19. September 2019, 12:56
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Sozialkreditsystem für Unternehmen in China – Wahrheit und Mythos

Die EU- und die Deutsche Handelskammer haben Alarm geschlagen: 2020 führt China ein landesweites Rating für Unternehmen ein und die Mehrheit deutscher und europäischer Firmen ist nicht vorbereitet. Was sollten Unternehmen in China über das neue System wissen und wie können sie vorsorgen? Ein Kommentar von Dr. Falk Lichtenstein, Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS in Peking.

China in Sozialkreditsystem für Unternehmen in China – Wahrheit und Mythos

China will Unternehmen, ähnlich wie seine Bevölkerung, nach einem Punktesystem bewerten. Das Sozialkreditsystem für Unternehmen soll bis 2020 landesweit eingeführt und nach und nach ausgebaut werden. Ein schlechtes Rating kann für Unternehmen gravierende Folgen haben. Niedrige Punktzahlen wirken sich negativ auf Genehmigungen, Kreditbedingungen, den Marktzugang und öffentliche Beschaffungsmöglichkeiten aus.

Schwarze Schafe im Visier der Regierung

Hintergrund ist, dass der Wirtschaftsverkehr in China durch ein hohes Maß an Misstrauen geprägt ist. Der chinesischen Regierung sind schwarze Schafe ein Dorn im Auge. Sie will das Vertrauen der Marktteilnehmer untereinander wiederherstellen.

Dazu setzt sie jedoch nicht primär darauf, dass ein Ausbau des Rechtsstaats und eine Stärkung der Gerichte die Probleme lösen, sondern geht neue Wege: mit einem allumfassenden, technisierten, Big-Data-gestützten Bewertungssystem für Unternehmen.

Sozialkreditsystem betrifft alle Unternehmen in China

Das Sozialkreditsystem gilt für alle Unternehmen mit Sitz in der Volksrepublik China, also auch Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen. Jedes Unternehmen erhält ein Rating nach Punkten.

Dafür werden praktisch alle Geschäftsaktivitäten herangezogen, wie zum Beispiel Forschung und Entwicklung, Produktqualität, Arbeitsschutz, Verbraucherschutz, Umweltschutz, Devisenkontrolle, Steuer und Zoll, E-Commerce, Wettbewerbsverhalten, Public Relations und Datentransfer.

Die Anzahl der herangezogenen Kriterien und Parameter unterscheidet sich nach Größe und Branche des Unternehmens. So werden beispielsweise bei einem Produktionsunternehmen in der Chemiebranche mehr berücksichtigt als bei einem Handelsunternehmen für Gartenmöbel.

Die Informationen stammen aus verschiedenen Quellen: von Daten, die von den Unternehmen an die Behörden gemeldet werden müssen, über Daten, die die Behörden selbst ermitteln, bis zu Daten, die von kommerziellen Ratingagenturen und E-Commerce-Plattformen gesammelt wurden. Umfang und Einfluss der von Agenturen und Plattformen herangezogenen Daten sind noch unklar.

Schwammige Kriterien wie „Schädigung nationaler Interessen“

Künftig sollen auch schwammige Kriterien das Rating beeinflussen. Dazu zählt neben dem seit jeher dehnbaren Begriff der „Schädigung nationaler Interessen“ etwa negative Publicity über das Unternehmen in chinesischen Medien, einschließlich Social Media. Auch die Bewertung von Geschäftspartnern eines Unternehmens wird Einfluss auf dessen eigenes Rating haben.

Dahinter steht die Idee, dass andere Marktteilnehmer die schwarzen Schafe meiden. Das Bewertungssystem hätte so einen selbstvollziehenden Charakter. Das System bewertet auch die Aktivitäten chinesischer Unternehmen im Ausland, etwa bei Outbound-Investitionen oder im Außenhandel. Die Aktivitäten ausländischer Unternehmen außerhalb Chinas scheinen dagegen auf absehbare Zeit nicht erfasst zu werden.

 

Seite 2: Was Big Data möglich macht

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Rentner bekommen ab nächstem Monat mehr Geld

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland bekommen ab Juli mehr Geld. Der Bundesrat hat am Freitag in Berlin der entsprechenden Verordnung der Bundesregierung zugestimmt. Demnach steigen im Zuge der jährlichen Rentenanpassung die Bezüge im Osten um 4,2 und im Westen um 3,45 Prozent. Die Ost-Renten nähern sich damit weiter den West-Bezügen an.

mehr ...

Immobilien

Marc Drießen wird Aufsichtsrat bei Corestate

Der Immobilien und Investment Manager Corestate Capital Holding S.A. hat auf seiner Online-Hauptversammlung wie angekündigt den Aufsichtsrat neu besetzt. Eines der neuen Mitglieder ist ein langjährig bekanntes Gesicht aus der Sachwertbranche. Außerdem: Die Dividende fällt aus.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Wirtschaft holt nach tiefer Rezession wieder auf

Nach der tiefen Rezession im zweiten Quartal dieses Jahres wird sich die deutsche Wirtschaft gemäß den aktuellen Bundesbank-Projektionen wieder erholen. Wie weit es runter geht und wann die Erholung in welchem Umfang wieder einsetzt.

mehr ...

Berater

Neues STO: Mit der Blockchain nach Mallorca

Die Palmtrip GmbH aus Rabenau (bei Gießen) hat die Billigung für eine tokenbasierte Schuldverschreibung von der Finanzaufsicht (BaFin) erhalten, also für ein digitales Wertpapier. Auch rechtlich betritt das Unternehmen mit den “Palm Token” Neuland – und hat dabei einen prominenten Berater.

mehr ...

Sachwertanlagen

Gezeitenkraft-Vermögensanlage von Reconcept platziert

Die als operative KG-Beteiligung konzipierte Vermögensanlage “RE13 Meeresenergie Bay of Fundy” der Reconcept aus Hamburg hat das angestrebte Platzierungsvolumen erreicht und wurde für weitere Investoren geschlossen. Das Geld fließt in schwimmende Gezeitenkraftwerke vor der Küste Kanadas.

mehr ...

Recht

Corona-Krise treibt Nachfrage nach telefonischer Rechtsberatung in die Höhe

Noch nie haben sich so viele Kunden innerhalb kürzester Zeit bei Rechtsfragen an ihren Rechtsschutzversicherer gewandt, wie in den Wochen der Corona-Krise. Im März und April konnte Versicherten in knapp 285.000 anwaltlichen Telefonberatungen geholfen werden. In normalen Monaten sind es etwa 115.000. Das zeigt eine Sonderauswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

mehr ...