7. Februar 2020, 16:28
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Ist das Ende der Fahnenstange bei Rhodium erreicht?

Mit der enormen Preisrally bei Palladium von gut 70 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten hat das Edelmetall Gold und Silber in den Schatten gestellt. Ebenfalls um rund 70 Prozent legte Rhodium zu – allerdings in den letzten vier Wochen. Die Gründe dafür liegen in einer ungewöhnlichen Angebots- und Nachfragesituation.

Rhodium in Ist das Ende der Fahnenstange bei Rhodium erreicht?

An der Börse wird von einer Fahnenstange gesprochen, wenn der Kurs in eine massive Übertreibungsphase übergeht und nahezu senkrecht steigt. Dieses Verhalten zeigt seit einigen Wochen auch Rhodium: Seit dem Jahreswechsel legte die Aufwärtsdynamik kräftig zu, aktuell steht die Feinunze rund 70 Prozent höher und hat die Schallmauer von 10.000 Dollar überschritten. Ähnliche Niveaus wurden zuletzt kurz vor der Finanzkrise aufgerufen. Im Sommer 2008 kostete Rhodium gut 10.100 Dollar, anschließend folgte der freie Fall bis zum Jahresende auf 1.000 Dollar. Kommt es auch jetzt wieder zum Absturz?

Abgasnormen treiben die Nachfrage

Fundamental hat sich das Umfeld deutlich verändert. Rund 80 Prozent der Nachfrage entfallen auf Abgaskatalysatoren. Besonders die weltweit immer schärferen Abgasvorschriften treiben wie bei Palladium die Rally. Nicht nur in Westeuropa gelten zunehmend restriktivere Normen, auch in Asien verändert sich die Lage dramatisch. So könnte in drei Jahren in China die weltweit strikteste Abgasnorm gelten, zugleich nähert sich Indien den europäischen Vorschriften an. Setzt sich dieser Prozess fort, dürfte das weltweite Nachfragewachstum an Dynamik gewinnen.

Ewas gebremst wird die Fantasie durch eine sich abzeichnende schwächere Nachfrage aus der Industrie. Rhodium wird aufgrund seines hohen Reflexionsvermögens auch zur Beschichtung von Glas eingesetzt: So findet sich das Edelmetall in Spiegeln, Teleskopen, TV- und Computerbildschirmen sowie Glasfasern. Hier zeichnen sich aber wegen der Preisrally zunehmend Substitutionseffekte ab. So wird für die Glasfaserherstellung auf eine Legierung mit höherem Platin- und geringerem Rhodiumgehalt zurückgegriffen, wenn das Verhältnis von Rhodium zu Platin 4:1 übersteigt – aktuell sind es mehr als 8:1.

Beschränktes Angebot

Verstärkt wird der Preisanstieg durch die schwache Angebotsseite. Während weltweit rund 3.500 Tonnen Gold pro Jahr produziert werden, sind es bei Rhodium nur 25 Tonnen. Der Markt ist somit sehr klein, Reaktionen auf Verknappung wirken sich kräftig aus. Eine zügige Angebotsausweitung ist aber kaum möglich, Rhodium fällt als Nebenprodukt bei der Kupfer- und Platinerzeugung an. Zudem stammen rund 80 Prozent der Förderung aus Minen in Südafrika. Hier kommt es wegen Stromausfällen immer wieder zu Produktionsunterbrechungen. Sollte nun auch das Investoreninteresse mit einer anziehenden Nachfrage über physisch besicherte ETPs weiter steigen, würde dies die ohnehin angespannte Nachfragesituation zusätzlich befeuern.

Unter dem Strich scheint der Anstieg fundamental untermauert. Dennoch nimmt mit der Rally die Wahrscheinlichkeit einer Atempause zu. Ähnlich wie bei Palladium sollten Anleger den Automobilmarkt im Blick behalten. Dieser stellt das größte Risiko dar: Kühlt sich die Weltwirtschaft und die Nachfrage nach Fahrzeugen ab, droht die Preisrally zu kollabieren.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

bAV-Reform: Garantieverzicht – die einzige Möglichkeit auf realen Zugewinn

Das Niedrigzinsniveau dürfte durch die Coronakrise und die Geldpolitik der EZB für das gesamte Jahrzehnt zementiert sein. Vor dem Hintergrund wird auch für die betriebliche Altersvorsorgung die Möglichkeit eines vollständigen Garantieverzichts diskutiert. Wie eine bAV-Reform aussehen müsste. Von Dr. Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS).

mehr ...

Immobilien

Marc Drießen startet mit Bloxxter erste Token-Emission

Das Hamburger Start-Up Bloxxter kündigt den Start seines ersten Projekts „Städtisches Kaufhaus und Reclam-Carrée Leipzig“ an. Die Emission hat ein beachtliches Volumen und erfolgt rein digital, soll aber auch freie Finanzvermittler einbinden. Dahinter steht ein bekanntes Gesicht in der Sachwertbranche.

mehr ...

Investmentfonds

Wie Privatanleger vom Boom bei Homeoffice profitieren können

Die globale Multi-Asset-Investitionsplattform eToro startet ein neues Portfolio, das Privatanlegern ermöglichen soll, in eine Reihe von Unternehmen zu investieren, die wesentlich vom Boom “Remote Work”, also dem Arbeiten von zu Hause, profitieren.

mehr ...

Berater

Rekrutierung: “Am unternehmerischen Erfolg partizipieren”

Cash.-Interview mit Alexander Lehmann, Vorstand für Marketing und Vertrieb beim Maklerpool Fondskonzept, über erfolgreiche Methoden und Strategien bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften.

mehr ...

Sachwertanlagen

LHI Gruppe erwirbt ersten Solarpark in Dänemark

Für einen seiner Investmentfonds für Institutionelle Investoren, hat der Asset Manager LHI aus Pullach i. Isartal im Norden Jütlands, etwa drei Kilometer vor der Küste, einen Solarpark vom Entwickler European Energy A/S erworben.

mehr ...

Recht

Weiterbildungspflicht – ohne Ausreden!

Das Verwaltungsgericht Ansbach hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob der Gesellschafter-Geschäftsführer einer Maklerin in Franken absolvierte Weiterbildungszeiten nachweisen muss. Dieser hatte versucht, sich u.a. wegen eines abgeschlossenen zweiten juristischen Staatsexamens dagegen zu wehren. Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen. Ein Beitrag von Rechtsanwalt Jürgen Evers

mehr ...