Energiekrise eröffnet Chancen für erneuerbare Energien

Zu lange wurden die Energiepreise künstlich niedrig gehalten, sagt Paul Flood, Newton Investment Management. Er geht davon aus, dass sich ein höheres Preisniveau einpendeln wird. Dadurch werde der Ausbau der erneuerbaren Energien gefördert, was langfristig deren Preise senken könnte. So dürfte die Abhängigkeit von Öl und Gas als Hauptenergiequelle schwinden.

„Die Pandemie hat zu hoffnungsvollen Verhaltensänderungen in der Gesellschaft geführt. Trotzdem ist es immer noch ein schwieriger Prozess, die von Wissenschaftlern geforderten Maßnahmen für mehr Klimaschutz umzusetzen. Die Regierungen spielen eine entscheidende Rolle beim Abfedern des Preisanstiegs, wenn die Energiekosten einen zu großen Teil des Einkommens vieler Menschen ausmachen. Die Schwierigkeit liegt wie immer darin, die Balance zu finden zwischen dem, was ökologisch notwendig und dem, was in der Praxis machbar ist. Das fällt umso schwerer, wenn wir die durch die Coronapandemie stark beeinträchtigte Wirtschaft in Gang halten wollen.

Hohe Strompreise nutzen erneuerbaren Energien

Hohe Strompreise sollten Investitionen in erneuerbare Energien und die Abkehr von fossilen Brennstoffen fördern, obwohl der Ausbau von Solar- und Windenergieanlagen kurzfristig zu Schwankungen der Strompreise führen kann. Interessant ist, dass sich die Strompreise an den Gaspreisen orientieren und nicht an denen der erneuerbaren Energien.

Wenn die Regierungen weiterhin grundsätzlich eher an den bisherigen Vorschriften festhalten, laufen sie Gefahr, die Investitionen in diesem Sektor zu untergraben. Beispiel Spanien: Dort hat die Regierung Pläne ankündigt, Geld von Energieversorgungsunternehmen zurückzufordern, die selbst kein Gas verwenden, aber davon profitiert haben, dass die steigenden Gaspreise die Strompreise in die Höhe getrieben haben.1

Umgekehrt könnten Schwellenländer bei sinkenden Rohstoffpreisen am Status quo festhalten, was wiederum die Maßnahmen der Industrieländer zur Reduzierung der Kohlendioxidemissionen im Energiesektor konterkarieren könnte. Zu befürchten ist deshalb, dass die energieintensiven Industrien ihren Standort aus den Industrieländern in Entwicklungsländer verlagern. Aus diesem Grund ist die Einführung einer CO2-Steuer so wichtig.

Batteriespeicher entscheidend für stabile Stromversorgung

Im Bereich der regenerativen Energien besteht weiterhin enormer Kapitalbedarf. Wir sind davon überzeugt, dass ausgewählte Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien stabile Erträge und hohe Dividenden bieten können.

Darüber hinaus sehen wir den Sektor der Batteriespeicher als aussichtsreich an. Batteriespeicherung ist für die Durchsetzung erneuerbarer Energien von entscheidender Bedeutung, da sie zur Netzstabilität beiträgt. Um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, brauchen wir effiziente Speichermethoden für die Steuerung der Dynamik bei Angebot und Nachfrage. Dafür ist es zwingend notwendig, die entsprechende Infrastruktur zu schaffen.

Unser Fazit: Wir sind davon überzeugt, dass eine verlässliche staatliche Regulierung entscheidend für die Energiewende ist. Wir erreichen jetzt die Größenordnung, die erforderlich ist, um die Kosten für die Entwicklung erneuerbarer Energien zu senken, die nur durch privates Startkapital und staatliche Unterstützung zustande gekommen ist. Wenn sich dieser Prozess fortsetzt, wird sich wahrscheinlich eine Industrie mit niedrigeren Energiekosten entwickeln als die, die auf herkömmlichen fossilen Brennstoffen basiert.

Paul Flood ist Co-Fondsmanager des BNY Mellon Global Equity Income Fund bei Newton Investment Management – eine Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management.

Quellen 1: https://www.ft.com/content/170b34a9-7a03-4bfa-abb9-7eafe9405ff9

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