Warum Schwellenländeraktien robust bleiben

Sogar im Fall von China entsprechen die angekündigten Zölle lediglich zwei Prozent der chinesischen Exporte und 0,4 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts. Oder anders ausgedrückt: Die Zollabgabe von 25 Prozent entspricht 0,1 Prozent des chinesischen BIPs.

Binnenorientierte Aktienmärkte

Außerdem ist China gut aufgestellt, um an den fiskal- und geldpolitischen Stellschrauben zu drehen und die wirtschaftlichen Folgen anhaltender Handelskonflikte einzudämmen, falls sich die Lage weiter verschärfen sollte.

Darüber hinaus sind die Aktienmärkte der Schwellenländer zunehmend binnenorientiert. Schwellenländerunternehmen erwirtschaften nur acht Prozent ihrer direkten Umsätze in den USA, bei chinesischen Unternehmen beträgt dieser Anteil lediglich zwei Prozent. Natürlich hätten weitere Einschränkungen des freien Handels Folgewirkungen, doch bisher bleibt die Gewinnentwicklung der Schwellenländerunternehmen solide.

Nachdem die Gewinne in den vergangenen zehn Jahren größtenteils verhalten ausfielen, besserte sich das Bild zuletzt: 2017 stiegen die Gewinne um mehr als 20 Prozent und für dieses Jahr wird trotz der aktuellen Unsicherheit eine erneute Steigerung um über zehn Prozent erwartet.

Besonders erfreulich ist, dass erstmals seit 2011 auch die Eigenkapitalrenditen die Schwellenländererträge mitziehen, da sich die Margen und die Rentabilität der Unternehmen verbessern. Auch die erhöhte Volatilität, die in den vergangenen Monaten zu beobachten war, kann interessante Chancen für aktive Manager eröffnen.

Wachstumsvorsprung wird sich verbessern

Ein ausgewachsener Handelskrieg würde die Exporterlöse und das Wachstum beeinträchtigen, die weltweiten Lieferketten unterbrechen und letztlich auch die Risikobereitschaft der Anleger reduzieren. Derzeit zeigen sich die Schwellenländer aber nach wie vor widerstandsfähig und die fundamentalen Aussichten für ihre Aktien bleiben positiv.

Wir rechnen für die kommenden Jahre weiterhin damit, dass sich der Wachstumsvorsprung der Schwellenländer gegenüber den Industriestaaten verbessert. Diese Entwicklung korrelierte in der Vergangenheit mit einer Outperformance von Schwellenländeraktien.

Günstige Bewertungen

Langfristige Prognosen gehen davon aus, dass der Anteil der Schwellenländer am globalen Wachstum in den nächsten zehn Jahren auf beinahe 75 Prozent steigen wird und dabei 1,2 Milliarden Menschen von armen Bevölkerungsschichten in die Mittelklasse aufsteigen werden.

Wir sind zuversichtlich, dass binnenorientierte Unternehmen, die über differenzierte Strategien verfügen, auf lange Sicht gut aufgestellt sind. Nach dem jüngsten Ausverkauf liegen die Bewertungen von Schwellenländeraktien wieder unter ihren langfristigen Durchschnittsniveaus und die Titel werden mit einem Abschlag von 25 Prozent gegenüber ihren Industrieländerpendants gehandelt. Das bietet einen interessanten Einstiegspunkt in eine mehrjährige Erholungsphase.

Marie Cardoen ist Head of Retail bei Goldman Sachs Asset Management für Deutschland und Österreich

Foto: GSAM

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