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21. Juli 2017, 12:17
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Reformen in Argentinien als Balanceakt

Auf der Suche nach attraktiven Renditen ist seit Jahresbeginn viel Geld in die Schwellenländer geflossen. Zuletzt fand eine Anleihe Argentiniens mit einer Laufzeit von 100 Jahren reißenden Absatz. Das Reformprogramm von Präsident Mauricio Macri scheint erste Früchte zu tragen. Gleichzeitig ist noch ein weiter Weg zu gehen.

Gastbeitrag von Dr. Mauricio Vargas, Union Investment

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Mauricio Vargas, Union Investment

So manch einer mag sich verwundert die Augen gerieben haben – der “ewige Pleitestaat” Argentinien begibt eine 100-jährige Anleihe mit einem Kupon von rund acht Prozent. Und auch wenn die jüngste Historie nahe legt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall relativ hoch ist, kauften Anleger für knapp 2,8 Milliarden US-Dollar die Papiere – die Anleihe war sogar mehr als dreifach überzeichnet.

Ein klares Signal, dass das Land nach über einem Jahrzehnt wieder an den Kapitalmärkten angekommen ist. Das Interesse internationaler Investoren an Argentinien scheint ebenso groß wie das Vertrauen in die Sanierungsmaßnahmen von Präsident Macri.

Argentinien auf Reform-Kurs

Als die Argentinier im November 2015 den konservativen Kandidaten Mauricio Macri zum Präsidenten wählten und sich nach zwölf Jahren  Kirchner-Regierung für einen Richtungswechsel entschieden, war die Euphorie im Land groß und der neue Hoffnungsträger Südamerikas scheinbar gefunden. Macri versprach mehr Marktwirtschaft und weniger Staat – eine 180 Grad-Wende also zur Politik der linkspopulistischen Regierung um Ex-Präsidentin Christina Fernández de Kirchner, die von weitreichenden staatlichen Interventionen und Eingriffen geprägt war.

Und Macri hatte eine weitreichende wirtschaftspolitische Reformagenda. Im Mittelpunkt standen und stehen dabei außenwirtschaftliche Reformen. Innerhalb kürzester Zeit baute er Kapitalkontrollen ab und gab den Wechselkurs frei. Durch die Liberalisierung des Devisenmarktes wertete der Peso seit seinem Amtsantritt gegenüber dem US-Dollar rund 70 Prozent ab, was der Wettbewerbsfähigkeit argentinischer Exporte zugutekommt. Daneben gab der neue Präsident der Zentralbank ihre Unabhängigkeit zurück, reduzierte die Exportzölle auf Agrarprodukte drastisch und löste Argentiniens Schuldenproblem mit den Hedgefonds in New York. Kurzum: Argentinien erlangte seine Kreditwürdigkeit zurück und öffnete sich wieder für den Handel und die internationalen Kapitalmärkte.

Große Reformen brauchen Zeit

Doch auch wenn sich die Perspektiven für Argentinien seit der Präsidentschaftswahl 2015 wieder aufhellen, schlägt der Politikwechsel noch nicht an allen Stellen vollends durch.

So hinkt die Steuerreform zur Konsolidierung öffentlicher Haushalte noch hinter den Plänen her und auch weitere Maßnahmen wie eine Neuordnung des Rentensystems wurden noch nicht mit letzter Konsequenz verfolgt. Dass Macris Regierungskoalition weder im Abgeordnetenhaus noch im Senat über eine Mehrheit verfügt, macht das Regieren natürlich nicht einfacher.

Seite zwei: Solide Bilanz der Südamerikaner

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1 Kommentar

  1. Noch ist die Durststrecke in Argentinien nicht überwunden. Der Wegfall der Subventionen auf Energie, Entlassungen im öffentlichen Dienst und weitere soziale Abstriche waren zwar notwendig, führen aber zu steigender Unruhe in der Bevölkerung, die sich an einen Interventionsstaat gewöhnt hatte. Hoffentlich gibt es bei den anstehenden Parlamentswahlen keinen Rückschlag!

    Kommentar von C. Holz Buenos Aires — 26. Juli 2017 @ 21:31

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