21. Juli 2017, 08:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Gewichtung staatsgarantierter Emittenten runter, liquidere Staatsanleihen rauf

Nach dem ersten Wahlgang der französischen Parlamentswahlen riet Marcio da Costa, Bantleon, Anfang Mai zu einer Übergewichtung von Agency-Anleihen zulasten sicherer Häfen wie deutscher Bundesanleihen. Aus zwei Gründen rät da Costa jetzt zu einer Untergewichtung von Anleihen staatsgarantierter Emittenten zugunsten der liquidieren Staatsanleihen. 

Marcio-da-Costa-Portra T-Presse-2016-Kopie in Gewichtung staatsgarantierter Emittenten runter, liquidere Staatsanleihen rauf

Marcio da Costa, Bantleon

Der pro-europäische Ausgang der französischen und der niederländischen Wahl hat die Sorgen um den Ausgang der zwei wichtigsten Ereignisrisiken des 1. Halbjahres beseitigt und Risikoassets zu einem weiteren Performanceschub verholfen. Die geringere Nachfrage nach liquiden Staatsanleihen ließ auch den Renditeaufschlag für die geringere Liquidität von Agency-Anleihen gegenüber Staatsanleihen abschmelzen. Seit Anfang Mai sanken die Risikoprämien siebenjähriger staatsgarantierter Anleihen der Kreditanstalt für Wiederaufbau um sieben Basispunkte gegenüber laufzeitgleichen deutschen Bundesanleihen. Die Folge war eine Outperformance von etwa 30 Basispunkten. Der Renditeabstand von Anleihen der Dexia Credit Local gegenüber laufzeitgleichen französischen Staatsanleihen ist ebenfalls um etwa sieben Basispunkte gesunken, was zu einer Überrendite von 60 Basispunkten führte. Den aktuellen Risikoaufschlag von etwa 35 Basispunkten hält da Costa unter Berücksichtigung der diversifizierten Garantiegeber-Struktur und der vergleichsweise hohen Liquidität immer noch für attraktiv.

Geringere Zinssensitivität erwies sich im 2. Quartal als vorteilhaft

Profitiert haben Agency-Anleihen im 2. Quartal von ihrer vergleichsweise geringen Reaktion auf Zinsschwankungen. Ursachen dafür sind die durch die geringere Liquidität bedingten höheren Handelskosten im Vergleich zu Staatsanleihen und die längerfristige Orientierung der Investoren dieser Anleihenklasse. Hawkishe Äußerungen der BoE, der Fed und schließlich auch der EZB hatten in den letzten Handelstagen des Quartals einen dynamischen Renditeanstieg und assetklassenübergreifend eine Sell-off-Reaktion der Anleger zur Folge. Die größten Verlierer waren hierbei die sicheren Häfen. In dieser Marktphase konnten die weniger zinssensitiven Anleihen staatsgarantierter Emittenten einen Teil des Renditeanstieges abfedern. Die Risikoprämien sanken in Richtung ihrer zyklischen Tiefs. Damit hat sich erneut gezeigt, dass Anleihen staatsgarantierter Emittenten in Sell-off-Marktphasen die bessere Wahl gegenüber den liquideren Staatsanleihen sind.

Untergewichtung von Agency-Anleihen zugunsten liquider Staatsanleihen

Die schwächeren konjunkturellen Frühindikatoren deuten für die zweite Jahreshälfte auf ein langsameres Wachstumstempo in der Eurozone hin. Auch die im September bevorstehende Bundestagswahl in Deutschland, erneute Stimmen für ein Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens und die zunehmende Bereitschaft der EZB, geldpolitische Stimuli zu verringern, könnten das Fahrwasser an den Finanzmärkten rauer werden lassen. In dieser Marktphase dürften Investoren sich defensiver positionieren und ihre Portfolios von Risikoassets in liquidere sichere Häfen wie deutsche Bundesanleihen umschichten. Dann sollten die Risikoaufschläge von Agency-Anleihen wieder zunehmen, was eine schlechtere Performance gegenüber Staatsanleihen zur Folge hätte. Deshalb rät da Costa derzeit zu einer Untergewichtung von Anleihen staatsgarantierter Emittenten zugunsten liquiderer sicherer Häfen. Die höheren Risikoprämien zum Jahresende sollten die Attraktivität von Agency-Anleihen wieder erhöhen und Investoren erneut in diese Anleihenklasse locken.

Marcio da Costa ist Portfoliomanager des Asset Managers Bantleon.

Foto: Bantleon

Ihre Meinung



 

Versicherungen

11 Webinare für Ihren digitalen Vertriebserfolg

Vom 28.9. bis 2.10. 2020 veranstaltet Cash. die Digital Week. In 11 Webinaren geht es um die richtige Digital-Strategie, um so die Chance für Makler und Vermittler auf mehr Umsatz zu erhöhen. Melden Sie sich an und nutzen Sie diesen Mehrwert für Ihre vertriebliche Praxis.

mehr ...

Immobilien

Immobilienpreise in Stadionnähe im Vergleich

Ab heute rollt der Ball wieder über den grünen Rasen: Die Bundesliga startet Corona-bedingt verzögert – statt wie geplant schon im August. Immoscout24 hat hierfür die Kauf- und Mietpreise der Wohnungen rund um die Fußball-Stadien von Berlin, Bremen, Hamburg und Leipzig untersucht.

mehr ...

Investmentfonds

Auf die nächste Volatilitätswelle am Anleihemarkt vorbereiten?

Die Anleihenmärkte haben sich in jüngster Zeit positiv entwickelt, wobei sich die Renditen im Juli in Richtung eines Allzeittiefs bewegten und in einigen Fällen sogar historische Tiefststände erreichten. „Dennoch sind wir der Ansicht, dass trotz des unsicheren Marktumfelds weitere Gewinne möglich sind“, sagt Nick Hayes, Head of Total Return & Fixed Income Asset Allocation bei Axa Investment Managers. Die Anleihemärkte dürften weiteren Rückenwind erfahren, da die Zentralbanken beispiellose Stimuli setzen.

mehr ...

Berater

Bundestag beschließt Verlängerung für Anleger-Musterverfahrensgesetz

Der Bundestag hat eine verlängerte Gültigkeit des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes zum Schutz von Aktionären und Anlegern beschlossen. Das Gesetz gilt nun bis zum 31. Dezember 2023.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lutz Kohl wechselt in die Geschäftsführung der HKA 

Mit Wirkung vom 9. September 2020 wurde Lutz Kohl (54) zum Mitglied der Geschäftsführung der HKA Hanseatische Kapitalverwaltung GmbH berufen, der KVG der Immac. Mit seiner Bestellung wird das Führungsteam der HKA um Geschäftsführer Tim Ruttmann planmäßig erweitert.

mehr ...

Recht

Fondsbranche weist BaFin-Kritik zurück

Der deutsche Fondsverband BVI weist die Kritikder BaFin an den Fondsanbietern entschieden zurück, dass die Umsetzung der neuen Liquiditätswerkzeuge (Rücknahmegrenzen, Swing Pricing, Rücknahmefristen)bei ihnen in den Hintergrund gerückt sei, je weiter die Kursturbulenzen im März zurückliegen.

mehr ...