BaFin schickt Greensill Bank in die Insolvenz

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Die BaFin hat für die Greensill Bank einen Insolvenzantrag gestellt.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat für die in Turbulenzen geratene Greensill Bank einen Insolvenzantrag gestellt. Bei der Bremer Bank stehen rund 3,6 Milliarden Euro an Einlagen im Feuer. Davon dürften rund 3,1 Milliarden Euro privater Kundengelder durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken gesichert sein. Anders sieht es mit den Geldern etlicher Kommunen aus.

Das teilte eine Sprecherin des Amtsgerichts Bremen auf Anfrage mit. Der Antrag von Montagabend werde nun geprüft. Ob es noch am Dienstag eine Entscheidung geben wird, blieb zunächst unklar. Das Gericht will über den weiteren Verlauf informieren.

Rund 3,6 Milliarden Euro im Feuer

Die Bafin hatte die Bremer Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Anfang März bereits für den Kundenverkehr geschlossen. Sparer kommen seitdem nicht mehr an ihr Geld, auch die Einlagen zahlreicher Kommunen sind betroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank AG, die Bafin hatte Strafanzeige gestellt. Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Bilanzfälschung.

Nach Informationen aus Finanzkreisen stehen bei der Bremer Bank rund 3,6 Milliarden Euro an Einlagen im Feuer. Davon dürften etwa 3,1 Milliarden Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung sowie den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) gesichert sein. Das gilt vor allem für das Geld von Privatkunden. Darüber hinaus hatten jedoch auch die Kämmer von Kommunen der Bank Millionenbeträge anvertraut.

328 Millionen Euro von Städten und Kommunen

Die Gesamtsumme der Anlagen von 31 Kommunen und städtischen Unternehmen bei der Greensill Bank, die Tagesgeldvergleich.net listet, kletterte mittlerweile auf 328,2 Millionen Euro. Diese Beträge sind nach Informationen der Seite mehrheitlich nicht abgesichert.

Geht BaFin gegen die Abschlussprüfer vor?

Vergangene Woche hatte die „Wirtschaftswoche“ berichtet, dass die Bafin auch gegen den Abschlussprüfer der Bank vorgehe. Wegen möglicher Mängel bei der Abschlussprüfung durch die Stuttgarter Gesellschaft Ebner Stolz wolle die Aufsicht ein Verfahren bei der zuständigen Aufsichtskommission Apas anregen, hieß es. Ebner Stolz habe den Abschluss der Greensill Bank für 2019 testiert. Bei einer weiteren Untersuchung durch die von der Bafin beauftragte Wirtschaftsprüfung KPMG habe die Existenz zahlreicher verbuchter Forderungen aber nicht nachgewiesen werden können.

Die Bafin äußerte sich nicht zu dem Bericht. Die Apas bestätigte, die Finanzaufsicht habe ihr eine Mitteilung „mit Bezug zur Greensill Bank AG übermittelt“. Einzelne Verfahren kommentiere sie nicht weiter. Ebner Stolz erklärte, man äußere sich nicht zu laufenden Prüfungsmandaten.

Das Unternehmen stehe in Kontakt mit allen beteiligten Behörden und habe eine Kooperation im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten angeboten. „Weder die verantwortlichen Prüfer noch Ebner Stolz als Unternehmen sind in dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bremen beschuldigt.“

Bei den in Großbritannien und Australien ansässigen Muttergesellschaften von Greensill haben inzwischen Insolvenzexperten der Unternehmensberatung Grant Thornton das Ruder übernommen. (dpa-AFX/Franke-media.net)

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