„Der Anleger wird zum Manager seiner Beteiligung“

Der Zweitmarkt soll zu einem festen Bestandteil des Lebenszyklus einer Sachwertbeteiligung werden. Auch das Thema Digitalisierung wird auf den Handelsplattformen vorangetrieben.

Jan-Peter Schmidt, Vorstand der Deutschen Zweitmarkt AG (links) und Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland
Jan-Peter Schmidt, Vorstand der Deutschen Zweitmarkt AG (links) und Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland

Investitionen am Zweitmarkt haben ganz spezifische Vorteile für Anleger, zum Beispiel niedrigere Kosten und bessere Bewertungsmöglichkeiten, da die gehandelten Fonds bereits eine überprüfbare Performance abgeliefert haben. „Die Regulierung kostet zunächst sogar Rendite durch höhere Gebühren. Insofern dürfte die generelle Attraktivität von Zweitmarkt-investitionen zunehmen“, erwartet Robert List, Geschäftsführer von Asuco, einem inhabergeführten Emissionshaus für Vermögensanlagen am Zweitmarkt.

Hinzu kommt, dass speziell im Immobilienbereich gute Objekte Mangelware sind bzw. die Preise mittlerweile ein so hohes Niveau erreicht haben, dass nur noch geringe Renditen zu erzielen sind. Über den Zweitmarkt dagegen habe man weiterhin die Möglichkeit, Anteile an attraktiven Objekten zu erwerben, so List.

Trotz aller Vorteile: Als direkte Konkurrenz zum Erstmarkt wollen die Branchenplayer den Zweitmarkt nicht verstanden wissen. „Im Zuge der gesetzlichen Regulierung verändert sich die Einstellung zum Anlageobjekt der Sachwertanlagen. Bislang galt für den Anleger die Devise, dass eine unternehmerische Beteiligung während der prognostizierten Laufzeit von zehn bis 15 Jahren keiner weiteren Aufmerksamkeit bedarf“, erklärt Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland.

Unterstützung für den Erstmarkt

„Hier findet nun ein Umdenken statt: Der Anleger, ob privat oder institutionell, wird zum Manager seiner Beteiligung. Er muss sich in regelmäßigen Abständen fragen, ob es sinnvoll ist, seine unternehmerische Beteiligung zu behalten oder sich von ihr frühzeitig zu trennen“, so Gadeberg. Der Zweitmarkt werde somit zu einem festen Bestandteil des Lebenszyklus einer Sachwertbeteiligung. Die Gewissheit der Fungibilität einer geschlossenen Beteiligung unterstütze den sich neu aufstellenden Erstmarkt.

Auch aus Sicht der Anbieter von Zweitmarktfonds steht der Handel von Fondsanteilen nicht in Konkurrenz zum Produktangebot am Erstmarkt – was unter anderem an den Marktteilnehmern liegt. „Hier sind nur Profis unterwegs, die über ausreichend Know-how verfügen, um den inneren Wert einer Beteiligung zu ermitteln und Zweitmarktanteile direkt über die Börsen oder Makler erwerben“, betont HTB-Geschäftsführer Patrick Brinker.

Seite zwei: Zweitmarkt will von Digitalisierung profitieren

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