Studie: Junge Leute wollen mehr Nachhaltigkeit bei ihrer Geldanlage

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Der aktuelle Deutsche Geldanlage-Index zeigt: Das Stimmungsbild in Deutschland in Bezug auf Aktien trotzt der Corona-Krise. In den Umfragen des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) äußerst die Mehrheit der Befragten eine positive Einstellung, wenn es um die langfristige Geldanlage in Aktien, Fonds und aktienbasierte Lebens- und Rentenversicherungen geht. Im bundesweiten Durchschnitt geht der Index nur leicht von 44,2 im Sommer auf immer noch solide 41,1 zurück.

„Aktienmuffel sind in der Minderheit“, erläutert Professor Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA, die aktuellen Zahlen. Zwar bewege sich die Quote der Besitzer von Aktien und aktienbasierten Anlagen auf unter 20 Prozent und damit im internationalen Vergleich auf recht niedrigem Niveau. Aber es tue sich etwas. Die DIVA-Umfragen bestätigten, was Banken, Fondsgesellschaften und Vermögensberater seit Monaten vermehrt berichten: Insbesondere jüngere Menschen drängen verstärkt an die Aktienmärkte. „Das ist nicht Corona“, so Heuser, „diese junge Lust auf Börse, insbesondere auf Aktienfonds, ist längerfristig. Wir sehen einen Einstellungswandel, der anhalten wird.“

Die jungen Leute geben mit ihrem Engagement auch dem Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage Schwung. Schon heute meint mehr als die Hälfte der Bürger, man kann die Wirtschaft sauberer, fairer und anständiger machen, wenn man bei seiner Geldanlage ökologische, soziale und ethische Belange berücksichtigt. Bei konkreten Anlageentscheidungen spielt das aber nach den DIVA-Umfragen eine untergeordnete Rolle. „Mit dem Einzug der Jungen an den Börsen“, vermutet Wissenschaftler Heuser, „wird nachhaltiges Investieren zunehmend Relevanz erhalten.“

Noch ist der Begriff der Nachhaltigkeit recht diffus. Die Finanzmärkte sind weit davon entfernt, sich auf ein gültiges und messbares Konzept zu verständigen. Und auch die EU tut sich mit aktuellen Bemühungen schwer, zu mehr Klarheit und Transparenz beizutragen. DIVA-Leiter Heuser: „Zu beurteilen, ob ein Aktienfonds mit 50 oder 100 Einzelaktien insgesamt nachhaltig ist, ist ein kompliziertes Unterfangen. Jede und jeder hat eigene Vorstellungen.“ Zudem sei viel „Greenwashing“ auf dem Markt unterwegs, also willkürliche, eigennützige Definitionen von Nachhaltigkeit.

Doch der gesellschaftliche Einstellungswandel sei „ein steter Tropfen“. Der aktuelle Deutsche Geldanlage-Index zeige, dass die Menschen vermehrt die Aktienmärkte für den eigenen Vermögensaufbau und die langfristige Altersabsicherung nutzen und sich vernünftig am Zukunftspotential der Volkswirtschaft beteiligen wollten. Zugleich würde gerade den jungen Anlegern wichtig, über die Börse realen Einfluss auf die Werte und Entwicklung der Volkswirtschaft zu nehmen. „Das ist alles sehr ermutigend für eine moderne Aktienkultur in Deutschland“, so das Resümee von DIVA-Chef Heuser. 

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