27. September 2011, 17:38
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Provisionsdeckel: Vermittlerlobby protestiert

Die geplante gesetzliche Begrenzung der Vermittlerprovisionen in der privaten Kranken- und Lebensversicherung hat bei den Vertretern der Versicherungsvermittler Empörung ausgelöst. Der Verband BVK und die Vorsitzenden der Vertretervereinigungen der Assekuranzen wehren sich.

Lautsprecher-Forderung-127x150 in Provisionsdeckel: Vermittlerlobby protestiertDas Präsidium des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und die Vorsitzenden der Vertretervereinigungen der Versicherungsunternehmen, die zusammen mehr als 40.000 Versicherungsvertreter in Deutschland vertreten, lehnen den Vorschlag des Finanzausschusses des Bundestags „entschieden“ ab, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Ein Sprecher der CDU/CSU-Fraktion hatte vergangenen Mittwoch in der Sitzung des Finanzausschusses einen entsprechenden Antrag der Koalitionsfraktionen angekündigt, mit dem der derzeit in der Beratung befindliche Gesetzentwurf zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagerechts ergänzt werden soll.

Gerade Neuverträge in der Privaten Krankenversicherung seien sehr häufig „provisionsgetrieben“ gewesen, erläuterte der Sprecher. Diesen Missstand gelte es einzudämmen. Die Begrenzung der Vermittlungsprovisionen, über die keine detaillierteren Angaben gemacht wurden, soll zum 1. Januar 2012 in Kraft treten.

„Der Gesetzesvorschlag unterstellt nicht nur, dass die Versicherungsvertreter unangemessen viel verdienen, er schürt auch das Misstrauen gegenüber einem ganzen Berufsstand“, erklärt BVK-Präsident Michael H. Heinz.

Zwar gebe es „in wenigen Fällen exzessiv hohe Vergütungen“, die ganz große Mehrheit der Vermittler erhalte jedoch „eher eine zu geringe Provision von den Versicherungsunternehmen“.

“Provisionsbegrenzung ist Einschnitt in Grundrechte

In einer sozialen Marktwirtschaft, in der sich Preise nach Angebot und Nachfrage bilden, stelle die vom Finanzausschuss angestrebte Provisionsbegrenzung einen tiefen Eingriff in das Wirtschaftssystem und in die Grundrechte dar, heißt es weiter. „Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, dass Vereinbarungen auf der Grundlage der Privatautonomie weiterhin ohne staatlichen Eingriff möglich sind“, betont Heinz.

Er wies darauf hin, dass der Kunde bereits ausreichend vor zu hohen Provisionen geschützt sei. Schon nach der Informationspflichtenverordnung, die seit 2007 gelte, müssten dem Kunden die Kosten des Vertragsabschlusses, in der auch die Vermittlerprovision enthalten sei, auf Euro und Cent vor Vertragsschluss mitgeteilt werden. Die Verbraucher könnten also vergleichen, bei welchem Versicherungsunternehmen sie die höchsten oder die geringsten Kosten zu zahlen haben. (ks)

Foto: Shutterstock

6 Kommentare

  1. Um generell den Qualitätsverkauf zu fördern, wäre es sinnvoll, einheitliche Courtagesätze für Leben, Kranken und Sach vorzuschreiben, die in dieser Höhe an jeden Makler weiterzugeben wären. Ein Kostenausweis hat keinen Nutzen. Die Kosten sollten auch für Direktversicherer gelten, die mit externen Vermittlern zusammenarbeiten. Sonst geht ein Kunde zum Makler, lässt sich beraten und wechselt dann zum Direktanbieter. Eine generelle Stornohaftungszeit von 5 Jahren in Leben und Kranken wäre sinnvoll, um die Kunden vor bewusst fehlgeleiteter Beratung zu schützen. Bei einheitlichen Abschlusskosten wären Versicherer endlich gezwungen, Makler und Kunden allein über die versicherten Leistungen zu suchen. Auch müsste ein Makler nicht mehr suchen, wo er den selben Tarif mit höherem Rabatt bekommt, was nur zur Selbstkannibalisierung führen würde. Kosten könnten durch Reduzierung der Verwaltungskosten sowie durch Verzicht auf Leistungen gesenkt werden. Abschließend sollten Incentives für Makler verboten werden, da sie falsche Verkaufsanreize bieten und nicht im Sinne des Kundeninteresses sind.
    Es geht hier nicht um die Verteufelung einer Branche, sondern um die Erkenntnis, dass bei vielen Vermittlern kein Qualitätsverkauf im Vordergrund steht. Die massiven Erfolge beim Verkauf von Billigtarifen in der PKV und ähnliche Entwicklungen in anderen Segmenten kommen schließlich nicht von ungefähr.
    Da Lebens- und Krankenversicherungsverträge sehr langlaufend sind, ist hier der Kunde vor sich selbst zu schützen. Der Kauf eines Autos ist sicher auch teuer, hat aber nichts mit einer elementaren Grundversorgung zu tun. Gleiches gilt für den Kauf eines Hauses, auch wenn überteuerte Kosten hier sicher ebenfalls wenig nachvollziehbar sind.

    Kommentar von Stephan Witte — 29. September 2011 @ 09:02

  2. @makler: Wohl kaum. Wenn Sie lesen könnten, erkennen Sie, dass der ganz oben (ich) Honorarberater ist. Was aufregt ist die Überregulierung in der Versicherungsbranche. Tausende Formulare (von denen ich mich frei gemacht habe), keinen Zwang an die Versicherer Nettotarife anzubieten verbunden mit einem (weltweit einzigartigen) Provisionsabgabeverbot (man kann also auch keine Provisionen mit dem Honorar verrechnen). Wer ein wenig nachdenkt erkennt: EU und DE Regulierungen sind nur dazu da, die die Risiken und die Profitabilität der Versicherer zu optimieren. Die scheinheilige Begründung ist der Verbraucherschutz.

    Kommentar von Aussteiger — 29. September 2011 @ 08:26

  3. Wieso dürfen denn Immobilienmakler für ein zweimal das Haus zeigen zehntausende Euro nehmen und keiner regt sich auf?
    Von den Beamtenpensionen mal ganz zu schweigen!!!

    Kommentar von Andy — 28. September 2011 @ 16:58

  4. Warum der BVK sich da so streubt, weis ich nicht. Von deren Mitgliedern hat vermutlich keiner Provisionen a la MEG einkassiert. Das was die beiden über mir von sich geben, kann eigentlich nur von Strukki´s stammen. Der normale Vertreter oder Makler ist weit weg von dem, was dieverse Abzocker abkassieren und unseren Berufsstand in Verruf bringen. Die umsatzgeilen Versicherer sind scheinbar wie das Kaninchen vor der Schlange.

    Kommentar von Makler — 28. September 2011 @ 16:46

  5. Es ist eine bodenlose Frechheit und Anmaßung der Politik, die solche populistischen Regelungen durchsetzen will und hofft, dann mehr Wählerstimmen zu kriegen. Da ist jedes Mittel recht. Ich frage mich nur, wer ist der Nächste, der “reguliert” wird? Das sollten sich übrigens alle fragen. Wehret den Anfängen!

    Kommentar von fradiri — 28. September 2011 @ 15:21

  6. Das Land wird von Planwirtschaftlern regiert und zugrunde gerichtet. Ich als ehemaliger Vermittler bin lange ausgestiegen und arbeite nur noch gegen Honorar und vom Ausland aus. Sollen die in Berlin und Brüssel regulieren was sie mögen, es gibt genug Staaten in denen die Planwirtschaft und Regulitis nicht grassiert. Unter den Umständen unter denen in Deutschland gerade die kleinen Unternehmen zertreten werden, kann nichts gedeihen. Die Versicherungen bekommen Zwangs- und staatsgesponserte Versicherungen, softweiche Regulierungen die sie von der Haftung befreien und Nullregulierung in der Frage ob Sie verpflichtet sind provisionsfreie Tarife anzubieten. Kooperative Vetternwirtschaft, mehr ist es nicht.

    Kommentar von Aussteiger — 28. September 2011 @ 04:20

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