„Veränderte Korrelationen fordern Multi-Asset-Fonds heraus“

Warum sind Multi-Asset-Fonds bei Anlegern so beliebt? Welche Probleme ergeben sich für Multi-Asset-Manager aus der anhaltenden Niedrigzinspolitik und wie können sie darauf reagieren? Darüber hat Cash. mit Thomas Kruse, Chief Investment Officer bei Amundi Deutschland, gesprochen.

Thomas Kruse, Chief Investment Officer bei Amundi Deutschland: „Das Zinsänderungsrisiko ist da und wir halten die Duration kurz.

Herr Kruse, Multi-Asset-Fonds sind eine Erfolgsgeschichte. Worauf führen Sie die hohen Zuflüsse zurück?

Kruse: Dieses Phänomen ist wahrscheinlich eine Folge des Niedrigzinses. Wenn wir schauen, wo die Gelder herkommen, dann sehen wir, dass der erste Impuls für eine verstärkte Anlage in Multi-Asset-Fonds durch die Ereignisse in Italien im Jahr 2013 ausgelöst wurde. Das gilt besonders für die Income-Fonds, die sich ein Ziel gesetzt haben, circa fünf Prozent jährlich auszuschütten. Staatsanleihen konnten eine höhere Ausschüttung nicht mehr leisten und so begann die Suche nach Alternativen.

In Deutschland kommt hinzu, dass auch die niedrige Verzinsung auf Sparguthaben, die Anleger veranlasst hat, nach einer Alternative zum Sparbuch zu suchen. Renten sind aktuell nicht unbedingt besser verzinst und Aktien vielen Anlegern zu riskant – so kommen sie zu Multi-Asset Produkten. Wichtig ist für Anleger auch, die Art von Multi-Asset-Fonds zu betrachten, in den sie investieren wollen. Sind es Benchmark-Fonds mit einem festen Verhältnis oder flexible Fonds, die die Asset-Allokation verändern und somit zeitnah auf neue Rahmenbedingungen reagieren können?

Neben der Betrachtung der einzelnen Strategie des jeweiligen Multi-Asset-Fonds müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und deren Auswirkung auf die Fondsperformance berücksichtigt werden. Gerade jetzt zum Beispiel nimmt dies an Bedeutung zu, wo die Zentralbanken durch Leitzinserhöhungen der Fed, aber auch durch ein baldiges Auslaufen des Anleihekaufprogramms seitens der EZB die Liquidität reduzieren.

Betrachten wir die vergangenen zehn Jahre, warum haben die Anleger bei den gut laufenden Aktienmärkten nicht direkt in Aktien investiert?

Kruse: Das hängt immer vom Anleger ab. Einige institutionellen Kunden können zum Beispiel wegen der hohen Risiken nicht auf reine Aktienfonds setzen, sie bräuchten sehr hohe Risikobudgets. Im Retailbereich kann man auf der einen Seite schon beobachten, dass es bei den Sparbüchern nicht unbedingt Abflüsse gibt, aber auf der anderen Seite gibt es auch weniger Zuflüsse. Ebenso bei den Staatsanleihen. Da sind auch Bankberater gefragt, die Investments mit guten Renditen und begrenzten Risiken finden, die sich auch messen lassen.

Das haben Sie bei Aktien nicht. Dort sind viele noch mit dem Phänomen 1999 bis 2003 konfrontiert, wo wir einen Anflug einer Aktienkultur hatten. Das Scheitern hat viele Spuren hinterlassen. Viele haben sich auch gerade nach der Finanzkrise 2008/2009 gescheut, in Aktien zu gehen und dadurch auch viel verpasst. Wenn ich mir die Entwicklung des Dax der letzten drei Jahre anschaue, dann ist sie fast flach.

Der amerikanische Aktienmarkt läuft gut. Aber gerade zwischen Juni 2015 und 2018 war die Dax-Performance einstellig. Insofern glaube ich nicht, dass wir jetzt im Privatkundenbereich darüber nachdenken, dass wir größere Einbrüche in Aktienmärkten erleben können. Das kommt wahrscheinlich später. Bis Mitte 2017 hatten wir auch keine große Aktienübergewichtung. Auch am Markt nicht. Das hat sich erst zur Jahreswende deutlich etabliert. Eine Zeitlang ging das ja auch alles gut. Wer Rentenfonds hatte, hat aufgrund der immer niedrigeren Zinsen und auch aufgrund der Kursgewinne gut profitieren können. So ist das niedrige Zinsniveau nie wirklich offenbar geworden. Das gilt für institutionelle Kunden wie für Privatkunden. 2017 war das erste Jahr, wo das so offensichtlich wurde.

Seite zwei: Droht eine Überforderung der Assetklasse?

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