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22. Oktober 2015, 09:01
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Sal. Oppenheim: “Draghis Instrumentenkasten”

Im Vorfeld der EZB-Sitzung äußert sich Dr. Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, zu den Optionen von Notenbank-Chef Mario Draghi.

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Dr. Martin Moryson, Sal. Oppenheim

Seit März dieses Jahres kauft die EZB monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro, um die Inflation in der Eurozone wieder an die Zwei-Prozent-Marke heranzuführen. Bisher ist ihr das nicht gelungen. Kein Wunder: Zum einen ist die Zeit dafür schlicht zu kurz, zum anderen verhindern derzeit auch externe Einflüsse einen Anstieg der Inflationsrate.

Zinsen faktisch bis 2017 bei null Prozent

Monetäre Impulse übertragen sich über verschiedene Kanäle in die Realwirtschaft. Die Quantitative Lockerung der EZB dürfte vor allem über den Wechselkurseffekt und den Erwartungseffekt wirken. So sollte der geschwächte Euro dafür sorgen, dass Produkte aus dem Euroraum billiger angeboten und somit mehr nachgefragt werden. Die Aussicht auf bis zum September 2016 andauernde Käufe von Staatsanleihen sollte den Marktakteuren klarmachen, dass die Zinsen mindestens bis 2017 faktisch bei null und Investitionen attraktiv bleiben. Gerade der zweite Kanal zeichnet sich durch sehr lange Übertragungswege aus. Von daher sollte es niemanden wundern, wenn die Inflationsraten noch nicht wieder da sind, wo sie nach Meinung der EZB sein sollten.

Die Unsicherheit, die von der Entwicklung in vielen Schwellenländern – nicht zuletzt China – ausgeht, und das extrem billige Öl wirken dämpfend auf die Preisentwicklung. Beides sind Faktoren, die sich nicht von der EZB beeinflussen lassen und die nur vorübergehend wirken. So ist die Kernrate der Inflation, also ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise, erfreulich stabil.

Auch wenn man also zu der Überzeugung gelangen kann, dass derzeit Abwarten eine gute Strategie ist, so muss man doch bedenken, dass Mario Draghi bei der letzten Pressekonferenz die Tür für weitere Lockerungsmaßnahmen sperrangelweit aufgestoßen hat. Und: Bislang hat er die Märkte immer zu überraschen gewusst.

Welche Optionen hat also die EZB? Sie kann zunächst einmal den Umfang der monatlichen Käufe erhöhen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, weil sie bei den Staatsanleihekäufen in bestimmten Ländern dann auch schneller an die Grenzen des Umsetzbaren stößt. Im Grunde würde eine signifikante Erhöhung des monatlichen Volumens auch eine Ausweitung des Programms auf andere Assetklassen bedingen. Käufe von Unternehmensanleihen und Aktien wären dann der nächste Schritt. Allerdings wäre dies auch ein beunruhigendes Signal, das die EZB so nicht wird aussenden wollen.

Verlängerung des Anleihekaufprogramms im Dezember?

Die dritte Möglichkeit besteht darin, bereits in diesem Jahr eine deutliche Verlängerung des Programms über den September 2016 hinaus anzukündigen. Die zeitliche Streckung würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Inflationsrate während der Laufzeit des Programms anzieht. Wir halten es vor diesem Hintergrund für die wahrscheinlichste Variante, dass die EZB auf dieser Sitzung noch abwarten, aber bereits im Dezember eine Verlängerung in Aussicht stellen wird.

Foto: Sal. Oppenheim

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