„Die britische Regierung verliert die Kontrolle über ihre Wachstumsagenda“

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Die Bank of England hat am Freitag die Zinsen um 50 Basispunkte angehoben. Das Pfund ist auf ein historisches Tief abgestürzt und die Renditen für britische Staatsanleihen sind stark gestiegen. „Die Regierung verliert die Kontrolle über ihre Wachstumsagenda“ kommentiert Thilo Wolf, Deutschland-Chef von BNY Mellon Investment Management.

„Die Regierung scheint auf den Finanzmärkten die Kontrolle über ihre Wachstumspläne zu verlieren. Der Schatzkanzler wird deutlich mehr Kredite aufnehmen, als er in Form von Steuersenkungen, Energiesubventionen und höheren Verteidigungsausgaben angekündigt hat, ohne den Märkten einen Rahmen zu geben, wie er die künftig höheren Schuldenstände stabilisieren will. Als Reaktion darauf haben die Finanzmärkte das Pfund Sterling und britische Staatsanleihen abgestoßen. Dies bedeutet höhere Kreditkosten für die Industrie und einen stärkeren Inflationsdruck durch das schwächere Pfund. Kurzfristig werden diese Faktoren die Auswirkungen von Steuersenkungen und etwaigen angebotsseitigen Reformen überlagern.

Auch die Bank of England wird die Zinsen wahrscheinlich stärker anheben als bisher erwartet. Trotz der negativen Reaktion der Märkte auf den Haushalt scheint es für die Regierung kaum eine andere Möglichkeit zu geben, als den Sturm abzuwarten und zu hoffen, dass die Bank of England eine geldpolitische Antwort geben kann, die die Märkte beruhigt.

Es ist möglich, dass sich die Märkte stabilisieren, nachdem das Pfund Sterling und die Staatsanleihen sehr stark gefallen sind. Britische Aktien sind nun im Vergleich zu früher sehr niedrig bewertet. Mehr als 40 Prozent des FTSE 100 sind in Übersee notiert – das sollte einen gewissen Schutz vor einem schwachen Pfund bieten, während die Gaspreise, einer der Hauptauslöser der Krise, stark gefallen sind.

Schließlich gibt die Energiepreisobergrenze dem Verbraucher mehr Sicherheit bei den Ausgaben für Brennstoff. Viel Negatives ist bereits eingepreist; für Panik ist es jetzt schon zu spät, für Optimismus dagegen wohl noch zu früh.“

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