Anzeige
19. Juli 2017, 12:22
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Tapering im kommenden Jahr, Zinserhöhungen erst später

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi hat angefangen, eine Normalisierung der Geldpolitik vorzubereiten. Weiteres hierzu dürfte er im Zusammenhang mit der dieswöchigen EZB-Sitzung äußern, meint Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income AllianzGI, im Vorfeld der EZB-Sitzung am 20. Juli.

Dixmier Franck Quer 1-Kopie in Tapering im kommenden Jahr, Zinserhöhungen erst später

Franck Dixmier, Allianz-GI, rechnet bei der EZB-Sitzung mit einer Diskussion zur geldpolitischen Normalisierung.

Das Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) dieser Woche ist das erste von drei hochrangigen Ereignissen für EZB-Beobachter. Zusammen mit seiner bevorstehenden Rede bei der Fed-Konferenz in Jackson Hole und dem nächsten Treffen der EZB im September hat Mario Draghi reichlich Gelegenheit, die mit Spannung erwartete Vorgehensweise bei der geldpolitischen Normalisierung zu erläutern.

Diskussion um geldpolitische Normalisierung

Europa verzeichnet derzeit günstige ökonomische Fundamentaldaten, eine positive Wachstumsdynamik und einen sehr langsamen Anstieg der Kerninflation. Infolgedessen diskutieren die EZB-Ratsmitglieder offen die geldpolitische Normalisierung. Vor allem Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich zu diesem Thema sehr klar positioniert. Die Märkte wiederum sind hier stark sensibilisiert.

Sitzung entscheidend zur Lenkung der Markterwartungen

Beim “ECB Forum on Central Banking” im portugiesischen Sintra hat Draghi im Juni verdeutlicht, dass er es mit dem Tapering – der Reduktion der Anleihenkäufe also – ernst meint. Bei einer sich bessernden Wirtschaftslage wäre ein unverändertes Fortführen der Kaufprogramme nur schwer vertretbar. Daher wird die EZB-Sitzung am 20. Juli entscheidend für die weitere Lenkung der Markterwartungen (Forward Guidance) sein.

Wir erwarten, dass Draghi seine politische Botschaft wiederholen wird. Gleichzeitig dürfte er die Gelegenheit wahrnehmen, um die Märkte auf eine Ankündigung der EZB im September vorzubereiten. Wir teilen die Konsens-Meinung, dass es zu Beginn des nächsten Jahres zum Tapering kommen wird und dass Zinserhöhungen erst zu einem späteren Zeitpunkt folgen werden. In diesem Zusammenhang dürfte Mario Draghi drei Worte betonen: “allmählich”, “langsam” und “vorsichtig”.

Zinsschritt im September 2018

Die Märkte scheinen die Botschaft verstanden zu haben: Die Forward-Zinssätze für den Eonia (Euro OverNight Index Average) preisen einen ersten Zinserhöhungsschritt um zehn Basispunkte für September 2018 ein. Dies erscheint uns vernünftig. Die EZB ist sich bewusst, dass es eine Reihe an Faktoren gibt, die die Erholung Europas noch zum Entgleisen bringen könnten. Aus diesem Grund muss jegliche Anpassungen der Geldpolitik graduell und umsichtig erfolgen.

Draghis Äußerungen in Sintra zeigten bereits Wirkung. Die langfristigen Renditen erhöhten sich deutlich, bei 10-jährigen Bunds lag der Renditeanstieg bei 30 Basispunkten. Der Markt wird daher mit Argusaugen die nächsten Schritte beobachten. Sollte die Marktreaktion am Donnerstag sehr volatil ausfallen, dürfte die EZB zurückhaltender agieren. Denn eine signifikante Marktkorrektur zusammen mit einem stärkeren Euro wäre kontraproduktiv. Vorläufig ist der Prozess zur Normalisierung der Geldpolitik allerdings gut angelaufen.

Foto: AGI

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Vermittler als Auslaufmodell? Virtuelle Assistenten und Robo Advisor auf dem Vormarsch

Kaum eine Branche steht durch die Digitalisierung vor so einschneidenden Veränderungen wie die Assekuranz. Auch der Versicherungsvertrieb wird sich dadurch massiv verändern, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Softwareherstellers Adcubum zusammen mit den Versicherungsforen Leipzig.

mehr ...

Immobilien

Raus aus der Stadt: Immobilienkäufer suchen verstärkt im Umland

In den deutschen Metropolen ist bezahlbarer Wohnraum immer schwieriger zu finden. Immer mehr Immobilienkäufer weichen daher nach einer Analyse von Immowelt in die Speckgürtel aus, da dort die Preise noch niedriger sind. Am stärksten zeige sich diese Entwicklung in Berlin, Stuttgart und Frankfurt.

mehr ...

Investmentfonds

Die Kosten des Betrugs

US-Präsident Donald Trump will weniger Regulierung, aber dafür drastischere Strafen für Betrüger. Wie so oft waren seine Twitter-Follower die ersten, die davon erfahren haben. Die Folgen dieses Vorhabens bekommt unter anderem Warren Buffett zu spüren.

mehr ...

Berater

Die Zukunft der Provisionen unter MiFID II

Eigentlich ist die Richtlinie längst in deutsches Recht umgesetzt worden und von den Betroffenen zu beachten. Die Umsetzung erfolgte durch das 2. Finanzmarktnovellierungsgesetz, das seit dem 03.01.2018 gilt. Nun könnte die Schlussfolgerung naheliegen, dass deshalb seit Anfang des Jahres die wesentlichen offenen Fragen beantwortet und die teils über Jahre andauernden Diskussionen, gerade auch zur Provisionsthematik, ein Ende gefunden haben. Gerade hinsichtlich der 34f-Vermittler kann hiervon allerdings keine Rede sein. Ein Gastbeitrag von Florian Kelm, Rechtsanwaltskanzlei Zacher & Partner

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R-Insolvenzen: Fragen an die Bundesregierung

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat eine kleine Anfrage zu Container- und Schiffsfinanzierungen an die Bundesregierung gestellt. Ein Teil der Fragen entfällt auf die Causa P&R.

mehr ...

Recht

Ex-Sparkassenchef muss doch nicht vor Gericht

Der ehemalige Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon muss doch nicht vor Gericht. Der frühere bayerische Finanzminister soll per Strafbefehl zu 140 Tagessätzen wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding ankündigte. Darauf hätten sich die beteiligten Parteien in einem Rechtsgespräch geeinigt.

mehr ...