„Technologie kann nicht ethisch handeln“

„Daten sind das neue Öl“, so der Futurist Gerd Leohnhard auf der Axa Veranstaltung „Tomorrow Augmented“, auf der der Einfluss von Technologie auf unsere Gesellschaft, Arbeits- und Investmentmärkte diskutiert wurde. Leonhard und Vertreter von Axa IM sprachen über Vor- und Nachteile der Digitalisierung unserer Wirtschaft.

Gideon Smith, Axa IM
Gideon Smith, Axa IM: „Es wird möglich, immer komplexere Modelle zu bauen.“

Der Investmentmanager Axa hat am 20. und 21. September zum Medienevent „Tomorrow Augmented“ in London eingeladen. Der Nachmittag begann mit einer Einleitung von Laurence Boone, Leiterin des Axa IM Researchs und Chefökonomin der Axa Gruppe. Sie sprach über falsche Annahmen im Zusammenhang mit  Technologie.

Technologie würde nicht zwingend zu einem massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen führen. Auch niedrig qualifizierte Arbeitskräfte seien nicht unbedingt betroffen, denn Routine-Arbeiten seien nicht ausschließlich Aufgaben, die keine oder wenig Qualifikation benötigen.

Technologie ist an dem Punkt exponentiellen Wachstums angekommen

Auch die Annahme, dass die Digitalisierung viel Kapital benötige, sei falsch. Im Gegenteil würden Technologien wie der 3D-Druck oder das Internet der Dinge dazu führen, dass weniger traditionelle Investitionen erforderlich sind, denn die Größe von Lagerhallen und Produktionsstätten könnte sich stark verkleinern. „Digitale und kreative Zerstörung ändern die Zusammensetzung, nicht das Investitionsvolumen“, sagte Boone.

Anschließend referierte der Futurist Gerd Leonhard über das Thema „Menschheit versus Technologie“. Technologie werde immer mächtiger, die Frage ist, welchen Einfluss das auf Menschen hat.

„Wir sind an dem Punkt exponentiellen Wachstums angekommen, an dem Punkt, an dem Technologie anfängt, zu funktionieren“, sagt Leonhard. Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und das Editieren humaner Genome werden die drei wichtigsten Entwicklungen sein, die unsere Zukunft verändern. „Problematisch werden diese Möglichkeiten dann, wenn wir investieren und uns erst Gedanken über Moral machen, wenn die Dinge schon funktionieren“, so Leonhard. „Technologie ist ein Werkzeug, sie kann nicht ethisch handeln.“

Künstliche Unterscheidung zwischen quantitativen und fundamentalen Ansätzen

Abschließend führten Matthew Lovatt (Global Head of Business Development), Laurent Clavel (Head of Macroeconomic Research), Gideon Smith (Europe Chief Investment Officer, Rosenberg Equities) und Augustin Landier (Head of Research Axa IM Chorus) eine Paneldiskussion, unter der Moderation von Francisco Arcilla (Global Head of Sales).

Die Diskutanten waren sich darüber einig, dass die Verarbeitung von Daten immer wichtiger wird. „Es wird möglich, ein größeres Volumen und weniger strukturierte Daten zu verarbeiten, sowie immer komplexere Modelle zu bauen“, sagte Smith. „Ich mag die Analogie, dass Daten das neue Öl sind. Aber Daten werden niemals knapp, nur teurer“, so Smith.

Trotz der neuen Möglichkeiten werde fundamentales Investieren nicht verschwinden. „Wir sind immer noch fundamentale Investoren, die quantitative Methoden nutzen, die Unterscheidung zwischen quantitativen und fundamentalen Methoden ist künstlich“, so Lovatt. (kl)

Foto: Axa IM

 

 

 

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