Koalitionsvertrag: Positive Signale für Kapitalmärkte

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Carsten Roemheld, Fidelity

Christian von Engelbrechten, Portfoliomanager Fidelity International & Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege Fidelity International, kommentieren den Koalitionsvertrag aus sicht der Kapitalmärkte.

Auch wenn der ganz große Wurf nicht erreicht wurde, ist der Koalitionsvertrag positiv für die deutsche Wirtschaft und Kapitalmärkte. Es ist ein gutes Zeichen, dass es relativ zügig Ergebnisse gegeben hat – trotz der sehr unterschiedlichen Parteien. Klare und schnelle Entscheidungsfindungen sind im globalen Kontext elementar. Wenn die Koalitionsverhandlungen in dieser Hinsicht ein Vorbote für die Zukunft sind, stimmt das optimistisch.

Dieser Aspekt setzt sich im Koalitionsvertrag fort: Die Ambition, Genehmigungsprozesse deutlich zu beschleunigen, ist ebenfalls ein gutes Signal. Diese Hürde zu überwinden, sollte der deutschen Wirtschaft insgesamt helfen. Deutsche Unternehmen haben das seit langem explizit gefordert.

Christian von Engelbrechten, Fidelity (Foto: Fidelity)

Weitere Punkte wie großzügigere Abschreibungsmöglichkeiten, mehr Digitalisierung, weniger Bürokratie und der Verzicht auf Steuererhöhungen sind aus Investorensicht ebenfalls positive Ergebnisse. Dass die FDP das Finanzministerium übernimmt, dürfte von den Märkten sehr positiv aufgenommen werden, da die FDP als die Koalitionspartei mit der konservativsten und solidesten Finanzpolitik wahrgenommen wird.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist nicht nur für die Umwelt vorteilhaft, sondern sollte langfristig auch dabei helfen, Deutschland unabhängiger und wettbewerbsfähiger zu machen. Nichtsdestotrotz ist es zum Erfüllen des Pariser Abkommens noch immer ein weiter Weg. Maßnahmen in Bezug auf die Energiewende werden zudem zu höheren Kosten für Staat und Bürger führen, die in dieser Größenordnung noch nicht eingepreist sind. Ob sich dieses Projekt dauerhaft nur durch Wachstum finanzieren lässt, ist mehr als fraglich. Hier werden zusätzliche Belastungen auf die Bürger zukommen. Dies wird auch dazu führen, dass die Inflationsraten künftig strukturell höher sein werden als das in den letzten zehn bis zwanzig Jahren der Fall war.

Fazit: Für die deutsche Wirtschaft und die Kapitalmärkte ist der vorgestellte Koalitionsvertrag ein positiver erster Schritt. Die künftige Regierung muss jetzt aber zügig liefern.

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