Social Bonds: Quadratur des magischen Dreiecks

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Social Bonds ermöglichen besonders konkrete nachhaltige Ergebnisse.

Social Bonds finanzieren positive gesellschaftliche Entwicklungen und machen Portfolios nachhaltiger. Und in Bezug auf Rendite, Risiko und Liquidität warten sie mit interessanten Aspekten auf.

Immer mehr Investoren versuchen sich an der Quadratur des Dreiecks – genauer gesagt des magischen Dreiecks der Vermögensanlage. Dies umfasst die klassischen Anlageziele Rendite, Risiko und Liquidität, welche miteinander in Wechselbeziehungen stehen. Zum magischen Viereck wird dieses Dreieck angesichts des Trends zu nachhaltiger Geldanlage.

Denn Investoren achten zunehmend darauf, dass Umwelt- und soziale Kriterien sowie Aspekte der Unternehmensführung (auf Englisch: Environmental, Social und Governance – kurz ESG) in ihre Anlageentscheidungen einfließen. In diesem Zusammenhang sind soziale Anleihen (Social Bonds) einen Blick wert.

Nachhaltige Ziele in Emissionsbedingungen fixierbar

Social Bonds ermöglichen besonders konkrete nachhaltige Ergebnisse. Denn anders als bei Aktien lässt sich in den Emissionsbedingungen von Bonds festschreiben, wie das aufgenommene Fremdkapital eingesetzt werden darf. So haben sich in den vergangenen Jahren grüne Anleihen mit Fokus auf Umweltprojekten, soziale Emissionen mit Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Entwicklungen und nachhaltige Papiere als Mischform aus grünen und sozialen Anleihen am Markt etabliert.

Entsprechende Papiere lassen sich zusammenfassend als Bonds mit spezifischer Verwendung der Emissionserlöse definieren. Die Emissionserlöse solcher Anleihen fließen ausschließlich in vorab festgelegte Umwelt-, Sozial- oder – als Mischform aus beidem – Nachhaltigkeitsprojekte, die wünschenswerte Entwicklungen im Einklang mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (UN SDGs) fördern. Dazu zählen unter anderem bezahlbarer Wohnraum, Zugang zu Bildung und Beschäftigung, zu Gesundheitsversorgung und Pflege, Transport und Kommunikation. Zu den Emittenten gehören öffentliche Institutionen wie Kommunen, Bundesländer, Staaten und supranationale Organisationen sowie Unter- nehmen.

Angesichts des allgemeinen Trends hin zu nachhaltiger Geldanlage ist der Markt für grüne, soziale und nachhaltige Anleihen in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. So beläuft sich das aufsummierte Emissionsvolumen mittlerweile auf über 1,3 Billionen Dollar. Und das Momentum legt weiter zu: Von Anfang Januar bis Ende Dezember 2020 kamen entsprechende Papiere im Volumen von 512 Milliarden Dollar auf den Markt, im Vergleichszeitraum 2019 waren es nur 304 Milliarden Dollar gewesen.

Das entspricht einem Anstieg um 68 Prozent binnen eines Jahres. Ein positives Signal war das breite Spektrum der Emittenten. Zum Beispiel haben auch erstmals Autohersteller wie Volkswagen, Daimler und Volvo grüne Anleihen begeben, um mit den Erlösen daraus die Energiewende voranzutreiben.

788 Prozent Anstieg beim Emissionsvolumen

Bislang haben die Emittenten Anleihen mit spezifischer Verwendung der Emissionserlöse vor allem zur Finanzierung von Umweltprojekten begeben. Nun setzt die Corona-Pandemie zusätzliche Impulse, um die Emissionstätigkeit von grünen auf soziale und nachhaltige Anleihen auszuweiten.

Schließlich gilt es aufgrund der Pandemie, eine Reihe gesellschaftlicher Herausforderungen zu meistern – von gesundheitlicher Versorgung über finanzielle Hilfen für Mittelständler und Privathaushalte bis hin zur Schaffung einer zukunftsfähigen Infrastruktur. So belief sich das Emissionsvolumen sozialer Anleihen von Anfang Januar bis Ende Dezember 2020 auf 160 Milliarden Dollar. Das bedeutet einen Zuwachs von 788 Prozent gegenüber den 18 Milliarden Dollar im gleichen Zeitraum 2019. Davon dienen soziale und nachhaltige Anleihen im Volumen von gut 100 Milliarden Dollar Zwecken mit spezifischem Corona-Bezug.

Hier zeigt sich der klare Zusammenhang mit der Pandemie. Aufgrund des starken Wachstums steigt der Anteil von Social Bonds am Gesamtmarkt für Anleihen mit spezifischer Verwendung der Emissionserlöse: Ende 2020 lag er bei rund 50 Prozent, Ende März 2020 waren es noch ca. 80 Prozent gewesen.

Zu den großen Emittenten sozialer Anleihen gehörten in den vergangenen Monaten unter anderem die Council of Europe Development Bank und die European Investment Bank (EIB), deren Social Bonds im April 2020 auf den Markt kamen. Diese Emissionen hatten große Volumina von jeweils einer Milliarde Euro, und dennoch waren sie wegen der großen Nachfrage um ein Vielfaches überzeichnet.

Einige Emittenten, die schon seit längerem am Markt für soziale Anleihen aktiv sind, gehen nun mit deutlich größeren Emissionen den nächsten Schritt: Die International Finance Corporation (IFC) beispielsweise legt seit 2017 soziale Anleihen auf, wobei sich der Ausgabewert der 28 Anleihen bis zum 31. Dezember 2019 auf 1,46 Milliarden Dollar belief. Das im April 2020 emittierte Papier hatte indessen einen Emissionswert von einer Milliarde Dollar, womit die IFC ihren Bestand an sozialen Anleihen auf einen Schlag fast verdoppelte.

Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend hin zu einer verstärkten Emission sozialer Anleihen während und nach der Corona-Pandemie fortsetzen sollte. Denn um die vielfältigen und umfangreichen Herausforderungen zu meistern, sind zusätzliche Emissionen notwendig.

Orientierung an internationalen Emissions-Standards

Die jüngeren Emissionen entsprechen im Wesentlichen den von der internationalen Vereinigung der Kapitalmarktexperten ICMA festgelegten Green und Social Bond Principles. Die ICMA hatte diese Selbstverpflichtungsregeln für grüne Anleihen 2016 und für soziale Anleihen 2017 veröffentlicht. Damit verfolgte sie das Ziel, gewisse Marktstandards zu etablieren – etwa für die Auswahl geeigneter Projekte, für die Mittelverwendung und Reportings – und damit das Wachstum grüner und sozialer Anleihen zu fördern.

Die zunehmende Emissionstätigkeit und der wachsende Markt für Social Bonds sind nicht nur aus gesellschaftlicher Sicht zu begrüßen. Auch Investoren profitieren davon, indem ihr verfügbares Anlageuniversum wächst. Der Wermutstropfen dabei: So interessant Social Bonds sind, so schwierig sind sie trotz des wachsenden Marktes zu finden. Denn sie sind nicht immer auf Anhieb zu erkennen, etwa anhand ihrer Bezeichnung. Daher bedarf es einer umfassenden Marktkenntnis und Analyse sowie des Zugangs zu den entsprechenden Emittenten.

Wer nicht über die erforderlichen Ressourcen verfügt, kann einen Blick auf Investmentfonds mit Fokus auf Social Bonds werfen. Das steigende Interesse der Investoren dürfte dazu führen, dass vermehrt entsprechende Anlagestrategien auf den Markt kommen.

Bei Social Bond-Fonds auf fünf Kriterien achten

Bei der Auswahl geeigneter Strategien sollten Investoren unserer Ansicht nach vor allem auf fünf Kriterien achten: 1. mehrjährige Erfahrung des Anbieters im Management von Social Bond-Portfolios; 2. Zusammenarbeit des Anbieters mit unab- hängigen externen Experten wie etwa der Pariser Gesellschaft INCO; 3. breites Anlageuniversum einschließlich staatlicher, supranationaler und privatwirtschaftlicher Emittenten; 4. Akkreditierung durch unabhängige Prüfinstanzen wie zum Beispiel LuxFLAG aus Luxemburg und 5. regelmäßige Berichte zum konkreten gesellschaftlichen Nutzen der Investments im Portfolio.

Investoren, die diese Kriterien im Auge behalten, können mit Social Bonds doppelt profitieren: zum einen durch die finanzielle Rendite, die sie erzielen. Zum anderen durch den gesellschaftlichen Nutzen, den sie stiften. So ermöglichen Social Bonds die Quadratur des magischen Dreiecks.

Autoren sind Simon Bond, Director of Responsible Investment Portfolio Management bei Columbia Threadneedle Investments, und Benjamin Kelly, Senior Analyst im Global Research bei Columbia Threadneedle Investments

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