Tokenisierte Kapitalanlagen: Die Blockchain macht’s möglich

Kein Fondsobjekt, sondern ein digitales Immobilieninvestment von Exporo: Ärztehaus in Bonn.

Für manche Online-Plattformen ist die „Tokenisierung“ ihres Geschäfts über die Blockchain-Technologie längst Alltag. Die klassische Sachwertbranche hinkt bei der Digitalisierung weiter hinterher. Ein neues Gesetz wird den Druck erhöhen.

Manche Themen begleiten die Branche der Sachwertanlagen gefühlt schon seit Dekaden. Neben Regulierung zählt dazu vor allem ein Stichwort: Digitalisierung. Doch was darunter zu verstehen ist, hängt auch vom Marktsegment ab. Bei den klassischen Sachwertanlagen, also alternativen Investmentfonds (AIFs) und Vermögensanlagen nach dem Vermögensanlagengesetz, dreht sich die Diskussion regelmäßig noch immer in erster Linie um Schritt eins: Die digitale Zeichnung ohne „Medienbruch“, also rein elektronisch.

Bei weitem nicht alle Häuser bieten das. PDF-Prospekte statt gedruckte Exemplare akzeptieren mittlerweile wohl die meisten, doch noch immer verlangen nicht wenige Anbieter, dass der Zeichnungsschein ausgedruckt, unterschrieben und per Scan oder im Original auf dem Postweg übermittelt wird. Das ist dann der „Medienbruch“, der den gesamten Prozess verkompliziert.

Die Diskussionen darüber gleichen sich seit Jahren, auch hinsichtlich der rechtlichen Bedenken von Juristen und der Vorbehalte des Vertriebs, der – in der Regel zu Unrecht – fürchtet, durch Direktzeichnungen umgangen und um seine Provision gebracht zu werden. Voran geht es allenfalls in Tippelschritten.

Umsatz im Fondsbörse-Erstmarkt noch immer gering

Davon weiß auch Alex Gadeberg ein Lied zu singen. Der Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG hat neben dem bekannten Zweitmarkt schon im März 2017 die Plattform erstmarkt.de für neue Fonds gestartet. „Die Voraussetzung für eine vollständige onlinebasierte Zeichnung haben wir mit erstmarkt.de geschaffen, die Umsetzung seitens der Emittenten steht allerdings noch aus. Diese arbeiten fast ausschließlich noch mit klassischen Zeichnungsscheinen“, sagte Gadeberg damals.

Viel getan hat sich auch vier Jahre später nicht. Zwar hieß es im Januar 2021 in einer Mitteilung der Fondsbörse unter anderem, 2020 seien die ersten Direktzeichnungen abgewickelt sowie Kooperationsvereinbarungen mit großen Finanzvertrieben unter- zeichnet worden und die wichtigen Emissionshäuser „annähernd vollzählig“ als Partner an Bord.

Auf Nachfrage räumt Gadeberg aber ein, dass es doch nur sehr langsam vorangeht und er mit der Entwicklung keineswegs zufrieden ist. Der Umsatz über die Plattform sei noch immer gering. Corona habe der Branche zwar einen Digitalisierungs-Schub gegeben und die Aktivität nehme zu, aber weiterhin würden viele Anbieter auf klassische Zeichnungsscheine bestehen. Doch Gadeberg wäre nicht Gadeberg, wenn er deshalb aufstecken würde. „Wir bleiben am Ball“, kündigt er an.

Fondsbörse-Vorstand Alex Gadeberg: „Viele Anbieter bestehen weiterhin auf klasssiche Zeichnungsscheine“

Bei Crowdinvesting-Plattformen seit zehn Jahren selbstverständlich

Die unterentwickelte Automatisierung der Zeichnung setzt sich, soweit zu hören ist, vielfach auch in den weiteren Prozessen fort, also in der Anlegerverwaltung und -kommunikation. So geht die interne Digitalisierung einiger Anbieter wohl weiterhin nicht wesentlich über Excel-Tabellen und den Ausdruck von Serienbriefen hinaus. Vieles läuft nach wie vor über die gute alte Post. Das verursacht hohe Kosten und ist auch ein Grund dafür, dass die Mindestinvestition pro Anleger bei Publikums-AIFs und klassischen Vermögensanlagen nur selten unter 10.000 Euro liegt.

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