Solvency II: Marktbereinigung erwartet

Fast zwei Drittel der deutschen Versicherer rechnen einer Studie nach damit, dass die kommende EU-Richtlinie Solvency II zu einem Rückgang der Anbieter im Markt führt. Mehr als die Hälfte glaubt dementsprechend, dass kapitalstarke Gesellschaften profitieren werden.

Rücken Mann Winken„Dabei geht es nicht um Insolvenzen“, erklärt Wolfram Spengler, Senior Manager Insurance beim Beratungshaus PPI, das die Umfrage unter mehr 100 führenden Mitarbeitern der deutschen Versicherungsbranche durchgeführt hat.

„Aber einige europäische Unternehmen könnten sich vom stark umkämpften deutschen Markt zurückziehen. Und kleinere Anbieter, die zur Fortsetzung ihres Geschäftsbetriebs plötzlich mehr Eigenkapital benötigen, werden Übernahmekandidaten für die Branchengrößen.“

Jeder vierte deutsche Lebensversicherer vor Problemen

Laut PPI werden die Umfrageergebnisse aktuell auch von anderen Untersuchungen bestätigt. So habe der Stresstest der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa gezeigt, dass jeder zehnte Versicherer in Europa bei einer schweren Krise ernsthafte Probleme mit den künftigen Kapitalvorschriften bekäme.

Eine weitere Untersuchung komme zu dem Schluss, dass unter den Solvency-II-Regeln die Solvenzquote von jedem vierten deutschen Lebensversicherer unter die kritische 100-Prozent-Marke falle – auch ohne dass die Kapitalmärkte unter besonderen Druck gerieten.

Branche rechnet mit Aufschub bei der Umsetzung der Regeln

Die Umfrage zeigt indes auch, dass die deutsche Versicherungsbranche nicht daran glaubt, dass die Reform des europäischen Aufsichtsrechts wie geplant Anfang 2013 in Kraft treten wird. Von den befragten mehr als 100 Entscheidern aus Risikomanagement, Controlling und Revision gehen nur vier Prozent davon aus, dass das Solvency-II-Paket pünktlich und vollständig umgesetzt wird.

79 Prozent der Befragten rechnen damit, dass bei einem Start Anfang 2013 Übergangsfristen zur vollständigen Umsetzung gewährt werden. Ein Szenario, das laut PPI auch die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa für sinnvoll hält. (hb)

Foto: Shutterstock

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