Air Berlin: Sachwerte sind doch besser

Schon am Tag nach der Insolvenz pries zum Beispiel die Kanzlei Mattil aus München per Pressemitteilung ihre „langjährige Expertise im Kapitalanlagerecht sowie im Insolvenzrecht“ an. „Sowohl Aktionäre, als auch Anleihegläubiger sollten sich schon jetzt organisieren und ihre Interessen bündeln“, so die Mitteilung.

Eine andere Kanzlei kündigte öffentlich an: „Wir prüfen auch Ansprüche gegen Dritte, wie zum Beispiel gegen beratende Geldinstitute oder sonstige Beratungsinstitute, Vorstände und Wirtschaftsprüfer beziehungsweise dahinterstehende Versicherungen und machen diese gegebenenfalls geltend.“ Die Banken und ihre Chefs wir es sicher enorm freuen, das zu hören.

Was nun passiert, ist vorhersehbar: Zunächst werden die Anwälte die Prospekte der Air-Berlin-Anleihen bis auf das letzte Komma nach möglichen Fehlern durchforsten.

Risiken? Nie gehört

Falls sich etwas findet, werden ihre Mandanten vorgeben, sie hätten die Prospekte, die sie in Wirklichkeit wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekommen haben, genauestens studiert. Andernfalls werden sie trotz der hohen Anleihe-Zinssätze von bis zu 8,25 Prozent behaupten, von Risiken noch nie etwas gehört zu haben. Vielleicht sagen sie auch beides.

Wie die Sache ausgeht, bleibt abzuwarten. Anders als bei Alternativen Investmentfonds (AIF) scheint hingegen sicher, dass Banken sich nicht wegen dieser Pleite von dem Anlagevehikel „Anleihe“ generell verabschieden werden. Es ist schließlich nur die “Verpackung” einer Kapitalanlage, die noch nichts über deren Qualität aussagt.

So könnte die Air-Berlin-Insolvenz auch ein Gutes haben: Vielleicht fördert sie auch in Hinblick auf die vielfach noch immer verschmähten AIFs die Einsicht der Geldhäuser, dass eine  „Sippenhaft“ nach dem Scheitern einzelner Angebote einer bestimmten Anlageform nicht sachgerecht ist. Und dass Sachwertfonds vielleicht doch ihre Vorteile haben.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und betreut das Cash.-Ressort Sachwertanlagen. Er beobachtet den Markt der Sachwert-Emissionen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit mehr als 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

Foto: Florian Sonntag

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