11. Juli 2019, 14:00
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„Die Welt sozial und ökologisch besser machen“

Die politische Beschäftigung mit dem Klimawandel und seinen Folgen sorgt auch bei den Anlegern für mehr Engagement in Sachen nachhaltiger Investments. Nachdem ethisch-ökologische Kapitalanlagen den meisten Anlegern ein Begriff sind, ist das Impact Investing noch wenig bekannt. Cash. sprach mit Huub van der Riet, Leitender Portfoliomanager Impact Investing Aktien bei NN Investment Partners, darüber, was hinter Impact Investing steckt und wie Anleger davon profitieren können.

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Huub van der Riet, Leitender Portfoliomanager Impact Investing Aktien bei NN Investment Partners.

Die Themen ESG und Impact Investing unterscheiden sich deutlich voneinander. Letzteres richtet seinen Fokus insbesondere auf die Produktseite. Impact Investing hat somit einen deutlich größeren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss. Warum sollten Anleger überhaupt noch ESG-konform anlegen?

Van der Riet: Der Hauptunterschied zwischen einer Impact- und einer ESG-Investmentstrategie besteht in der Tat darin, dass Impact-Strategien auch die Wirkung der Produkte/Dienstleistungen des investierten Unternehmens einschließen. Impact Investing zielt darauf ab, die Welt sozial und ökologisch besser zu machen und gleichzeitig eine angemessene Rendite zu erzielen.

Impact-Strategien haben keine Benchmark und können bestimmte Sektoren und Branchen komplett ausschließen. Im Allgemeinen ist die Haltedauer der Portfolio-Holdings bei beiden Strategien – ESG wie Impact – langfristig, doch der Turnover ist bei Impact-Fonds noch etwas geringer.

Impact-Strategien sind zudem tendenziell stärker auf Schwellenländer und Frontier Markets ausgerichtet und setzen im Vergleich zu traditionellen ESG-Fonds etwas mehr auf junge Branchen und Unternehmen, die sich noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase befinden.

Mit Blick auf diese Aspekte können traditionelle Nachhaltigkeitsfonds besser geeignet sein für Anleger, die eine Benchmark benötigen, sich hauptsächlich auf die entwickelten Märkte und reifere Unternehmen konzentrieren.

Impact-Strategien wirken insofern auf den ersten Blick vielleicht etwas risikoreicher, doch das Gesamtrisiko eines Impact-Fonds ist unserer Meinung nach geringer als wahrgenommen. Nicht zuletzt, weil sie sehr gut auf neue regulatorische Entwicklungen oder Schocks wie höhere Öl-/Gaspreise ausgerichtet sind.

Mit Verlaub, die Suche nach Firmen, die die Welt ein Stück weit besser machen, klingt sehr theoretisch Können Sie uns ein paar Beispiele geben, welche Unternehmen so innovativ unterwegs sind, dass sie potenzielle Kandidaten für den NN Global Equity Impact Opportunities sind?

Van der Riet: Ein typisches Impact-Unternehmen agiert nicht nur selbst nachhaltig, sondern geht einen Schritt weiter, indem es Lösungen anbietet, die es anderen ermöglichen, nachhaltiger zu wirtschaften oder die Lebensbedingungen zu verbessern.

Ein Beispiel ist Novozymes, das selbst CO2-Emissionen von unter 1 Million Tonnen ausstößt. Doch die Enzyme, die das Unternehmen herstellt, helfen seinen Kunden, 80 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einzusparen. Mit seinen Produkten erzielt Novozymes ein höheres Wachstum und höhere Margen als andere Chemieunternehmen.

Ein weiteres Beispiel ist die Bandhan Bank, eine indische Mikrofinanzbank, die ärmeren Menschen in abgelegenen Gebieten Zugang zu Bankdienstleistungen bietet, die ihnen den Aufbau eines besseren Lebens ermöglichen.

In welchem Moment trennen Sie sich wieder von Titeln bzw. was sind für Sie die Ausschlusskriterien?

Van der Riet: Wir verkaufen eine Position, wenn die ursprünglichen Kaufgründe hinsichtlich Geschäftsmodell, finanzieller Performance oder dem erzielten Impact nicht mehr intakt sind.

Der Impact steht dann auf dem Prüfstand, wenn das Unternehmen sein Geschäftsprofil verändert, z.B. durch eine Akquisition, oder wenn sich der Impact als schwächer erweist als erwartet, z.B. wenn das Unternehmen, in das wir investiert sind, erkennen lässt, dass seine Absicht, eine ökologische oder soziale Wirkung zu erzielen, nur gering ist.

 

Seite 2: Über Kooperationen und Privatanleger

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