3. Juni 2010, 17:10
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die Bafin stoppt die Rating-Manie

Die Löwer-Kolumne

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) will es tolerieren, wenn Versicherungsgesellschaften wegen der Herabstufung von Ratings für griechische Staatsanleihen die gesetzliche Höchstquote an Papieren mit geringer Bonität überschreiten. Sie werde keine Notverkäufe wegen Überschreitung dieser „High-Yield-Quote“ fordern, so die Behörde.

L Wer1-127x150 in Die Bafin stoppt die Rating-Manie

Cash.-Kolumnist Stefan Löwer

Das ist vernünftig, macht aber einmal mehr das Scheitern der staatlichen Regulierung von Finanzmärkten deutlich. Demnach dürfen die Versicherer grundsätzlich nur fünf Prozent ihres Vermögens in Papieren von Emittenten halten, die ein bestimmtes Bonitätsrating unterschreiten. Das ist sicherlich gut gemeint, hat aber fatale Folgen, wenn ein größerer Schuldner herabgestuft wird.

Zum einen zwingt die Regelung die Versicherer unter Umständen dazu, die betreffenden Anleihen zu veräußern und damit Verluste zu realisieren, die ohne den Verkauf vielleicht gar nicht entstehen würden. Zum anderen wird gegebenenfalls eine gewaltige Abwärtsspirale beschleunigt oder sogar erst in Gang gesetzt.

Die deutsche Versicherungswirtschaft verfügt nach Angaben ihres Gesamtverbands GDV über einen Anlagebestand von 1,1 Billionen Euro. Das entspricht etwa dem achtfachen des deutschen Beitrags für den Euro-Rettungsschirm. Es geht also schon bei einem kleinen Teil des Anlagebestands um gewaltige Summen, zumal in anderen Ländern die gleichen Regeln herrschen. Das Szenario: Versicherer müssen bestimmte Papiere wegen einer Herabstufung des Ratings auf den Markt werfen. Gleichzeitig fällt eine wichtige Käufergruppe weitgehend aus: die anderen Versicherer eben. Weitere Akteure sind ohnehin nervös und verkaufen nun um jeden Preis. Doch Käufer sind rar. Panik bricht aus. Kollaps.

Schon Ende April hatte die amerikanische Ratingagentur Standard & Poors durch einen solchen Federstrich – die Herabstufung der Bonität Griechenlands auf Ramsch-Niveau – ein europaweites Chaos ausgelöst. Das Land und kurz darauf auch der Euro waren nur durch eine gigantische Notoperation zu retten, die noch nicht ausgestanden ist.

Seite 2: Warum Hedgefonds und Spekulanten als Sündenböcke nicht taugen

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Rössler geht: Huk-Coburg baut Vorstand um

Die Huk-Coburg ordnet in Teilen ihre Vorstandsressorts neu. Das Unternehmen trägt damit den zunehmenden Anforderungen des Kapital- und Finanzmarktes Rechnung und hat zugleich einen die Nachfolge von Sarah Rössler geregelt, die das Unternehmen verlassen wird.

mehr ...

Immobilien

Grüne: Läden sollen wegen Corona Mieten neu aushandeln dürfen

Kleine Geschäfte und Selbstständige sollen bei schweren Einschränkungen in der Coronakrise nach Ansicht der Grünen ihre Mieten neu aushandeln dürfen.

mehr ...

Investmentfonds

Ölpreis ist Gradmesser der Corona-Pandemie

Öl gilt immer noch als Schmierstoff der Wirtschaft. Doch in diesem Jahr läuft nichts wie geschmiert. Als Energieträger und Grundstoff für die Industrie zeigt der Ölpreis den Grad der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an. Und die Wirtschaftsaktivität ist mit der Corona-Pandemie deutlich gesunken. Ein Beitrag von Max Holzer, Leiter Relative Return und
Mitglied des Union Investment Committee

mehr ...

Berater

Project: Vertriebs-Chef wird Holding-Vize

Mit Wirkung zum 21. September 2020 ist Alexander Schlichting (45) vom Aufsichtsrat der Project Beteiligungen AG zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Holdinggesellschaft der Project Investment Gruppe ernannt worden. Der Holding-Vorstand wird damit von zwei auf drei Mitglieder erweitert.

mehr ...

Sachwertanlagen

Ökostrom-Anteil in diesem Jahr bisher bei rund 48 Prozent

Nahezu die Hälfte des Stromverbrauchs in Deutschland wurde in den ersten neun Monaten des Jahres aus erneuerbaren Energien gedeckt. Der Ökostrom-Anteil soll weiter steigen.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...