21. November 2019, 15:07
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Finanzmarktstabilitätsbericht der EZB: “Es grenzt an Real-Satire”

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Finanzmarktstabilitätsbericht vorgestellt. Bernhard Matthes, CFA, Bereichsleiter Portfoliomanagement, Bank für Kirche und Caritas eG kommentiert die wesentlichen Inhalte.

BKC Bernhard-Matthes-Kopie in Finanzmarktstabilitätsbericht der EZB: Es grenzt an Real-Satire

Bernhard Matthes, BKC

Es grenzt an Real-Satire: In ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht kritisiert die EZB Investmentfonds, Pensionsfonds oder Versicherer dafür, dass sie zunehmen in weniger liquide und riskantere Vermögenswerten investiere. Dabei handelt es sich hierbei schlicht um die Reaktion auf eine von der Notenbank selbst befeuerten Situation: Mit ihrem Rausch des billigen Geldes hat die EZB überhaupt erst die Notwendigkeit geschaffen, dass Asset Manager, um für ihre Kunden Rendite zu verdienen, in Risiken ausweichen, die sie unter normalen Umständen nicht eingehen würden. Es ist vollkommen natürlich, dass Marktteilnehmer, denen der risikofreie Zins genommen wird, nach anderen Möglichkeiten und Selbstverteidigungsinstrumenten gegen den von der EZB geschaffenen Zinsnotstand suchen.

Die EZB verhält sich unserer Ansicht nach wie ein Brandstifter, der die Bewohner des brennenden Hauses belehrt, besser nicht aus den Fenstern zu springen, weil dies riskant sei.

Generell entsteht der Eindruck, dass im Zusammenhang mit der EZB insgesamt über das Verhältnis von Ursache und Wirkung zu wenig diskutiert wird. Die fatalen Folgen der fehlgeleiteten EZB-Politik sind im öffentlichen Diskurs nicht in dem Maß an vorderster Linie präsent, wie sie es verdient hätten. Statt über Ursachen wird in der Regel eher über Symptome diskutiert.

So hat beispielsweise schon vor zwei Jahren die Bundesbank davor gewarnt, dass die Immobilienpreise in Großstädten 30 Prozent über den fundamental gerechtfertigten Werten liegen. Dennoch befasst sich die aktuelle Diskussion fast ausschließlich mit den Folgen dieser Entwicklung – rasant steigende Immobilienpreise und Mieten. Als scheinbaren Ursachen werden fälschlicherweise Faktoren wie “Marktversagen”, “Spekulanten” und “Investoren” identifiziert. Die tatsächliche Ursache, die Geldpolitik der EZB, wird dagegen nicht genannt.

Die Fokussierung auf nur scheinbar zutreffenden Ursachen des Immobiliennotstands führt zu falschen Schlussfolgerungen, die wiederum in falsche Politikansätzen münden, wie diverse Marktinterventionen, Mietpreisbremse. Enteignungs-Drohungen. Diese Interventionsspirale führt wiederum zu vorhersehbar kontraproduktiven Effekten: Der Bau von neuem Wohnraum geht zurück, Investitionen werden zurückgehalten, Modernisierungen unterbleiben.

Solange die EZB den Rausch des billigen Geldes fortführt, kann es nicht verwundern, dass Preisblasen bei Vermögenswerten entstehen. Die neu geschaffenen Geldmengen suchen Anlagehäfen, deren verstärkte Nachfrage vorhersehbar mit Nebenwirkungen einhergehen: erhöhte Risiken im Rentenbereich und steigende Preise bei Sachwerten, nicht nur bei Immobilien, sondern beispielweise auch bei Ackerland, wie die jüngst emotionale geführte Debatte um Preisentwicklungen bei landwirtschaftlichen Nutzflächen illustriert hat.

Foto: Bank für Kirche und Caritas

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Umsetzung der Grundrente wird abenteuerlich

Bei der Einführung der Grundrente ist nicht nur der anvisierte Termin abenteuerlich, sondern auch die damit verbundenen Verwaltungskosten sprengen den Rahmen des Vorstellbaren. Darauf macht das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) aufmerksam.

mehr ...

Immobilien

Muskelhypothek ist Eigenkapital

Es gibt viele Gründe, bei Neubauten oder Modernisierungen selber Hand anzulegen. Einer davon: Banken rechnen die Eigenleistung auf die Finanzierung an – wenn solide geplant wird.

mehr ...

Investmentfonds

Coronavirus: Folgen für das globale Wachstum

Der Coronavirus muss keine Millionen Menschen töten, um sich negativ auf globales Wachstum auszuwirken. Ein Marktkommentar von Richard Flax, Chief Investment Officer beim digitalen Vermögensverwalter Moneyfarm.

mehr ...

Berater

Wer erbt bei Verteilung des Vermögens nach einzelnen Gegenständen?

Hat der Erblasser in seinem Testament sein gesamtes Vermögen nach Einzelgegenständen unter den bedachten Personen aufgeteilt, ist in der Regel anzunehmen, dass er eine Erbeinsetzung bezweckt hat. Allerdings folgt daraus nicht, dass alle benannten Personen zu Erben berufen sind. Darauf weist die Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V. (DVEV) als Folge eines Urteils des OLG Oldenburg hin.

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium: Gutachter bestätigt Rendite-Zwischenstand über Plan

Die Rendite der ersten Investitionen in Höhe von sechs Millionen Euro für das aktuelle Angebot Logistik Opportunitäten Nr. 1 von Solvium Capital liegt deutlich über der Zielmarke. Das bescheinige die aktuelle „nachgelagerte Investitionsbeurteilung“ einer Prüfungsgesellschaft. Die Platzierung der Vermögensanlage schreitet derweil voran.

mehr ...

Recht

Maklerkosten: ZIA fordert deklaratorische Maklerklausel

Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, begrüßt den aktuellen Gesetzentwurf über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser. Gleichzeizig kritisiert er jedoch ein entscheidendes Detail.

mehr ...