22. August 2016, 12:41
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Rechtsfragen zur Digitalisierung, Teil 4: “Technische Kreativität erforderlich”

Bei einer Online-Vertriebsplattform ist es nur schwer nachvollziehbar, ob ein Anleger die Texte aufmerksam liest und versteht. Es ist ungewiss, wie die Rechtsprechung die vermeintlichen Ansprüche eines nichtlesenden Anlegers bewerten wird. Gastbeitrag von Dr. Gunter Reiff, RP Asset Finance Treuhand

Dr -Gunter-Reiff-3 in Rechtsfragen zur Digitalisierung, Teil 4: Technische Kreativität erforderlich

Gunter Reiff: “Mittelfristig ist davon auszugehen, dass sich für den Online-Vertrieb von geschlossenen Investmentvermögen rechtlich abgesicherte Prozesse etablieren werden.”

Der Vermittler ist verpflichtet, dem Anleger umfassende Informationen über das zu vermittelnde geschlossene Investmentvermögen zu geben. Außerdem muss der Anleger bestimmte Informationen über den Vermittler selbst erhalten. In einem persönlichen Vertriebsgespräch kann der Vermittler leicht einschätzen, ob der Anleger zuhört und zur Aufnahme der Informationen in der Lage ist. Die Vermittlung an einen Anleger, der offensichtlich und für den Vermittler erkennbar nicht zugehört hat, dürfte für den Vermittler ein großes Haftungsrisiko darstellen.

Bei einer Online-Vertriebsplattform ist es nur schwer nachvollziehbar, ob ein Anleger die Texte aufmerksam liest und versteht. Es ist bekannt, dass viele Menschen Vertragstexte und andere AGBs im Internet regelmäßig nicht lesen, sondern einfach auf den “Bestätigungsbutton” klicken. Auch beim Online-Vertrieb von geschlossenen Investmentvermögen besteht daher die grundsätzliche Gefahr, dass ein Anleger in einem Haftungsprozess angeben wird, er habe keine oder keine ausreichenden Informationen über seine Anlage zur Kenntnis genommen und daher nicht gewusst, was er eigentlich erworben hat.

Mindesterwartung an den Anleger

Es ist ungewiss, wie die Rechtsprechung die vermeintlichen Ansprüche eines nichtlesenden Anlegers bewerten wird. Auch eine sehr anlegerfreundliche Rechtsprechung sollte vom Anleger zumindest erwarten, dass er bei einer offensichtlich sehr umfangreichen Anzahl an Informationen keine Rechtsgeschäfte abschließt, ohne sich zumindest oberflächlich mit den ihm zur Verfügung gestellten Informationen beschäftigt zu haben. Sofern der Anleger diese Obliegenheit nicht erfüllt, sollte er darauf keine Ansprüche begründen können.

Seite zwei: Das Risiko des Bestätigens ohne tatsächliches Lesen minimieren

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Interne Qualitätsoffensive bei FiNUM.Finanzhaus

Bereits vor mehr als fünf Jahren der ging Finanzvertrieb FiNUM.Finanzhaus an den Start. Die Tochter der JDC Group AG bringt ihre Berater in der internen Wissensschmiede FiNUM.Akademie auf den neuesten Stand hinsichtlich Anlage- und Vorsorgeprodukte sowie regulatorischer Erfordernisse.

mehr ...

Immobilien

BdSt zur Grundsteuer: „Wohnen darf nicht teurer werden!“

Der Bund der Steuerzahler betont: „Wohnen muss bezahlbar bleiben! Dazu gehört eine einfache und faire Grundsteuer, die Mieter und Eigentümer nicht über Gebühr belastet.“ Heute hat der Bundestag mit der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit den Weg zur Änderung des Grundgesetzes freigemacht und damit den Weg für die Grundsteuerreform geebnet.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche unterschätzen Erträge bei der Geldanlage

Die Zinsen für Spareinlagen sinken auf immer neue Tiefstände. Doch davon wollen viele Sparer nichts wissen und erwarten satte Erträge, so eine aktuelle Postbank Umfrage. Insbesondere junge Anleger rechnen mit fantastischen Gewinnen nahe der Zehn-Prozent-Marke – eine riskante Fehleinschätzung.

mehr ...

Berater

BaFin pfeift Vermögensverwaltung aus Wesel zurück

Die Finanzaufsicht BaFin hat der Ramrath Vermögensberatung & -verwaltungs GmbH, Wesel, aufgegeben, das ohne Erlaubnis betriebene Einlagengeschäft sofort einzustellen und die unerlaubt betriebenen Geschäfte abzuwickeln.

mehr ...

Sachwertanlagen

IVD zur Grundsteuer-Reform: „Chance zur Vereinfachung verpasst!“

“Mit der Grundsteuerreform haben wir eine große Chance zur Steuervereinfachung verpasst.“ Das sagt der Leiter der Abteilung Steuern beim Immobilienverband IVD, Hans-Joachim Beck, anlässlich der heutigen Bundestagssitzung.

mehr ...

Recht

Bauabnahme: Aktuelle Rechtsprechung stärkt Käufer

Die aktuelle Rechtsprechung stärkt die Position des Käufers bei der Bauabnahme von Eigentumswohnungen. Darauf weisen die Experten des Bauherren-Schutzbunds e.V. (BSB) hin.

mehr ...