Unternehmer in der Coronapandemie: Es droht ein nachhaltiger Aderlass

Dr. Patrick Dahmen ist Vorstandsvorsitzender der HDI Lebensversicherung AG

Jeder dritte Unternehmensgründer gibt wegen Corona-Krise seine Pläne auf, fast zwei Drittel (64 Prozent) der Selbständigen sagen voraus, dass es durch die Corona-Zeit zu einer Pleitewelle in Deutschland kommen wird. Und jeder sechste der heute Selbständigen möchte lieber in ein Angestelltenverhältnis wechseln, wenn es die Möglichkeit dazu gibt. Eine Sonderanalyse im Rahmen der bundesweit repräsentativen HDI Berufe-Studie 2020 zeigt jetzt, welche Folgen die Pandemie für Selbstständige und Unternehmer haben dürfte.

Die Langzeitfolgen der Coronapandemie lassen sich derzeit schwer abschätzen, doch es mehren sich die Befürchtungen, dass nach der Corona-Krise ein nachhaltiger Aderlass an selbständigen Unternehmern und Freiberuflern droht.

Das zeigt eine repräsentative Befragung von mehr als 3.600 Berufstätigen in Deutschland, die von HDI zusammen mit dem Institut YouGov durchgeführt hatte.

So will mehr als ein Drittel der Angestellten (38 Prozent), die vor der Corona-Zeit Pläne für eine berufliche Selbständigkeit hatten, diese jetzt nicht mehr weiterverfolgen. Unter allen Angestellten in Deutschland ist zudem fast die Hälfte (47 Prozent) überzeugt, dass es nach der Corona-Zeit hierzulande weniger Selbständige als zuvor geben wird.

Jeder sechste Selbstständige will ins Angestelltenverhältnis wechseln

Tatsächlich ergibt die gleichzeitige Befragung von bereits Selbständigen im Rahmen der HDI-Untersuchung auch dafür Belege: Fast jeder sechste Selbständige gibt demnach an, dass er bei passender Gelegenheit „jetzt lieber in ein Angestelltenverhältnis wechseln möchte, wenn ich die Gelegenheit hätte“. Jeder siebte Selbständige sagt zudem, dass „ich meinen Kindern durch die Erfahrungen der Corona-Zeit nicht mehr zur beruflichen Selbständigkeit raten könnte“.

„Deutschland lebt von seinem Unternehmertum. Der Mittelstand und eine hohe Zahl an Neugründungen bringen neue Ideen, Fortschritt und langfristig Arbeitsplätze. Wenn viele Menschen nun Angst vor der Selbständigkeit haben, ist das eine ernste Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Denn im New Normal nach der Corona-Zeit ist besonders viel neuer wirtschaftlicher Schwung nötig, um die Folgen der Pandemie abzufedern. Dabei senden insbesondere der Mittelstand sowie Unternehmensgründungen wichtige Impulse“, schlussfolgert Dr. Patrick Dahmen, Vorstandsvorsitzender HDI Lebensversicherung AG.

Finanzielle Existenzängste und drohende Pleitewelle

Fast zwei Drittel (71 Prozent) der Selbständigen geben in der HDI-Untersuchung an, dass durch die Corona-Zeit die finanziellen Risiken für Selbständige in Deutschland größer geworden seien. Nicht überraschend: Mehr als jeder fünfte Selbständige (21 Prozent) hat seither persönlich auch finanzielle Existenzängste. Zwei von drei der befragten Selbständigen (64 Prozent) sagen daher schließlich voraus, dass es durch die Corona-Zeit zu einer Pleitewelle in Deutschland kommen wird.

Große Ängste in Marketing, Werbung und Medien

Unter den Angestellten in Deutschland sehen ähnlich viele wie auch unter den Selbständigen eine Pleitewelle durch die Corona-Krise in Deutschland kommen. Bei berufstätigen Männern ist diese Sorge dabei noch größer als unter berufstätigen Frauen (59 zu 50 Prozent). Mit Abstand am stärksten ausgeprägt ist die Furcht bei Erwerbstätigen im Bereich Marketing, Werbung und Medien.

In dieser traditionell durch viele kleine und Kleinst-Unternehmen geprägten Branche erwarten drei Viertel (75 Prozent) aller Beschäftigten eine Pleitewelle und auch 69 Prozent einen Schwund an Selbständigen nach der Corona-Zeit.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Prof. Marcel Fratzscher, kommentierte die Ergebnisse der HDI-Studie: „Die Ergebnisse sind leider sehr ernüchternd, bestätigen aber den Trend in Deutschland zu weniger Selbständigkeit. Die Politik und die Gesellschaft müssen schon jetzt Anreize dafür schaffen, Selbständigkeit zu fördern – sei es durch den Abbau bürokratischer Hürden, Förderung oder einer höheren Wertschätzung von Unternehmertum in Deutschland.“ (dr)

Foto & Grafik: HDI

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