21. Juni 2019, 06:59
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Folgen des Handelskriegs zwischen den USA und China lesen sich wie die Zutaten für einen Krimi

„Gift für die Konjunktur, eine voraussichtlich notwendige Unterwerfung Europas und Waffenstillstand zwischen den Parteien als bestmögliches Ergebnis, das man derzeit erwarten kann“, analysiert Dr. Manfred Schlumberger, Vorstand und Leiter Portfoliomanagement der StarCapital AG, in seinem Kommentar die weltwirtschaftspolitische Situation.

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 „Obwohl der Handel zwischen den USA und China weniger als ein Prozent des globalen BIP ausmacht, sind die ökonomischen Folgen des Handelskriegs bereits spürbar.“ Der Experte sieht vier Belege dafür:

Die gestiegenen Zölle für chinesische Importe schlagen sich in den USA bereits in anziehenden Einfuhrpreisen nieder und belasten die amerikanischen Konsumenten. Unsicherheit und schlechte Stimmung sind Gift für die Konjunktur – das zarte Pflänzchen des Aufschwungs droht weltweit zertreten zu werden.

Der Welthandel bricht weiter ein, die Investitionstätigkeit lässt global wieder nach. Die Frühindikatoren für das verarbeitende Gewerbe zeigen in Europa, Japan und China eine Fortsetzung des Abschwungs an. Damit steigt die globale Rezessionsgefahr.

Um die negativen Effekte der Zölle abzumildern, lässt die chinesische Führung ihre Währung geordnet abwerten. Das hat den US-Dollar in den letzten Wochen gestärkt und viele Schwellenländerwährungen geschwächt. Die Zölle zwingen multinationale Unternehmen, ihre globalen Lieferketten neu aufzusetzen und viele Investitionen abzuschreiben.

Unterwerfung Europas nur eine Frage der Zeit?

Dr. Schlumberger ist überzeugt: „Der globale Wettkampf lässt sich nicht mit einem ‚Deal‘ beenden, sondern wird uns über die nächsten Jahrzehnte erhalten bleiben.“ Ein anhaltender „kalter Wirtschaftskrieg“ werde die Weltwirtschaft in Blöcke spalten, vermutlich in eine asiatische und eine westliche Zone mit jeweils eigenen Wertschöpfungsketten. Und weiter:

„Europa ist zu schwach, um sich eigenständig behaupten zu können, und muss sich den USA unterwerfen, um nicht zerrieben zu werden. Das bisherige Exportmodell Deutschlands, das sehr stark auf den Chinahandel ausgerichtet ist, wird sich kaum behaupten können. Europa insgesamt droht eine ‚ökonomische Disruption‘.“

Waffenstillstand: eine erstrebenswerte Atempause für Europa?

Kurzfristig dürfte der wirtschaftliche Schaden des Handelskriegs für China größer sein als für die USA. Langfristig sieht Dr. Schlumberger die autokratische Führung Chinas im Vorteil: „Sie kann ihrer Bevölkerung unter dem Deckmantel patriotischer Propaganda leichter ökonomische Opfer abverlangen. Trump muss seine Wiederwahl im Herbst 2020 im Auge haben, die ihm in einem rezessiven Umfeld nicht gelingen wird.“

Deshalb steige gegen Ende des Jahres der Druck auf den US-amerikanischen Präsidenten. Und weiter: „Für das voraussichtliche Trump-Xi-Treffen auf dem G20-Gipfel in Osaka Ende Juni erwarte ich bestenfalls eine erneute Aufnahme von Verhandlungen einhergehend mit einem Waffenstillstand für 3 bis 6 Monate.“

Dies käme Europa zugute, da Trump Mehrfrontenkriege scheue und sich Europa bzw. die deutsche Automobilindustrie erst nach einem Deal mit China vornehme. „In dieser Auseinandersetzung sind Trumps Erfolgschancen ungleich größer“, befürchtet Dr. Schlumberger.

Aktienmarkt ohne Alternative?

Die Leitzinssenkungen in den USA sollten den US-Dollar etwas abschwächen und so die Kapitalmärkte der Schwellenländer stützen. Europa könnte von seinem aktuellen Schattendasein im Handelskrieg relativ weiter profitieren. „Die US-Zinsen bleiben im Abwärtstrend, sodass uns die Alternativlosigkeit von Aktieninvestments erhalten bleibt.

Im Spannungsfeld schwacher Unternehmensgewinne und extrem niedriger Zinsen sollten die Aktienmärkte ihre breite Seitwärtsbewegung der letzten zweieinhalb Jahre fortsetzen“, erwartet der StarCapital-Experte. Das Rezessionsrisiko habe jedoch vor dem Hintergrund des Handelskriegs deutlich zugenommen: „Kommt es zu einer globalen Rezession, wovon wir aktuell nicht ausgehen, muss realistischerweise von heftigen Einbrüchen an den Aktienmärkten ausgegangen werden.“

 

Foto: Shutterstock

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