3. April 2020, 13:42
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Coronakrise: “Gesundheit und stabile Wirtschaft schließen sich nicht aus”

Die geltenden Beschränkungen in Gesellschaft und Wirtschaft allmählich zu lockern und dabei die medizinische Versorgung der gesamten Bevölkerung zu sichern – dafür plädiert jetzt eine interdisziplinäre Gruppe renommierter Wissenschaftler. In ihrem Positionspapier zeigen die Forscher um ifo-Präsident Clemens Fuest und Martin Lohse, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Wege zu diesem Ziel auf.

Clemens-Fuest-ifo-institut in Coronakrise: Gesundheit und stabile Wirtschaft schließen sich nicht aus

Clemens Fuest, ifo-Institut

Die Strategie sieht vor, derzeitige Einschränkungen differenziert und unter kontinuierlicher Abwägung der Risiken nach und nach zu lockern. Priorität haben dabei Beschränkungen, die hohe wirtschaftliche Kosten verursachen oder zu starken sozialen und gesundheitlichen Belastungen führen. Regionen mit niedrigen Infektionsraten und freien Kapazitäten im Gesundheitssystem könnten, so der Vorschlag der 14 Experten aus deutschen Universitäten und Forschungsinstituten, beim allmählichen Neubeginn vorangehen. Beginnen sollten zudem Sektoren mit niedriger Ansteckungsgefahr wie zum Beispiel hochautomatisierte Fabriken sowie Bereiche mit weniger gefährdeten Personen, etwa in Schulen und Hochschulen.

“Beschränkungen zeigen erste Wirkung”

 „Die aktuellen Beschränkungen sind sinnvoll und zeigen erste Wirkung“, sagt Martin Lohse, Mediziner und Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). Allerdings hätten die Maßnahmen neben hohen wirtschaftlichen und sozialen Kosten auch gravierende medizinische Folgen, etwa für Patienten mit anderen schweren Erkrankungen. „Weil wir damit rechnen müssen, dass die Pandemie uns noch viele Monate beschäftigt und letztlich nur unser Immunsystem uns schützen kann, brauchen wir eine flexible, nach Risiken gestaffelte Strategie – ein genereller Shutdown ist keine langfristige Lösung“, sagt Martin Lohse.

„Gesundheit und eine stabile Wirtschaft schließen sich keineswegs aus“, sagt Clemens Fuest, Ökonom und Präsident des Münchener ifo-Instituts. Beides bedinge sich vielmehr gegenseitig: „So wie eine positive wirtschaftliche Entwicklung bei unkontrollierter Ausbreitung des Virus nicht möglich ist, lässt sich auch die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitswesens ohne eine funktionierende Wirtschaft nicht aufrechterhalten“, sagt Clemens Fuest.

“Gesundheitliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Risiken berücksichtigen”

„Bei der Planung, in welchen Schritten die massiven Einschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens aufgehoben werden, müssen die Menschen im Mittelpunkt stehen. Dabei sind gesundheitliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Risiken zu berücksichtigen. Allen wird derzeit viel zugemutet. Jetzt müssen die Starken für die Schwachen da sein“, betont Christiane Woopen, Professur für Ethik und Theorie der Medizin an der Universität zu Köln.

Wichtig seien jetzt großflächige Tests, um zuverlässigere Erkenntnisse über die Ausbreitung des Erregers zu erhalten, schreiben die Wissenschaftler aus den Bereichen Innere Medizin, Infektionsforschung, Pharmakologie, Epidemiologie, Ökonomie, Verfassungsrecht, Psychologie und Ethik. Auch die Sicherung der Produktion von Schutzkleidung, Schutzmasken, Medikamenten und künftiger Impfstoffe zähle zu den vordringlichen Maßnahmen. Weiterhin empfehlen die Wissenschaftler, neue Kapazitäten zur Bewältigung der sozialen und psychischen Folgeschäden der aktuellen Maßnahmen zu schaffen.

Foto: ifo Institut

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    diese Aussagen finde ich akzeptabel. Gehöre zu der Gruppe der Selbstständigen, die nun mit Null Umsatz leben muss. Als Soloselbständiger steht mir in meinem Berufszweig auch keine Soforthilfe zu. Habe sehr viele Kollegen, denen es genauso geht. Das bedeutet für uns ein sehr grosses Opfer, was wir GERNE für die Schwachen in unserer Gesellschaft aufbringen. Aber das muss auch mal ein schnelles Ende haben. Vielleicht sollten wir diese Opfer nun auch mal umgekehrt erwarten. Es geht um 20% der Bevölkerung, die geschützt werden müssen. Und dafür bleibt 80% der Bevölkerung zuhause und müssen ihre Existenzen aufgeben, für die sie Jahrzehnte gearbeitet haben, da stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit. Es gibt Möglichkeiten diese Menschen zu schützen, indem sie das Haus nicht verlassen und den Kontakt zu anderen meiden. Man kann auch ene gewisse Eigenverantwortung voraussetzen. Es ist bekannt, dass das Gesundheitssystem überfordert ist….das hat inzwischen jeder verstanden. Die Nichtrisikogruppen könnten weiterhin die Wirtschaft zum Laufen bringen. Es stimmt zwar, dass jüngere und gesunde Menschen auch schwer erkranken und sterben können. Aber das ist doch eher unwahrscheinlich. Dann sollte sich doch nemand mehr ins Auto setzen. Da kann man auch ganz schnell sein Leben verlieren und darum kümmert sich keiner. Und Raucher machen sich auch keine Gedanken darüber, wie schnell sie krank werden können und sterben können.
    Mit freundlichem Gruss
    M. Schulze

    Kommentar von M. Schulze — 3. April 2020 @ 14:57

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