20. Februar 2020, 17:04
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Mozer, Ökoworld: “Wenn die Skepsis weicht, werden die Kurse steigen“

Die Fondsboutique Ökoworld zählt zu den Pionieren der nachhaltigen Geldanlage. Cash. sprach mit Alexander Mozer, Chief Investment Officer der Ökoworld Lux S.A., über die Entwicklung des Themas in Europa und der Welt sowie über den Fonds Ökoworld Growing Markets 2.0.

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Alexander Mozer, Chief Investment Officer bei Ökoworld

War 2019 ein gutes Jahr für das Thema nachhaltiges Investieren?
Mozer: Ja, im Großen und Ganzen muss man sagen, dass es eines der ersten Jahre war, in denen das Thema der grünen Geldanlage einen sehr breiten Aufmerksamkeitskorridor hatte. Wir merken das zum einen an unseren Produkten, für die die Nachfrage stark angestiegen ist. Zum anderen stellen wir fest, dass sehr viele Kapitalanlagegesellschaften versuchen, in diesen Markt vorzudringen. Wobei die ethisch-ökologische Anlage hier häufig eher unter Marketingaspekten umgesetzt wird. Für Ökoworld ist das Thema hingegen Bestandteil der Unternehmens-DNA. Auch von der Renditeseite war 2019 ein außerordentliches Jahr für nachhaltige Investments. Trotz der volatilen Börsen und einer hohen Anzahl an irrsinnigen Tweets konnten alle unsere Kernprodukte neue Höchststände erzielen. Performancezahlen zwischen plus 20 Prozent und plus 40 Prozent sind selbst für die über viele Jahre erfolgreichen Ökoworld-Fonds eine Besonderheit.

Inwieweit haben die Klimaproteste um ihre Urheberin Greta Thunberg dazu beigetragen, dass es so gut lief?
Mozer: Jede Entwicklung braucht einen Trigger, um eine breite Masse anzusprechen. Greta hat diese Funktion übernommen und dadurch die Aufmerksamkeit für die wichtige Problematik des Klimawandels signifikant erhöht. Insofern nimmt sie eine besondere Rolle ein. Auf der anderen Seite löst eine zu starke Akzentuierung der Thematik bei vielen Menschen auch ein Phänomen aus, das in der Psychologie unter dem Begriff „Reaktanz“ bekannt ist. Das heißt, der erhobene Zeigefinger, das Verbotsdenken, mündet bei vielen Menschen in einer ablehnenden Haltung gegenüber Aktivitäten, die durchaus sinnvoll und richtig sind. Es gilt also künftig, das Thema nicht zu überreißen. Entsprechend geht es daher nicht um dogmatischen Verzicht und die komplette Verdammung unserer Konsumgesellschaft, sondern um die richtige Richtung und die Kalibrierung des individuellen Bewusstseins.

Apropos richtige Richtung: Madrid hat erneut keinen Durchbruch bezüglich Maßnahmen gegen den Klimawandel gebracht.
Mozer: Es ist eine große Herausforderung, Entscheidungen zu treffen, die alle Staaten abholen und die sie in Sachen Klimadebatte auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Das ist enorm schwierig, insbesondere vor dem Hintergrund, dass jedes Land auf dieser Erde einen sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand hat.

Angela Merkel sprach einmal von der EU der zwei Geschwindigkeiten. Brauchen wir das auch global beim Klimaschutz?
Mozer: Das ist eine Frage, die im Spannungsfeld zwischen Pragmatismus und Dogmatismus beantwortet werden muss. Meines Erachtens müsste man an die Lösung solcher Probleme, so sehr man sich dogmatisch klare Linien wünscht, pragmatisch herangehen. Dann würden sich viele Länder stärker abgeholt fühlen, eine bessere Identifizierung mit den gemeinsamen Zielen wäre die Folge. Entsprechend kommt man als Ergebnis zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Man kann das auch auf die Unternehmensebene herunterbrechen.

Als Asset Manager sind wir weltweit unterwegs, wir besuchen viele Länder, wir sehen viele Unternehmen. Wenn wir beispielsweise Unternehmen in der Schweiz besuchen, dann finden wir deutlich andere Rahmenbedingungen und auch andere Problemstellungen als bei einem Unternehmen in Indien vor. Die vorherrschenden Themen und folglich die Handlungsrichtung der Unternehmenspolitik ist daher komplett anders gelagert. Auch hier würde eine einheitliche Geschwindigkeit für umweltpolitische Ziele kontraproduktiv wirken.

Wie groß ist der Hemmschuh auf der politischen Ebene in den Schwellenländern in Sachen Maßnahmen zum Klimaschutz?
Mozer: Der Hemmschuh wirkt insofern groß, als man stets dem alten Argument begegnet: „ihr habt im Zeitalter der Industrialisierung die Umwelt, die Luft und die Flüsse zerstört. Und jetzt, wo wir (die Schwellenländer) anfangen, richtig zu wachsen, sollen wir auf einmal aufpassen und werden durch neue Umweltregularien gebremst“. Letztendlich wurden jedoch rund um den Globus die Zeichen der Zeit erkannt und viele sind sich einig, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf. Problematisch sind nach wie vor aber die gefühlten Kosten, die mit Umwelt- und folglich Klimaschutz verbunden sind.

Aus meiner Sicht ist das eine Frage der Zeit, bis verstanden wurde, dass langfristig genau das Gegenteil der Fall sein wird. Dies resultiert zum einen aus dem Druck vieler Unternehmen aus den Industrienationen, die von ihren Zulieferern umfangreiche Umweltmanagementsysteme bzw. -zertifizierungen einfordern. Zulieferer, die hier gut aufgestellt sind, bekommen die Aufträge und verdienen im Zweifel auch eine höhere Marge. Zum anderen treffen politischer Druck und Regulierungen nur Unternehmen, die nicht zukunftsfähig aufgestellt sind. Auch dies ist eine gute Nachricht für vorausschauende und verantwortungsvolle Unternehmer. Aus Börsensicht gibt es damit auch nur ein Fazit: Firmen, die heute bereits aus ethisch-ökologischer Sicht gut aufgestellt sind, wird von den Marktteilnehmern in den kommenden Jahren eine höhere Bewertung zugebilligt. Ökologie und Ökonomie gehen damit Hand in Hand. Das muss verstanden werden.

Passiert das denn in ausreichendem Maße?
Mozer: Ich war gerade auf einer Unternehmenstour in Hongkong und in Bangkok. Bemerkenswert fand ich, dass die Nachfrage nach dieser positiven Entwicklung der Ökologisierung der Wirtschaft signifikant zugenommen hat. Vorstände stellen aktuell viele Rückfragen, welche Umweltstandards vom Kapitalmarkt eingefordert werden, wie man das Unternehmen aus Governance Sicht ideal aufstellt und welche Erwartungen hinsichtlich der Ausgestaltung der Unternehmenskultur existieren. Das Gedankengut ist meines Erachtens angekommen. Selbst in Ländern wie Vietnam, die in der Entwicklung, etwa beim Thema Recycling, noch weit zurückliegen. Eine kleine Anekdote dazu: Bei einem unserer Firmenbesuche zeigte einer der Vorstände auf seinem Handy voller Stolz ein Video seiner Tochter. Das Mädchen ist in der dritten Klasse und erklärte auf dem kurzen Film, wie eine Circular Economy funktioniert und was Recycling bedeutet. Das hat mich sehr überrascht, zeigt aber auch, dass auch dort Bewegung in das Thema kommt.

Sie sind seit acht Jahren mit dem Ökoworld Growing Markets 2.0 in Schwellenländern unterwegs. Wie war die Entwicklung 2019?
Mozer: Es hat sich keiner beklagt (lacht). Von acht Jahren waren sechs sehr gut, während zwei durchschnittlich bis nicht so gut waren. Über die gesamte Zeitspanne hinweg betrachtet sind wir sehr zufrieden. In Zahlen ausgedrückt liegen wir nach Kosten bei über 30 Prozent Outperformance gegenüber dem MSCI Emerging Market. Die Idee, mit ethisch-ökologischen Investments in den Emerging Markets eine Mehrrendite zu erzielen, ist damit bisher aufgegangen. Eine Entscheidung auf eine zentrale Frage, die uns seit Auflage des Fonds beschäftigt, hat sich damit auch ausgezahlt.

Die Frage lautet: „Kann man als ethisch-ökologischer Fonds überhaupt in Länder mit repressiven Regimen investieren?“ Man kann die verständliche Meinung vertreten, dass dies generell zu vermei-den ist. Wir haben uns anders entschieden. Solange wir ein Unternehmen finden, das unseren Kriterien entspricht, müssen wir von den Rahmenbedingungen des Landes abstrahieren. Wir möchten folglich genau diese Unternehmen und die Lenker der Unternehmen unterstützen, die einen positiven Weg eingeschlagen haben. Durch unser Investment honorieren wir diesen Weg.

Was begeistert Sie im Moment besonders?
Mozer: Wir haben viele spannende Unternehmen im Fonds, die sich extrem gut entwickeln. Aktuell befinden wir uns in einer Art Idealszenario. Es drängen sich viele neue Investitionsmöglichkeiten auf. Wir tun uns allerdings sehr schwer, im Gegenzug andere Investments zu veräußern. Unsere Schwerpunkte liegen derzeit in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Versicherungen (hier speziell in Brasilien). Darüber hinaus findet man auch Unternehmen aus ganz verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Mikrofinanz, Digitalisierung, Sanitär oder Sportartikelhersteller. Speziell nach meinem Besuch in Hongkong und in Thailand war klar, dass ich mit meinem Optimismus, was die weitere wirtschaftliche Entwicklung anbelangt nicht allein bin. In Hongkong traf ich ein, als die Unruhen gerade auf dem Höhepunkt waren, das war auf der einen Seite natürlich kein besonders gutes Gefühl, aber auf der anderen Seite fand ich es beruhigend, dass die Unternehmenslenker, die ich getroffen habe, sehr optimistisch in die Zukunft geblickt haben.

Werfen wir noch einen Blick auf 2020, wie geht es weiter?
Mozer: Aus meinen Ausführungen kann man entnehmen, dass die Ampeln für die Emerging Markets auf Grün stehen, auch wenn der sich rasant verbreitende Coronavirus aktuell für Unruhe sorgt. Generell gilt: Angestoßene Reformen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine unterstützende demografische Struktur wirken in vielen Ländern langfristig positiv. Gegenüber den Unternehmen aus den Industrienationen hat sich zudem in den letzten Jahren eine starke Unterbewertung aufgebaut.

Das heißt, man hat in den Schwellenländern inzwischen die Möglichkeit, viele sehr günstig bewertete Aktien mit einem interessanten Wachstumsprofil zu finden. Daneben ist die Zinsentwicklung seit jeher ein entscheidender Parameter für Aktienmärkte. Mit meiner Meinung, dass eine Zinswende nicht unmittelbar vor der Tür steht, bin ich sicherlich nicht allein. Aus psychologischer Sicht gefällt mir auch sehr gut, dass nach wie vor eine sehr hohe Skepsis vorherrscht, was die Entwicklung der Emerging Markets anbelangt. Diese Skepsis sollte sich durch viele positive Unternehmensberichte auflösen und als Folge werden wir deutlich steigende Kurse sehen.

Interview: Frank O. Milewski, Cash.

Foto: Andreas Endermann

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