Disruption fordert neue Anlagestrategien

Der technologische Fortschritt fordert Unternehmen heraus, besonders jene mit traditionellen Geschäftsmodellen. Das bedeutet gleichzeitig, dass Investoren ihr Portfolio danach ausrichten sollten, welche Unternehmen und Branchen von der Digitalisierung profitieren.

Laut dem Maklerhaus Aigner Immobilien meldeten sich bereits 1.000 Mietinteressenten im Online-Portal "Mietwohnungsbörse.de" an.
Viele Konsumenten kaufen online. Darauf müssen sich nicht nur Unternehmen, sondern auch Investoren einstellen.

„Die Wirtschaft der Zukunft dreht sich nicht nur um kreative Unternehmer, die fantastische neue Technologien erfunden haben. Es geht auch um die alteingesessenen Unternehmen, die sich anpassen und in neue Bereiche hinein entwickeln. Aus Investorensicht ist entscheidend, dass das Wachstum in Zukunft vor allem bei jenen Unternehmen liegen wird, die den Wandel als Chance begreifen“, sagt Matt Lovatt, Global Head of Business Development bei Axa IM Framlington.

Er ergänzt: „Disruption bedeutet nicht zwingend, dass es unter den eher konservativen Unternehmen keine erfolgreichen Firmen mehr geben wird, doch diese werden nicht mehr die Speerspitze des Wachstums bilden.“ Ein gutes Beispiel sei der Einzelhandel, wo die grundlegende Veränderung einer Branche durch das Internet besonders gut zu beobachten sei.

Reaktionen auf den Online-Handel

Zwei Drittel der Internetnutzer in der Europäischen Union würden online einkaufen. Die Unternehmen müssten sich daran anpassen. „Viele Einzelhändler verbessern ihre Logistik, um die Konsumenten mit Hilfe von Multi-Channel-Angeboten besser zu bedienen. Einige jedoch, insbesondere im Bekleidungshandel, hinterfragen die Rolle stationärer Verkaufsflächen im Rahmen ihres Geschäftsmodells“, sagt Matt Lovatt.

Das werde am Flagship- oder Concept-Store-Ansatz deutlich: Für diese Unternehmen bleibe es wichtig, ihre Produkte auszustellen, obwohl sie sich darauf eingestellt hätten, dass viele Konsumenten lieber online kaufen.

Zweifellos wird es laut Lovatt auch in Zukunft erfolgreiche Firmen geben, die Gewinne im stationären Einzelhandel erzielen. Dennoch sei die Entwicklung disruptiv. Das gelte nicht nur für die Einzelhändler selbst, sondern auch für die Immobilienunternehmen, die bislang ihr Geld mit Shopping Malls und Geschäften entlang der Haupteinkaufsstraßen verdient haben.

Etablierte Firmen erschließen neue Branchen

„Uns interessieren weniger die traditionellen Formen des Handels als vielmehr jene Unternehmen, die ihre Strategien jetzt weiterentwickeln“, sagt Lovatt.

Lovatt nennt eine weitere Entwicklung: „Einige große und alteingesessene Firmen machen sich die disruptive Wirkung neuer Technologien zunutze, um ihre traditionellen Verwurzelung in bestimmten Sektoren zu überwinden. Sie überarbeiten ihre Strategien, um in Bereiche mit höherem Wachstum vorzudringen“.

So sei etwa Philips durch Fernseher und Stereoanlangen bekannt. Das Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren jedoch aus dem Elektronikgeschäft zurückgezogen und beite jetzt medizinische Diagnoselösungen an.

„Es wird eine Herausforderung für viele Investmentfirmen sein, wie sie angesichts dieses sich wandelnden Umfelds mit Bewertungen und Wachstumspotenzialen umgehen. Zweifellos werden es die Anleger leichter haben, die Investmentansätze mit hohen Freiheitsgraden weltweit die besten Chancen finden und nutzen können“, so Lovatt. (kl)

Foto: Shutterstock

 

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