4. Juni 2019, 08:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Rezo und Greta: Wer profitiert am Ende wirklich?

Zunächst einmal das Gute vorweg: Die Europawahl hätte schlimmer ausfallen können. Viele europaskepti- sche und populistische Parteien haben quer durch alle Länder „Achtungserfolge“ erzielt, aber ein glatter Durchmarsch sieht anders aus. Noch steht die Mehrheit der Wähler auf der Seite von Parteien, die sich kon- struktiv und ernsthaft mit europapolitischen Fragen beschäftigen und auf einfache Antworten und Rezepte (weitgehend) verzichten. Ein Kommentar von Dr. Christian Jasperneite, Chefanlagestratege der M.M. Warburg Bank.

Dr Christian Jasperneite in Rezo und Greta: Wer profitiert am Ende wirklich?

Christian Jasperneite, Chefanlagestratege der M.M. Warburg Bank

 

Vordergründig hat sich damit gar nicht so viel verändert; wie auch schon in den Wahlen zuvor liegt die europäische Volkspartei (EVP) erneut vor den Sozialdemokraten (S&D). Trotzdem bahnt sich mit dieser Wahl eine politische Zeitenwende an: Die klassischen Volksparteien haben dramatisch an Zuspruch verloren. Dafür gibt es in jedem Land andere Gründe. In Deutschland dürften dabei vor allem zwei Themen dominiert haben.

Die Mitte erreicht die Jugend immer weniger

Zum einen erreichen die großen Volksparteien offensichtlich immer weniger die Jugend, deren Kommunikations- und Informationsverhalten im Gegensatz zu älteren Wählern komplett anders ausfällt. Zum anderen ist es vor allem den Grünen gelungen, das Thema Klimaschutz nahezu exklusiv für sich zu nutzen und politisch zu besetzen. Dass das gelungen ist, ist in gewisser Weise eine Meisterleistung, denn bei Licht betrachtet gibt es zwischen den großen Parteien hinsichtlich Lageeinschätzung, Zielsetzung und Instrumenteneinsatz gar keine gewaltigen Unterschiede.

De facto trägt die Klima- und Energiepolitik der aktuellen Bundesregierung ohnehin eine grüne DNA, zumal das Fundament dieser Politik mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2000 gelegt wurde. Der damalige Umweltminister war Jürgen Trittin, und das Gesetz gilt bis heute als Keimzelle der deutschen Energiewende und Klimapolitik.

Auch der Ausstieg aus der Kernkraft sowie das sukzessive Abschalten von Kohlekraftwerken tragen eine grüne Handschrift. So gesehen dürfen sich die Grünen gar nicht beschweren – wären sie an der Regierung, würde sich die deutsche Klimapolitik für einen Außenstehenden bis auf ein paar symbol- politische Aktionen vermutlich nicht wesentlich von der aktuellen Politik unterscheiden.

Hilft eine grüne Regierung dem Klima?

Zudem stellt sich die Frage, ob sich die bisher verfolgte und von den Grünen im Fall einer Regierungsverantwortung vielleicht weiter forcierte Ausrichtung der deutschen Klimapolitik überhaupt als zielführend erweist. Denn angesichts des extremen Aufwandes, den Deutschland in diesem Bereich betreibt, sind die Ergebnisse mehr als mager. So liegen die aktuellen CO2- Emissionen in Deutschland in etwa auf dem Niveau des Jahres 2009. Es ist fast eine Ironie der Geschichte:

In etwa seit dem Jahr, wo die sog. EEG-Umlage massiv gestiegen ist, stagnieren die CO2-Emissionen, während sie in den Jahren zuvor kontinuierlich gesunken sind. Das steht in einem starken Kontrast zu Ländern wie Frankreich oder Italien, die nicht unbedingt dafür be- kannt sind, Klimapolitik in den Vordergrund zu stellen.

 

Seite 2: Viele Ländern tun mehr für’s Klima als Deutschland

Weiter lesen: 1 2 3 4 5

Ihre Meinung



 

Versicherungen

80 Prozent: Leistungsquote in der BU gestiegen

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) hat die neue Leistungsquotenstatistik in der Berufsunfähigkeitsversicherung veröffentlicht. Gegenüber dem Vorjahr verkürzte sich die Bearbeitungszeit von 110 auf 106 Tage. Insgesamt wurden 80 Prozent aller Anträge bewilligt, nach 79 Prozent ein Jahr zuvor.

mehr ...

Immobilien

Bauen ja, aber nicht in großen Städten

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Dieses geflügelte Wort trifft wohl auch beim Kauf eines Eigenheims zu. Wie eine Auswertung der Interhyp-Daten der vergangenen fünf Jahre ergab, bauen oder kaufen die Deutschen am liebsten dort eine Immobilie, wo sie bereits heimisch sind – allerdings immer weniger, wenn sie in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern leben.

mehr ...

Investmentfonds

Ein halbes Jahr Corona: Wie es um die wirtschaftliche Erholung steht

Am 18. März 2020 fiel der Euro Stoxx 50 auf den niedrigsten Stand dieses Jahres, nachdem er innerhalb nur eines Monats 38 % seiner Börsenkapitalisierung verlor. Mittlerweile sind seit diesem beispiellosen, jähen Absturz, der durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöst wurde, sechs Monate vergangen. Sechs Monate sind einerseits wenig, aber andererseits genug Zeit, um erste Lehren aus dieser sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Zäsur zu ziehen. Ein Kommentar von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE 

mehr ...

Berater

Finanzstark ins digitale Zeitalter

Home-Office, Online-Handel, E-Business – nur einige Begriffe, die für den fundamentalen Wandel in der Unternehmenslandschaft stehen. Ein Wandel, der zwar schon vor Corona begann, aber durch die Pandemie eine neue Dynamik erreicht hat. Gastbeitrag von Dirk Oliver Haller, DFT Deutsche Finetrading 

mehr ...

Sachwertanlagen

AEW versilbert deutsches Büroimmobilien-Portfolio

Der Asset Manager AEW gibt die Vermittlung der Anteilscheine am AEW City Office Germany-Fonds an einen Fonds von Tristan Capital Partners, Curzon Capital Partners 5 LL, bekannt. Das Portfolio umfasst sieben Objekte mit insgesamt rund 83.000 Quadratmetern Mietfläche.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...