Aktienmarkt steht vor zyklischer Rotation

Foto: Oddo BHF
Laurent Denize, Oddo BHF AM

Oddo BHF Asset Management rechnet mit einer zyklischen Rotation am Aktienmarkt und hält an der Übergewichtung von europäischen und Schwellenländeraktien gegenüber US-Werten fest.

Angesichts der für die nächsten 12 bis 18 Monate geplanten Steuererhöhungen der Biden-Administration fühlt sich Laurent Denize, Global Chief Investment Officer von ODDO BHF AM fast schon an französische Verhältnisse erinnert – „Welcome to France!“, so die Überschrift des Kommentars.

Der American Jobs Plan dürfte die Unternehmenssteuern in den USA steigen lassen, da er unter anderem eine Anhebung des Steuersatzes um 21 Prozent auf 28 Prozent sowie eine höhere Mindeststeuer auf ausländische Gewinne vorsehe. Das dürfte die Unternehmensgewinne um rund 10 Prozent verringern, was angesichts der aktuell kräftigen Gewinndynamik von Anlegern noch außer Acht gelassen werde.

Welche Dämpfer bei US-Aktien drohen

Hingegen könnte die Erhöhung der Personensteuern den Aktienmärkten einen Dämpfer verpassen. So schlägt Biden im Rahmen des American Families Plan vor, den Grenzsteuersatz für Einkommen ab 400.000 US-Dollar auf 39,6 Prozent anzuheben. Ebenfalls solle die Kapitalertragssteuer von 20 auf 39,6 Prozent für Personen mit mehr als 1 Million US-Dollar Jahreseinkommen steigen. Zusammen mit der Steuer auf Anlageerträge von 3,8 Prozent, die zur Finanzierung von Obamacare dient, stiege der Gesamtsteuersatz auf Kapitalerträge für diese Gruppe von Steuerzahlern auf 43,4 Prozent. Diese Erhöhungen dürften doch erhebliche Auswirkungen haben.

Mit der im Raum stehenden Änderung der Kapitalertragssteuer läge der entsprechende Satz für Einkommensmillionäre wieder auf dem Niveau, wie es in den späten 1970er Jahren vorherrschte. „Angesichts der aktuellen Bewertung von Aktien scheint es schwer vorstellbar, dass ein solcher Vorstoß keine kurzfristige Verkaufswelle am Aktienmarkt lostreten würde, um sich die Gewinne noch zu den niedrigeren Steuersätzen zu sichern“, sagt Denize.

Dämpfer für Risikowerte?

Weitere Risiken, die das Aufwärtspotenzial von Risikowerten dämpfen könnten, wie etwa neue Virus-Varianten, eine Drosselung der Notenbankankäufe in den USA oder eine Verschärfung der Kreditbedingungen in China seien bislang nicht sehr ausgeprägt. ODDO BHF AM ist auf Sicht der nächsten sechs bis 12 Monate mit Blick auf Aktien zuversichtlich und empfiehlt Anlegern, Aktien gegenüber Anleihen weiterhin überzugewichten.

Preiswerte Sektoren vor Wachstumswerten

Im Aktienbereich zieht Oddo BHF AM unterbewertete Sektoren gegenüber Wachstumswerten vor und setzt eher auf zyklische Titel denn auf defensive Werte, sowie auf Small- und Mid-Cap-Aktien.

Zudem wird die Verkaufsposition im US-Dollar beibehalten. Regional bleibt die Übergewichtung in Nicht-US-Aktien (Europa und Schwellenländer). „Hier sehen wir Aufholpotenzial, denn die aktuell schwache Entwicklung war zu Anfang des Jahres so nicht vorauszusehen“, sagt Denize.

Weitere Rotation kommt

Er ist überzeugt, dass eine weitere (zyklische) Rotation anstehe. „Vor diesem Hintergrund bauen wir unsere Position in Banken aus und weiten hierfür den Blick, um von den – eher horizontalen denn vertikalen – Verwerfungen im Sektor zu profitieren. Zahlungsverkehr, digitale Finanzdienstleistungen, Fintech – die Verheißungen der neuen Finanzwelt dürften dieses Mal nicht in einer Enttäuschung enden.“

Die von Goldman Sachs ausgewiesene Eigenkapitalrendite von 30 Prozent liefere den Beleg, wie gut es im Bankensektor laufe. Bei einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,6 im europäischen Sektor sei noch genug Zeit, um sich dort zu positionieren.

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