29. August 2018, 15:18
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Urteil: Kein Schmerzensgeld wegen Muskelkater

Wer sich körperlich betätigt der kennt ihn zur Genüge: Muskelkater ist unangenehm und kann die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken. Das Landgericht (LG) Köln musste nun darüber entscheiden, ob er auch als Basis für einen Schmerzensgeldanspruch taugt.

Urteil: Kein Schmerzensgeld wegen Muskelkater

Ein mehrtägiger Muskelkater ist laut Landgericht Köln nach jeder Art sportlicher Betätigung zu erwarten.

Nach einem Probetraining in einem Fitness-Studio reicht ein Muskelkater nicht aus, um Schmerzensgeld vom Betreiber des Studios zu verlangen.

Im konkreten Fall begab sich die Klägerin im November 2015 in ein Studio der Beklagten, um dort ein EMS-Probetraining durchzuführen, bei dem Muskelpartien durch elektrische Impulse stimuliert werden. Anstatt eines Trainigserfolges stellten sich der Klägerin zufolge jedoch nur Beschwerden ein.

Bereits während des Trainings habe sie sich beklagt, doch die Betreiberin des Studios habe erklärt, das müsse so sein. Kopfschmerzen, Unwohlsein und ein erhöhter Wert eines Enzyms im Blut, welches auf ein Auflösen von Muskelfasern hingedeutet hätte, seien die Folge gewesen.

Sachverständiger sieht keine Gefahr

Wegen des erhöhten Wertes hätte zudem die Gefahr eines akuten Nierenversagens bestanden. Bis heute leide sie unter Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Gliederschmerzen. Sie forderte 5.500 Euro Schmerzensgeld.

Das Landgericht beauftragte einen Sachverständigen mit der Beantwortung der Frage, ob und welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen das Training bei der Klägerin ausgelöst hat.

Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass bei der Klägerin – trotz eines erhöhten Enzymwertes – keinerlei Gefahr für ein Nierenversagen bestand. Auch seien dauerhafte Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schlafstörungen nicht auf das EMS-Training zurückzuführen.

Muskelkater ist hinzunehmen 

Für nachvollziehbar hielt der Sachverständige lediglich, dass sich die Klägerin über einige wenige Tage unwohl fühlte und unter Kopfschmerzen litt – verursacht durch einen heftigen Muskelkater wegen der ungewohnten Belastung.

Nach dem Ergebnis des Gutachtens hatte der Richter also nur noch die Frage zu beantworten, ob ein solcher Muskelkater eine derart erhebliche Einschränkung darstellt, dass dies einen Schmerzensgeldanspruch rechtfertigen kann.

Die Antwort auf diese Frage war laut LG Köln eindeutig: bei einem mehrtägigen Muskelkater, auch wenn er mit zweitägigen Belastungskopfschmerzen verbunden war, handele es sich um eine Beeinträchtigung, wie sie nach jeder Art sportlicher Betätigung zu erwarten ist und üblicherweise von Sport treibenden hingenommen wird.

Schmerzensgeld könne man dafür nicht beanspruchen. Die Klage hatte nach Auskunft der ARAG Experten daher keinen Erfolg (LG Köln, Az.: 18 O 73/16). (bm)

Foto: Shutterstock

 

Weitere aktuelle Urteile:

Weniger Geld aus Lebensversicherung – BGH verkündet Urteil

BGH verhandelt Mietstreit: Wer muss die Wohnung renovieren?

Grundsatzurteil: BGH stärkt Mieterrechte bei Schönheitsreparaturen

Ihre Meinung



 

Versicherungen

“Leider nutzen viel zu wenige Passagiere den Gurt”

Der schwere Busunfall auf Madeira wirft Fragen nach der Sicherheit auf: Der Fahrer hatte offenbar in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, das danach einen Abhang hinunterstürzte. Zahlreiche Tote sind zu beklagen. Antworten vom Chef der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann.

mehr ...

Immobilien

9 Urteile zum Thema Haus, Garten und Co.

Über die langen Monate des Winters konnten es Garten- und Balkonfreunde kaum erwarten, dass sie wieder ihren Lieblingsort betreten können. Sie vermissten das Leben im Freien beziehungsweise – im Falle des Balkons oder der Loggia – fast im Freien. Nun ist das witterungsbedingt wieder möglich, aber damit häufen sich auch entsprechende Streitfälle.

mehr ...

Investmentfonds

Aktienrückkäufe im Höhenflug

Immer mehr Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück. 2018 war für die so genannten Share Buybacks ein Rekordjahr, doch vieles spricht für neue Höchstmarken in diesem Jahr. Ein Gastbeitrag von Benjardin Gärtner, Union Investment

mehr ...

Berater

Fenster, Leiter, Knochenbruch? – Sicher durch den Frühjahrsputz

Mit der Sonne kommt oft auch der Schreck: Huch, ist das staubig! Her mit Putzeimer, Fensterlappen und los? Vorsicht: Hektik beim Großreinemachen ist keine gute Idee. Wie Sie sich vor Unfällen schützen und wer im Ernstfall zahlt.

mehr ...

Sachwertanlagen

“Eines der besten Quartale unserer Unternehmenshistorie”

Solvium Capital hat die Vermögensanlage Wechselkoffer Euro Select 5 vorzeitig geschlossen und auch das Angebot Wechselkoffer Euro Select 6 steht kurz vor Schließung. Das Nachfolgeangebot und ein weiteres Konzept sollen in den nächsten Wochen folgen.

mehr ...

Recht

Rente unter Palmen – das müssen Sie wissen

Immer mehr Ruheständler entscheiden sich dafür, ihren Lebensabend jenseits der deutschen Grenzen zu genießen. Was zu beachten ist, damit man im Ruhestandsparadies auch auf die Rente aus Deutschland zugreifen kann.

mehr ...