Anzeige
5. Juli 2018, 06:55
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

EZB-Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik – Die Folgen für Anleihekäufer

Das Umfeld für Käufer europäischer Staats- und Unternehmensanleihen wird schwieriger. Die EZB steckt in einem Dilemma, wird sich aber für das Straffen der Geldpolitik entscheiden müssen. Was Anleiheanleger jetzt wissen müssen und wie sie reagieren können. Gastbeitrag Teil 2/2 von Patrice Gautry, UBP

GAUTRY-Patrice-Kopie-1 in EZB-Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik – Die Folgen für Anleihekäufer

Patrice Gautry: “Mehrere Faktoren deuten darauf hin, dass die Renditen in der Eurozone stärker ansteigen könnten als in den USA zu Zeiten des Ausstiegs der Fed aus ihrem QE-Programm.”

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einem Dilemma. Sie sollte aus der lockeren Geldpolitik aussteigen und die Zinsen anheben, um Spielraum im Falle einer Krise zu haben. Andererseits wartet sie auf eine höhere Inflationsrate, will das Wachstum der Eurozone nicht abwürgen und die Finanzierungsbedingungen für Länder wie Italien und Griechenland nicht verschärfen.

Trotz dieser Risiken scheint der Ausstieg der EZB aus der quantitativen Lockerung in Anbetracht des derzeit über dem Potenzial liegenden Wachstums in der Eurozone durchaus ratsam.
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat bereits mehrere Zinsschritte hinter sich. Ob das Vorgehen der Fed zum Modell für die EZB werden könnte, können Sie in Teil eins dieses Beitrages lesen.

Warum die Renditen in Europa stärker steigen

Drosselt die EZB die Liquidität, werden sich die Anleihemärkten der Eurozone wesentlich volatiler verhalten. Wenngleich viele Anleger einen starken Renditeanstieg wie beim “Taper Tantrum” 2013 befürchten, muss man festhalten, dass sich selbst damals die Renditen in den USA weitgehend seitwärts bewegt haben – wenn auch in einem breiten Korridor.

Mehrere Faktoren deuten allerdings darauf hin, dass die Renditen in der Eurozone stärker ansteigen könnten als in den USA zu Zeiten des Ausstiegs der Fed aus ihrem QE-Programm.
Von 2012 bis 2015, als die Fed den Ankauf von US-Staatsanleihen reduzierte, ging das Emissionsvolumen neuer Schuldtitel zurück, da das US-Haushaltsdefizit von acht Prozent des Bruttoinlandproduktes im Jahr 2012 auf nur noch zwei Prozent im Jahr 2016 schrumpfte.

Zudem lockerten 2012 die Bank of Japan und 2015 ihre Geldpolitik. So kauften renditeorientierte Anleger vermehrt US-Treasuries und begrenzten ihren Renditeanstieg.

In der Eurozone werden nach dem Ende der quantitativen Lockerung aber weniger Anleihekäufer in die Fußstapfen der EZB treten. Das Kapital aus fälligen Anleihen, das die EZB reinvestiert, wird zwar die Nachfrage stützen, aber nicht das Neuemissionsvolumen der Eurozone ausgleichen.

Staatsanleihen: Emissionen nach Land

Emission in EZB-Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik – Die Folgen für Anleihekäufer

Quelle: Natixis, UBP

Wir rechnen damit, dass die Auswirkungen des Quantitative Tightening von Land zu Land variieren werden und Bundesanleihen von dem für 2018 und 2019 erwarteten negativen Nettoemissionsvolumen profitieren werden.

Peripherie profitierte am stärksten

In Frankreich sind im Zeitraum 2018 bis 2019 Nettoneuemissionen im Volumen von 50 bis 55 Milliarden Euro zu erwarten, nachdem in den Jahren 2016 und 2017 ein Volumen von 40 bis 70 Milliarden Euro abgezogen worden war.

Die Peripherieländer haben zudem am meisten vom Anleihekaufprogramm der EZB profitiert. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sind in Frankreich, Italien und Spanien seit Juni 2014 um 100-200 Basispunkte zurückgegangen, in Deutschland um lediglich 85 Basispunkte.

Seite zwei: Alternativen für Anleger

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset – Kfz-Policen – Immobilieninvestments – Ruhestandsplanung

Ab dem 13. September im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Spahn dringt auf bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dringt im Kampf gegen die Personalnot in der Pflege auf bessere Arbeitsbedingungen.  “Derzeit ist die Pflege der am wenigsten planbare Beruf, den es gibt”, sagte der CDU-Politiker der “Augsburger Allgemeinen” am Donnerstag. 

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Wie hoch ist das durchschnittliche Baudarlehen?

Deutsche Kreditnehmer nehmen immer mehr Geld auf um sich den Wunsch nach den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, berichtet über weitere aktuelle Entwicklungen bei Baufinanzierungen.

mehr ...

Investmentfonds

Warum der US-Handelskrieg eine Chance für die EU ist

Amerikas saure, nicht süße Handelspolitik zwingt China, Alternativen zu suchen. So belebt Peking die eurasische Seidenstraße wieder und holt Russland mit ins Boot. Beide Länder verbindet sicher keine Liebesbeziehung, aber für eine Vernunftehe gegen den gemeinsamen Feind USA reicht es allemal. Könnte man auch noch Europa anbinden, würde sich der bislang zeitintensive Seeweg chinesischer Exporte in die westliche Welt erheblich verkürzen. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

“Ein Provisionsdeckel wäre verfassungswidrig”

Das 14. “Bonner Spitzentreffen”, das rund 40.000 Versicherungsvertreter in Deutschland repräsentiert, hat sich einstimmig gegen eine Deckelung von Provisionen im Zuge der Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) ausgesprochen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium veröffentlicht geprüften Portfoliobericht

Solvium Capital, Anbieter von Direktinvestments in Container und Wechselkoffer, hat den aktuellen Portfoliobericht des Unternehmens vorgelegt. Anders als offenbar beim ehemaligen Konkurrenten P&R läuft demnach alles vertragskonform.

mehr ...

Recht

Welche finanziellen Vorteile die Eheschließung bringt

Heiraten – ja oder nein? Keine einfache Entscheidung, doch auch neben der Liebe gibt es gute Gründe dafür. Die Experten der DVAG erklären, wie sich Eheleute bei Steuern und Versicherungen besserstellen können und geben Tipps, was sie beachten sollten.

mehr ...