass dem Bündnis aus CDU und CSU weitaus größere wirtschaftspolitische Kompetenzen von den Fondsmanagern aus Frankfurt eingeräumt werden.

 Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert

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