27. August 2018, 08:52
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Auf der Überholspur

US-Unternehmen glänzen und die Gewinne jenseits des Atlantiks sprudeln. In Europa stimmen die Umsätze, aber die Ertragsstärke fehlt. Damit befinden sich US-Firmen auf der Überholspur, Europa bleibt abgeschlagen zurück. Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2018 steht kurz vor dem Abschluss. Zeit Bilanz zu ziehen. Ein Gastbeitrag von Marc Hellingrath, Union Investment

Hellingrath IMG 6153 Ret Gro -Kopie in Auf der Überholspur

Marc Hellingrath, Union Investment: „Ein Gewinnwachstum von 25 Prozent im S&P 500-Index spricht für die Attraktivität von Aktien.“

Die US-Konjunktur boomt. Sinnbildlich dafür steht, dass es in der aktuellen Berichtssaison über 80 Prozent der S&P 500-Firmen gelang, die Gewinnschätzungen der Analysten zu übertreffen. Ähnlich starke Zahlen konnten die US-Unternehmen zuletzt Ende 2009 vorlegen. Unterstützend wirkten die im amerikanischen Markt auf Hochtouren laufenden Aktienrückkaufprogramme. Die S&P 500-Unternehmen werden im laufenden Jahr die Rekordsumme von über eintausend Milliarden US-Dollar an eigenen Aktien vom Markt nehmen. Dieser Hebel lässt die Erträge von US-Aktien weiter ansteigen.

US-Unternehmen knüpfen an das starke erste Quartal an

Insgesamt weisen die S&P 500-Unternehmen bei einem Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent ein kräftiges Gewinnwachstum von etwa 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Aus Sektorensicht überzeugten in den vergangenen Wochen insbesondere zyklische Titel, wie beispielsweise Konsumwerte. Diese ließen bei Umsatz- und Gewinnwachstum antizyklische Branchen deutlich hinter sich.

Der im US-Markt dominierende Technologiesektor konnte erneut mit starken Ergebnissen überzeugen. Eine Ausnahme: Der Internetriese Facebook. Der Technologiewert senkte die Gewinnerwartungen für das laufende Jahr und erschreckte damit seine Anleger. Währungseffekte, das schwieriger gewordene Platzieren von Werbeanzeigen sowie die Auswirkungen des Datenskandals belasten den Konzern. Die Aktie reagierte empfindlich mit einem Tagesverlust von fast 20 Prozent nach Veröffentlichung der Quartalszahlen. Ebenso enttäuschte der Streamingdienst Netflix mit einem verlangsamten Kundenwachstum. Dennoch sticht die Technologiebranche abseits von Facebook und Netflix als Gewinner der aktuellen Berichtssaison hervor. Weitere IT-Flaggschiffe wie Amazon, Apple, die Google-Mutter Alphabet und Microsoft überzeugten mit ihren Zahlen. Erfreulicherweise erstreckten sich dieses Mal die positiven Ergebnisse nicht nur auf die branchendominierenden Unternehmen. Auch kleinere Technologiewerte profitierten von der anziehenden US-Konjunktur und überzeugten mit ihren Ergebnissen.

Europa: Umsätze solide, Gewinne enttäuschen

Die Lage in Europa ist eine andere. Lediglich 56 Prozent der heimischen Unternehmen konnten die Analystenschätzungen in Bezug auf das Gewinnwachstum übertreffen. Zwar legte das Umsatzwachstum gemessen am Stoxx Europe 600-Index um über zehn Prozent zu, allerdings waren die Unternehmen nicht in der Lage, ihre Gewinne proportional zu steigern. Diese kletterten lediglich um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund dafür waren zum einen negative Währungseffekte sowie anziehende Material-, Herstellungs- und Transportkosten, welche die Margen der Unternehmen belasteten.

Betrachtet man die einzelnen Branchen, so überraschte vor allem der europäische Finanzsektor positiv. Insbesondere die in den vergangenen Quartalen schwächelnden Banken übertrafen die Erwartungen der Analysten. Das spiegelten die Aktienkurse aber kaum wieder. Die Institute tendieren in Summe zum Abschluss der Berichtssaison schwächer. Den Anlegern fehlt momentan der Glaube an eine baldige Wende in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, welche sich positiv auf die Zinserträge der Banken auswirken würde.

Handelskonflikt belastet bisher wenig

Störfaktoren wie der medial dauerpräsente Handelskonflikt setzten den Quartalsergebnissen kaum zu und belasteten lediglich wenige europäische Unternehmen. Im US-Markt sieht sich die Mehrzahl der Firmen in der Lage, mögliche Zollschranken mit Anpassungen der Lieferketten oder mit Preiserhöhungen abmildern zu können. Entsprechend wenig Beachtung fand das Thema in der Berichterstattung der US-Gesellschaften.

Das gilt auch für den Fokus der Anleger. In den vergangenen Wochen rückten die Unternehmensdaten wieder in den Mittelpunkt. Kurz vor Abschluss der Berichtssaison zeigte sich in Europa ein solides Umsatzwachstum. Die Gewinne stiegen zwar, blieben aber hinter den Erwartungen zurück. In den Vereinigten Staaten ist die Lage im Unternehmenssektor weiterhin gut. Die Gewinne legten kräftig zu und die Unternehmen zeigen sich für den weiteren Jahresverlauf zuversichtlich. Nach vorne gerichtet spricht dies abseits (geo-)politischer Belastungsfaktoren für ein fundamental gut unterstütztes Umfeld für die Aktienmärkte und damit für eine anhaltende Attraktivität der Anlageklasse.

Marc Hellingrath ist Leiter Aktien Global bei Union Investment.

Foto: Union Investment

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Black Friday: Vorsicht bei der großen Schnäppchenjagd

Der Countdown zum Black Friday läuft: Zahlreiche Händler feiern den Topseller-Tag mit speziellen Aktionen und Sonderrabatten, quasi ein Auftakt für das Weihnachtsgeschäfts. Doch wie sieht es mit einem eventuellen Rückgabe- und Umtauschrecht aus, wenn – Mann oder Frau – sich verkauft haben. Rechtsexperten der Arag klären auf, was bei reduzierter Ware und vorschnellen, unüberlegten Kaufentscheidungen zu beachten ist.

mehr ...

Immobilien

Erhaltungssatzung: Münchner Immobilienbesitzer sollten Status ihrer Immobilie prüfen

Experten der Hausbank München eG, von Rohrer Immobilien und der Anwaltskanzlei Wagensonner empfehlen aktuell oder zukünftig von der Erhaltungssatzung der bayerischen Landeshauptstadt betroffenen Immobilienbesitzern ihr Objekt einem Statuscheck zu unterziehen.

mehr ...

Investmentfonds

Boom bei ESG-Investitionen durch die EU?

Das Thema ESG – also die Fokussierung auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien – ist im Bereich der Finanz- und Anlageberatung quasi nicht existent. Das könnte sich mit einer neuen EU-Gesetzgebung im kommenden Jahr ändern. Mit weitreichenden Folgen für ESG-Investments.

mehr ...

Berater

Burn-out: Den Kulturwandel leben

Die Zahl der Menschen mit Burn-out steigt stetig. Gerade in der Finanzbranche sind viele Arbeitnehmer betroffen. Welcher Auftrag sich daraus für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ableiten lässt, erklärt Mareike Fell, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Trainerin und Beraterin, im letzten Teil der dreiteiligen Serie auf Cash.Online. 

mehr ...

Sachwertanlagen

Mimco kauft weiteres Einzelhandelsobjekt

Der Asset- und Investment-Manager Mimco Capital Sàrl aus Luxemburg hat für seinen neuen Fonds Everest One in das Einzelhandelsobjekt “Neues Südertor” in Lippstadt einen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Geplant ist auch eine Aufwertung des Gebäudes.

mehr ...

Recht

Die richtige Steuerklasse für Paare 2020

Ein neues Merkblatt des Bundesfinanzministeriums zeigt, worauf Ehe- und Lebenspartner achten sollten, wenn beide Arbeitnehmer sind.

mehr ...