31. August 2015, 08:26
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die sonderbare Billionen-Schmelze der Deutschen Bank

Deutschlands größtes Geldhaus hat letzten Mittwoch in der Frankfurter Innenstadt zwei Billionen schmelzen lassen.

Der Löwer-Kommentar

Stefan-loewer1 in Die sonderbare Billionen-Schmelze der Deutschen Bank

“Anscheinend zählt auch die Deutsche Bank zu jenen Instituten, die Sachwertanlagen in geschlossenen AIF bislang im Wesentlichen ignorieren und ihren Kunden vorenthalten”.

Genauer gesagt: Es waren 2.016.000.000.000. Diese 13 Ziffern hatte die Deutsche Bank aus Eis formen und zum Roßmarkt schaffen lassen, um sie öffentlichkeitswirksam der Sommersonne auszusetzen. Zwei Meter hoch, insgesamt gut zehn Meter lang und 7,5 Tonnen schwer war die Skulptur, wie das Institut das Zahlen-Monstrum vornehm nannte, zu Beginn.

2,016 Billionen Euro: Diese gewaltige Summe haben die Deutschen insgesamt auf Sparbüchern, Giro-, Tages- und Festgeldkonten gehortet, hat die Bank auf Basis der Bundesbank-Zahlen errechnet. Dort erhalten die Kunden schon seit geraumer Zeit keine oder allenfalls Minizinsen.

Die Botschaft war also klar und ist im Kern auch korrekt: Eine riesige Summe liegt ungenutzt auf den Konten der Nation und verliert durch die Inflation sukzessive an Wert.

Billionen-Schmelze als Promotion

Wie lässt sich die Aktion bezeichnen? Schräge? Originell? Eigenwillig? “Sonderbar” trifft es vielleicht am besten – schon deshalb, weil ein solches Spektakel so gar nicht zu Deutschlands größtem Bankhaus passen will. Üblich ist derlei sonst eher für Umwelt-„Aktivisten“ oder andere Gruppierungen, die mit plakativen Aktionen Öffentlichkeit und Politik aufrütteln und auf Missstände aufmerksam machen wollen.

Die Billionen-Schmelze jedoch war keine Demonstration, sondern eine Promotion-Aktion für die Produkte des Geschäftsbereichs Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM). Das ist legitim, aber doch reichlich durchsichtig. So hielt sich das Interesse der Passanten an dem Eis-Koloss nach einem Bericht des “Handelsblatts”, das offenbar vor Ort war, wohl in Grenzen.

Hinzu kommt: Der Zeitpunkt der Aktion war alles andere als günstig. Im Mittelpunkt sollten Aktienanlagen stehen, doch zwei Tage zuvor – an dem fast schon wieder vergessenen “Schwarzen Montag” letzter Woche – waren die Börsen weltweit zusammengebrochen.

Aktien-Billionen verdampft

Sicherlich: Das Timing ist dem Institut nicht vorzuwerfen, sondern gehört in die Abteilung „dumm gekommen“. Schließlich lässt sich eine solche Veranstaltung nicht von heute auf morgen planen. Doch der Börsen-Crash belegt ein grundsätzliches Risiko von Aktienanlagen.

Allein am letzten Montag haben sich weltweit drei Billionen US-Dollar in Luft aufgelöst, hat irgendjemand ausgerechnet. Ob die Zahl stimmt, spielt keine große Rolle. Jedenfalls ist eine gewaltige Summe nicht etwa über Jahre dahingeschmolzen, sondern innerhalb weniger Stunden verdampft. Solche unkalkulierbaren Crashs sind es, die vielen Anlegern Angst machen. Da nehmen sich die Eis-Billionen geradezu noch solide aus.

Natürlich war auch den Deutsch-Bankern klar, dass der vergangene Mittwoch nicht unbedingt der ideale Tag war, um Aktienanlagen zu promoten. Doch sie zogen die Aktion durch und versuchten, das Beste daraus zu machen. Schließlich war sie aufwändig vorbereitet worden und unter anderem durch eigens eingerichtete Websites mit „Kaufkraft-Rechner“, Webcam zum „Live-Event“ sowie entsprechenden Produktangeboten flankiert.

Seite 2: “Aktienfonds trotz Rücksetzer unverändert attraktiv”

Weiter lesen: 1 2

1 Kommentar

  1. Brauchen wir denn ständig diese Superlativen ? Börden-Crach, Börsen zusammnegebrochen, Billionen verdampft ? Was für eine gequirlter Stuss. Das die Kurse schwanken ist doch nicht neu ? Aber warum diese ständige und völlig bescheuerte Panik ? Sind verunsicherte Menschen leichter steuerbar ? Ich denke JA!

    Kommentar von Nils Fischer — 2. September 2015 @ 11:46

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Coronakrise: Welche Versicherungsverträge besonders gefährdet sind

Fast jeder vierte Bundesbürger hat derzeit weniger Geld zur Verfügung als vor der Corona-Pandemie. Zugleich zeigen sich viele Verbraucher sparaktiver als vor der Krise – allen voran jüngere Menschen. Das hat Folgen, auch für Versicherungsverträge. Welche Policen besonders gefährdet sind.

mehr ...

Immobilien

Wird der Immobilienkauf durch Corona schwieriger?

Höhere Preise, knappes Angebot – und jetzt auch noch Corona: Gut jeder zweite Bundesbürger (52 Prozent) vertritt die Meinung, dass der Erwerb von Wohneigentum in den vergangenen zehn Jahren schwieriger geworden ist. Drei Viertel glauben, dass es durch die Corona-Krise sogar noch schwerer werden wird, den Traum vom eigenen Zuhause zu verwirklichen. Insgesamt machen sich zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent) aktuell Sorgen über die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Interhyp mit Statista unter 1.000 Bundesbürgern.

mehr ...

Investmentfonds

Klage gegen EY auf 195 Millionen Euro Schadensersatz

Der Insolvenzverwalter der Maple Bank hat die Wirtschaftsprüfer von EY wegen angeblich falscher Beratung bei den umstrittenen “Cum-Ex”-Geschäften zu Lasten der Staatskasse auf 195 Millionen Euro Schadensersatz verklagt.

mehr ...

Berater

Trägt ein Erbe alle finanziellen Risiken?

Kann der Erbe einen Pflichtteilsanspruch wegen einer strittigen Forderung noch nicht abschließend beziffern, muss er den Pflichtteilsanspruch trotzdem ausgleichen. Das Risiko, einen überzahlten Betrag nicht mehr zurückfordern zu können, trägt der Erbe, entschied das OLG Koblenz in seinem Beschluss vom 14.8.2020.

mehr ...

Sachwertanlagen

US Treuhand bringt neuen US-Publikumsfonds

Die US Treuhand legt mit dem „UST XXV“ einen neuen Fonds für private Investoren auf. Über den Alternativen Investmentfonds (AIF) können sich deutsche Anleger ab einer Anlagesumme von 20.000 US-Dollar an Immobilien in Metropolregionen überwiegend im Südosten der USA beteiligen.

mehr ...

Recht

Weiterbildungspflicht – ohne Ausreden!

Das Verwaltungsgericht Ansbach hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob der Gesellschafter-Geschäftsführer einer Maklerin in Franken absolvierte Weiterbildungszeiten nachweisen muss. Dieser hatte versucht, sich u.a. wegen eines abgeschlossenen zweiten juristischen Staatsexamens dagegen zu wehren. Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen. Ein Beitrag von Rechtsanwalt Jürgen Evers

mehr ...