Klimaschutz im Gebäudebereich: Eigentümer sind überfordert

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Mehr als die Hälfte aller Eigenheimbesitzer weiß nicht, wie sie bei ihrer Immobilie Energie sparen kann. Das zeigt eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB).

Das Ergebnis ist besorgniserregend, wenn man bedenkt, wie viel CO2 im Gebäudesektor eingespart werden soll. Eine bessere Förderpolitik würde helfen, den Stein ins Rollen zu bringen.

Fast 50 Millionen Tonnen CO2 sollen bis 2030 im Gebäudesektor eingespart werden. Dafür muss die Sanierungsquote im Gebäudebereich nach aktuellem Stand jedes Jahr verdoppelt werden. „Die Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor hängt auch von Millionen Einzelentscheidungen der selbstnutzenden Wohneigentümer ab. Doch nur jeder fünfte Eigenheimbesitzer plant in der kommenden Legislaturperiode sein Haus oder seine Wohnung zu modernisieren. Das Mobilisierungspotential ist weiterhin enorm“, erklärt BSB-Geschäftsführer Florian Becker.

Ihre Verantwortung für den Klimaschutz scheint nur wenigen Eigenheimbesitzern bewusst zu sein. So gab nur jeder zehnte Befragte an, dass im Gebäudesektor in Zukunft besonders viel CO2 gespart werden müsse. Die überwiegende Mehrheit sieht hier die Industrie und den Verkehr stärker in der Pflicht. Nur 14 Prozent aller Eigenheimbesitzer wissen darüber hinaus genau, wie viel Energie ihr Haus oder ihre Wohnung verbraucht. Mehr als die Hälfte aller Befragten weiß nicht, mit welchen konkreten Maßnahmen sie bei ihrer eigenen Immobilie Energie einsparen können.

„Im Bestandsbereich ist bei Wohneigentümern noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Sie müssen mit einer attraktiveren Förderpolitik und gezielteren Informationskampagnen dazu motiviert werden, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, so Becker. Der Verbraucherschützer plädiert deshalb für die Einführung eines neuen Fördermodells: „Ein Bauklimageld für Modernisierungsmaßnahmen, die nachweislich in Form eines Vorher-Naher-Vergleichs des Energieausweises CO2 einsparen, hat zwei Vorteile: Erstens wird durch die Erfassung des energetischen Gebäudezustandes vor der Maßnahme die Modernisierungsnotwendigkeit für den Eigentümer leicht erkennbar. Zweitens hilft ein Direktzuschuss den Immobilienbesitzern unbürokratisch und unterstützt direkt bei der Finanzierung.

Dass Zweifel weiterhin bestehen, zeigt ein Blick auf die Umfrage: Jeder Dritte gibt an, nicht zu glauben, dass sich Kosten für Modernisierungsmaßnahmen überhaupt lohnen. Die bestehenden Förderungen scheinen nicht allen zuzusagen. Jeder fünfte Befragte gibt an, dass die aktuellen Programme nicht ausreichen und die Antragsstellung zu kompliziert ist. Gar 90 Prozent sehen die steigenden Kosten als größtes Hindernis beim Bauen – trotz günstiger Kredite. „Die Förderpolitik der kommenden Bundesregierung muss so aufgestellt sein, dass alle Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit und Sozialverträglichkeit der Eigentümer berücksichtigen. Nur mit der Bezahlbarkeit der Baumaßnahmen und einer besseren Mobilisierung werden die Klimaschutzziele im Gebäudesektor erreicht werden können.“

Private Bauherren und Eigenheimbesitzer sind bei den wohn- und klimapolitischen Zielen jeder kommenden Bundesregierung ein Teil der Lösung. Aktuell treffen diese Verbraucher jedoch auf erschwerende Rahmenbedingungen. Deshalb unterstützt der Bauherren-Schutzbund viele Menschen bei ihren Vorhaben und setzt sich für eine Stärkung der Verbraucherrechte und bessere Unterstützung beim Hausbau und der Modernisierung ein.

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