Bleibt die EZB vorsichtig?

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, gab gestern bekannt, die Anleihekäufe zum Jahresende auslaufen zu lassen. Die Zinsen bleiben zunächst niedrig. Deutet das auf Zuversicht oder Skepsis der EZB hin? Zwei Stimmen aus der Fondsbranche:

Gebäude der Europäischen Zentralbank im Nebel: Noch immer hat der Rat nicht kommuniziert, wann er den Leitzins anhebt.
Gebäude der Europäischen Zentralbank im Nebel: Noch immer hat der Rat nicht kommuniziert, wann er den Leitzins anhebt.

Der EZB-Rat hat gestern beschlossen, nur noch bis Ende des Jahres durch Anleihekäufe frisches Kapital in den Markt zu pumpen. Die Rückflüsse aus auslaufenden Anleihen werden jedoch reinvestiert und auch die Zinsen werden frühestens im Herbst 2019 steigen. Das kündigte EZB-Präsident Mario Draghi an. Damit bleibt die Geldpolitik des Euroraums expansiv.

„Bei der Entscheidung, das (Quantitative Easing) QE jetzt zu beenden, geht es mehr um Politik als um Wirtschaft. Die Beendigung der Nettoanleihekäufe wird den Falken im EZB-Rat, insbesondere den Deutschen, gefallen, und wenn man beide Augen zudrückt, können die Wirtschaftsdaten die Entscheidung gerade noch rechtfertigen“, sagt Paul Diggle, Senior Economist bei Aberdeen Standard Investments.

EZB hofft auf Wachstum

Die EZB hoffe weiterhin auf Wachstum und eine steigende Kerninflation durch höhere Löhne. „Aber beides scheint zu optimistisch, wenn man bedenkt, was sonst noch in der Welt, geschweige denn in Europa, vor sich geht. Es ist davon auszugehen, dass Draghi selbst jetzt nicht mehr dazu kommen wird, die Zinsen zu erhöhen“, so Diggle.

Ähnlich kritisch ist Patrice Gautry, Chefvolkswirt der Union Bancaire Privée (UBP): „Die EZB sieht sich einem zunehmend risikoreichen Umfeld gegenüber und prognostiziert für die kommenden Jahre ein schleppendes Wachstum unter zwei Prozent sowie eine anhaltend geringe Inflation von zwei Prozent bis 2021. Es ist nicht verwunderlich, dass die EZB auf Reinvestitionszuflüsse in festverzinsliche Anlagen (ohne geplanten Endtermin) setzt, um weiterhin ausreichend Liquidität bereitzustellen.“

Seite zwei: Steigt der Leitzins?

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