DIW: Deutsche Wirtschaft wächst dank Flüchtlingen

Die deutsche Wirtschaft wird nach der jüngsten Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ihren Aufwärtstrend voraussichtlich auch in den kommenden beiden Jahren fortsetzen.

Marcel Fratzscher, DIW, erwartet in 2016 eine stabile Konjunktur.

Demzufolge dürfte das Bruttoinlandsprodukt nach einem Anstieg um 1,7 Prozent in diesem Jahr auch im kommenden Jahr um diesen Wert wachsen. Für das Jahr 2017 ist mit 1,5 Prozent etwas weniger zu erwarten – allerdings nur deshalb, weil die Zahl der Arbeitstage aufgrund der Lage der Feiertage geringer ausfällt.

Privater Konsum schiebt Konjunktur an

In erster Linie ist es die Inlandsnachfrage, die die deutsche Wirtschaft anschiebt. Der private Verbrauch trägt maßgeblich zum Wachstum bei, allerdings zu einem Teil bedingt durch Sondereffekte wie dem gesunkenen Ölpreis. Auch haben Ausgaben des Staates – unter anderem für Transferleistungen und Sprachkurse – für die Asylsuchenden zugenommen, die sich im Aggregat des privaten Konsums niederschlagen. Sieht man von solchen Sondereffekten ab, ist die Dynamik des privaten Konsums nicht wirklich kräftig. Von der durch die Migration angestoßenen Nachfrage profitiert auch die Bauwirtschaft, etwa weil vielerorts dringend Wohnungen benötigt werden.

Staatsausgaben steigen durch Asylsuchende

Das DIW Berlin geht unter Berücksichtigung verschiedenster Annahmen – etwa hinsichtlich der Zahl der Asylsuchenden, der Bearbeitungsdauer der Anträge, der Anerkennungsquote und der Erwerbsquote – davon aus, dass die Bruttoausgaben des Staates in Zusammenhang mit den Asylsuchenden in diesem Jahr bei knapp sechs Milliarden Euro und in den kommenden beiden Jahren bei knapp 15 beziehungsweise 17 Milliarden Euro liegen werden. Diesen Ausgaben werden – gleichwohl noch schwerer quantifizierbare – Mehreinnahmen gegenüberstehen, etwa bei der Mehrwert- und Lohnsteuer oder bei den Sozialbeiträgen. Unter dem Strich dürften die öffentlichen Haushalte auch in den kommenden beiden Jahren mit einem Überschuss abschließen, wenngleich dieser über die Zeit geringer wird.

Ausgaben für Flüchtlinge sind massives Konjunkturprogramm

„Die Ausgaben für Geflüchtete werden in den kommenden beiden Jahren wie ein massives Konjunkturprogramm wirken, vergleichbar mit dem während der globalen Finanzkrise in den Jahren 2009 und 2010. Ohne den Stimulus der Ausgaben für Geflüchtete in Höhe von 15 bis 17 Milliarden Euro jährlich, oder 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, würde das Wirtschaftswachstum in den nächsten beiden Jahren deutlich geringer ausfallen. Die größte Schwäche der deutschen Konjunktur sind die niedrigen öffentlichen und privaten Investitionen, die nahe ihres historischen Tiefpunkts verharren, trotz einer dynamischen privaten Konsumnachfrage. Die Politik darf die dringend notwendige Verbesserung der Rahmenbedingungen für Investitionen nicht aus den Augen verlieren“, so Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin. (fm)

Foto: Bettina Volke

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