Die Rentenlücke, auch Vorsorgelücke genannt, ist der Betrag, der im Ruhestand zwischen der gesetzlichen Rente und dem gewünschten Einkommen fehlt. Wie viel man monatlich sparen muss, um sie zu schließen, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: wie groß die Lücke ist und wie früh man mit dem Sparen beginnt. Die Tabelle zeigt die nötige Sparrate für drei typische Lücken und vier Einstiegsalter. (Stand: Oktober 2026)
| Einstiegsalter Vorsorge | Zielrente/Monat (netto) | Nötige Sparrate bei 4% Rendite | Lücke ggü. gesetzl. Rente (netto) |
|---|---|---|---|
| 25 Jahre | 1.650 € | rd. 40 €/Monat | rd. -300 € |
| 25 Jahre | 2.000 € | rd. 80 €/Monat | rd. -650 € |
| 25 Jahre | 2.350 € | rd. 125 €/Monat | rd. -1.000 € |
| 30 Jahre | 1.650 € | rd. 50 €/Monat | rd. -300 € |
| 30 Jahre | 2.000 € | rd. 105 €/Monat | rd. -650 € |
| 30 Jahre | 2.350 € | rd. 165 €/Monat | rd. -1.000 € |
| 40 Jahre | 1.650 € | rd. 85 €/Monat | rd. -300 € |
| 40 Jahre | 2.000 € | rd. 185 €/Monat | rd. -650 € |
| 40 Jahre | 2.350 € | rd. 285 €/Monat | rd. -1.000 € |
| 50 Jahre | 1.650 € | rd. 170 €/Monat | rd. -300 € |
| 50 Jahre | 2.000 € | rd. 370 €/Monat | rd. -650 € |
| 50 Jahre | 2.350 € | rd. 565 €/Monat | rd. -1.000 € |
Annahmen: Rentenbeginn mit 67, gesetzliche Nettorente rd. 1.350 €/Monat, 4 % Rendite p. a. nach Kosten, monatliche Einzahlung bis 67, Kapitalverzehr über 20 Jahre (4 % Verzinsung). Ohne Inflation und Steuern, Werte gerundet. Die individuelle Lücke zeigt die Renteninformation der DRV.
Um die Rentenlücke zu berechnen, zieht man vom gewünschten Nettoeinkommen im Alter die voraussichtliche Nettorente ab. Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung weist die Rente allerdings brutto aus. Davon gehen gut zwölf Prozent für Kranken- und Pflegeversicherung ab, wenn man den durchschnittlichen Zusatzbeitrag zugrunde legt. Hinzu kommt gegebenenfalls Einkommensteuer: Wer 2026 in Rente geht, muss 84 Prozent der Rente versteuern, bei späterem Rentenbeginn steigt der Anteil weiter. Die so berechnete Versorgungslücke ist die Zahl, mit der man in der Tabelle arbeitet.
Die Tabelle zeigt vor allem, wie stark sich ein früher Start auswirkt. Für dieselbe Lücke von 650 Euro reichen ab 25 Jahren rund 80 Euro im Monat, wer erst mit 50 beginnt, braucht rund 370 Euro. Jedes Jahrzehnt, das man wartet, verdoppelt die Sparrate fast. Am benötigten Betrag ändert das nichts: Um 650 Euro im Monat über 20 Jahre auszuzahlen, sind zum Rentenbeginn rund 107.000 Euro Kapital nötig. Wer früh anfängt, lässt einen größeren Teil davon durch Zinseszinsen entstehen. Wer später anfängt, muss mehr selbst einzahlen.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung; § 68 SGB VI (Rentenwert); §§ 77, 236 SGB VI (Abschläge bei vorzeitiger Altersrente); § 22 EStG (Besteuerung von Renten); eigene Berechnung
Rechenbeispiel
Ein 40-jähriger Angestellter bekommt laut Renteninformation mit 67 eine Rente von 1.550 Euro brutto. Nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bleiben rund 1.360 Euro. Im Ruhestand möchte er 2.000 Euro netto zur Verfügung haben, ihm fehlen also rund 650 Euro im Monat. Spart er ab sofort 185 Euro monatlich bei 4 Prozent Rendite, hat er mit 67 rund 107.000 Euro zusammen. Davon hat er selbst knapp 60.000 Euro eingezahlt, der Rest kommt aus Erträgen. Fängt er erst mit 50 an, muss er für dasselbe Ziel rund 370 Euro im Monat sparen und insgesamt gut 75.000 Euro einzahlen. Nicht eingerechnet ist die Inflation: Bei 2 Prozent pro Jahr haben 650 Euro in 27 Jahren nur noch etwa die Kaufkraft von heute rund 360 Euro. Will er die heutige Kaufkraft halten, müsste er in 27 Jahren gut 1.100 Euro im Monat zur Verfügung haben. Steuern auf Erträge und Auszahlungen kommen ebenfalls noch hinzu.
Sparrate für die Rentenlücke: Diese Faktoren entscheiden
Wie groß die Lücke ausfällt, hängt auch von der Rentenpolitik und vom Rentenbeginn ab. Das Rentenpaket 2025 schreibt das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent fest. Dieser Wert vergleicht eine Standardrente nach 45 Beitragsjahren mit dem Durchschnittsverdienst, nicht die eigene Rente mit dem letzten Gehalt. Wer Teilzeitphasen oder Lücken im Erwerbsleben hatte, liegt meist deutlich darunter. Wie es nach 2031 weitergeht, ist gesetzlich noch nicht geregelt. Auch ein früher Rentenbeginn vergrößert die Lücke. Mit 63 in Rente zu gehen ist 2027 weiterhin möglich, wenn man 35 Versicherungsjahre hat. Jeder Monat vor der Regelaltersgrenze kostet aber dauerhaft 0,3 Prozent Rente, für den Jahrgang 1964 mit Regelaltersgrenze 67 sind das bis zu 14,4 Prozent.
Bei den Sparraten in der Tabelle ist die Rendite der wichtigste Hebel. Mit 2 statt 4 Prozent Rendite steigt die nötige Sparrate ab 30 Jahren bei einer Lücke von 650 Euro von rund 105 auf rund 195 Euro. Mit 6 Prozent sinkt sie auf rund 55 Euro. Gemeint ist immer die Rendite nach Kosten, deshalb lohnt der Blick auf Effektivkosten und Produktgebühren. Wer über eine Entgeltumwandlung in die betriebliche Altersvorsorge spart, bekommt in der Regel einen Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent und muss so weniger selbst aufbringen. Ab 2027 kommt das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot als weiterer Baustein hinzu.



Die wichtigste Zahl in dieser Tabelle ist nicht die Rendite, sondern das Einstiegsalter. Wer zehn Jahre wartet, muss für dasselbe Ziel fast doppelt so viel sparen, und das lässt sich später kaum ausgleichen. Den ersten Schritt sollte deshalb jeder sofort machen: die eigene Renteninformation heraussuchen und die Bruttorente realistisch in eine Nettorente umrechnen. Die DRV verschickt sie jedes Jahr an Versicherte ab 27 Jahren mit mindestens fünf Beitragsjahren. Ich rate außerdem, mit Puffer zu planen und die Sparrate regelmäßig zu erhöhen, damit die Inflation die Rechnung nicht still entwertet. Wer Arbeitgeberzuschüsse und ab 2027 die Förderung des Altersvorsorgedepots mitnimmt, verkleinert die eigene Belastung spürbar, ohne die Lücke aus den Augen zu verlieren.