Chartismus: Voodoo oder Entscheidungshilfe aus Erfahrung?

Die Maschmeyer-Kolumne

Der ehemalige Vorstand und Gründer des Finanzdienstleisters AWD Carsten Maschmeyer befasst sich als cash-online-Kolumnist künftig mit aktuellen Trends in der Finanzdienstleistungsbranche. Zum Start will er zeigen, wann der richtige Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf von Aktien da ist.

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In den letzten zwei Jahren ist an den Aktienmärkten viel Geld umverteilt worden. So stürzte der Dax von seinem Hoch von gut 7.200 Punkten im Mai des Jahres 2008 innerhalb eines Dreivierteljahres um rund 50 Prozent ab, um im Gegenzug von gut 3.600 Punkten im März 2009 mittlerweile wieder um rund 60 Prozent zuzulegen. Wer also zum richtigen Zeitpunkt aus- beziehungsweise eingestiegen ist, müsste reich geworden sein.

Doch wie erkennt man den richtigen Zeitpunkt zum Kauf- oder Verkauf von Aktien?

Bei einer Antwort auf diese Frage stehen sich zwei Schulen – scheinbar – unversöhnlich gegenüber. Die Fundamentalanalyse und die Chartanalyse. Die Fundamentalisten wollen aus klaren Unternehmensinformationen, wie der Ertragssituation, der Marktposition und den makroökonomische Rahmenbedingungen die richtigen Kauf- und Verkaufszeitpunkte bestimmen. Die strenge Chartanalyse dagegen ignoriert diese Fakten und glaubt, die richtigen Kauf- und Verkaufssignale allein aus dem Kursverlauf ablesen zu können. Dabei haben die Vertreter dieser Schule den Kursbildern so schöne Namen gegeben, wie Schulter-Kopf-Formation, Doji oder doppelter Boden. Von strengen Fundamentalisten wird dies – nicht selten etwas vorschnell – als Hokuspokus abgetan.

Dem Hokuspokus-Vorwurf  halten die Chartisten entgegen, dass die diesem Konzept zugrunde liegenden Muster aus dem empirisch beobachteten Verhalten der Marktteilnehmer – nämlich den historischen Preisentwicklungen – abgeleitet sind. Und zum anderen – so eine weitere Republik – würde man nicht bestreiten können, dass Gerüchte den Kurs einer Aktie in eine andere Richtung treiben könnten, als die, in die die Fundamentaldaten zeigen. Ein Gerücht – unabhängig von „objektiven“ Befunden – kann Kurse in den Keller treiben. Schon ein lateinisches Sprichwort sagt: audacter calumniare, semper aliquid haeret (Nur keck verleumdet, etwas bleibt immer hängen).

Zurück zu der Kursentwicklung des Dax innerhalb der letzten zwölf Monate. Aktuell steht dieser Index bei etwa 5.800 Punkten und vor einem Jahr lag er bei 3.600. Das Verhältnis aus beiden Werten ist 1,6111… . Dem Laien sagt diese Zahl nichts. Die Anhänger der Elliot-Wellentheorie – einer Basis aller Chartanalysen – werden aber leuchtende Augen bekommen, da diese Zahl sehr nahe an 1,618… einem der grundlegenden Werte in dieser Theorie liegt. Zudem 1,618…  ist nämlich das Verhältnis des goldenen Schnitts, eben jenes Verhältnis, das die Menschheit seit jeher als besonders harmonisch betrachtet. Blicken wir nur auf die Pyramiden von Gizeh oder das Abendmahl Leonardo da Vincis.

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